Heidelberg

Heidelberg: 61-Jähriger wird in Heidelberg von Straßenbahn mitgeschleift (So, 08 Dez 2019)
Heidelberg. (dpa/lsw) Ein 61 Jahre alter Mann ist in Heidelberg mehrere Meter von einer Straßenbahn mitgeschleift und dabei verletzt worden. Der Mann war nach eigenen Angaben dabei, in die Bahn zu steigen, als sich die Tür schloss und seinen Arm einklemmte. Weil er sich nach Angaben der Polizei vom Samstag noch außerhalb der Bahn befand, musste er mit der anfahrenden Bahn mitlaufen. Schließlich stürzte er zu Boden, wobei sein Arm wieder frei wurde. Mit einer leichten Verletzung ging der 61-Jährige selbstständig ins Krankenhaus. Hintergründe zu dem Vorfall waren zunächst nicht bekannt.
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Heidelberg: Feiernde werfen von Balkon aus Bierkrüge auf Passanten (Sun, 08 Dec 2019)
Heidelberg. (dpa/lsw) Feiernde im Haus einer Studentenverbindung in Heidelberg haben Bierkrüge nach einem Passanten geworfen und sich anschließend mit der Polizei angelegt. Insgesamt wird gegen 25 Menschen ermittelt, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Wer aus der Gruppe am Vorabend die zwei Krüge vom Balkon auf den vorbeilaufenden 22-Jährigen geworfen hatte, war zunächst nicht klar. Die Krüge verfehlten den jungen Mann nur knapp. Als Polizeibeamte eintrafen, stellte sich ihnen die große Gruppe vor dem Haus in den Weg. Acht Polizeistreifen konnten schließlich wieder Ruhe herstellen. Ein 62-Jähriger und ein 27-Jähriger sollen während des Einsatzes die Beamten beleidigt haben.
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Heidelberg: Der Erfinder des Weihnachtsmarkt-Glühweins (Sun, 08 Dec 2019)
Von Micha Hörnle Heidelberg. Wenn es einen Weihnachtsmarkt-Veteranen gibt, dann Christoph Schneider. Der gebürtige Kurpfälzer mit Wohnsitz in Frankfurt hat seit 26 Jahren seinen eigenen Glühweinstand auf dem Marktplatz – und ganz nebenbei hat er auch den „Heidelberger Weihnachtsmarkt-Glühwein“ erfunden (oder vielmehr erfinden lassen). Seine vielen Erlebnisse und Anekdoten hat er in einem Buch zusammengetragen, das gerade frisch erschienen ist. Und da gerade die Kommunalpolitik über die Herkunft des Glühweins diskutiert hat: Schneiders Gebräu wird seit 1996 vom Leimener Weingut Adam Müller produziert, da war Schneider noch ganz frisch in dieser Branche. Zum Weihnachtsmarkt kam Schneider eher zufällig. Von 1991 an hatte er zehn Jahre lang das „Café do Brasil“ am Marktplatz, das alte „Café 7“, betrieben. Und direkt vor seiner Tür war eben das adventliche Treiben, weswegen er es auch einmal versuchen wollte – wenn auch zunächst 1993 mit einer brasilianischen Strandhütte, deren Produkte aber floppten. Denn bis dahin hatte er mit Glühwein & Co. nie etwas zu tun gehabt, auch in der „Strandhütte“ gab es mehr brasilianische Spezialitäten als Deutsch-Deftiges. Kurz darauf sah er mitten auf dem Heidelberger Weihnachtsmarkt, wie der Christkindelsmarkt-Glühwein des Nürnberger Großproduzenten Gerstacker ausgeschenkt wurde. Das ließ ihn nicht ruhen: „Das ist doch Blödsinn, wir sind doch in Heidelberg! Wir brauchen einen eigenen Glühwein – mit einem richtigen Etikett, und der Wein muss von hier sein.“ Und da das Weingut Adam Müller schon sein Café belieferte, war man sich schnell einig. Eigentlich wollte er aus dieser Idee ein bundesweites Geschäftsmodell machen, also für jede Stadt einen „Original-Glühwein“, aber das scheiterte. Immerhin haben Schneider und Müller weitgehend das Monopol auf den Heidelberger Weihnachtsmarkt-Glühwein, der auch bei den beiden Ständen von „Heidelberg Marketing“, an der Eisbahn und der Weihnachtspyramide – die für das neue Große Fass auf den Uniplatz verlegt wurde – verkauft wird. Das Geschäft, daraus macht Schneider gar kein Hehl, ist einträglich: „Wir nennen es das rote Gold“, sagt er – wahrscheinlich ist bei keinem Produkt, das auf dem Weihnachtsmarkt zu kaufen ist, die Gewinnmarge so hoch. Und tatsächlich half das Glühweingeschäft auch, dass Schneiders Marktplatz-Café über die schwachen Wintermonate kam. Aber wird man damit reich? Zumindest ermöglichen die Erlöse seines Glühweinstandes, dass Schneider den Rest des Jahres nicht arbeiten muss „und doch anständig leben kann“, wie er berichtet. Er verbringt viel Zeit mit Reisen („Ich bin Single, ich kann mir das erlauben“), und oft genug zieht es ihn in den Osten. Allein in diesem Jahr war er sieben Mal in Polen, denn dort ließ er seine neue Hütte bauen: Und seit dieser Saison steht ein runder Stand mit dem Heidelberger Schloss auf dem Dach (daher auch der Name „Heidelberger Glühwein-Schloss“) auf dem Marktplatz – aufzubauen in 90 Minuten und ansonsten bei einem Bekannten im Odenwald in zwei Teilen eingelagert. Außerdem hat er eine neue Mission: Er will in Russland richtige Weihnachtsmärkte etablieren. Dazu hat er ein großes Netzwerk an Kontakten aufgebaut, manchmal könnte man meinen, Putin gehöre auch dazu. Denn Schneider ist mit einer der kommunikativsten Budenbetreiber, kulturelle oder sprachliche Grenzen kennt er genauso wenig wie gelegentliche leichte Übertreibungen: „Das mit dem Weihnachtsmarkt in Russland ist auch eine Art Friedensarbeit.“ Seine Vorliebe zu Russland kann er selbst nicht ganz genau erklären – außer der zu russischen Frauen –, es ist wohl eher eine Seelenverwandtschaft. Zumal man dort Schneiders zupackende Art offenbar zu schätzen weiß. Einmal war er ganz dicht dran: In der Heidelberger Partnerstadt Simferopol war fast alles schon in trockenen Tüchern, dann annektierte Russland die Krim, der Westen verhängte Embargos, und das Projekt platzte. Aber auch danach ließ er seine Kontakte nicht schleifen, zumal er regelmäßig das russisch-orthodoxe Kloster St. Georg in der Uckermark besucht – offenbar ein ganz geeigneter Platz zum Netzwerken mit Russen. Im Moment sieht es danach aus, als würde in eine ehemalige deutsche Stadt, Kaliningrad (einst Königsberg), wieder etwas deutsche Tradition einziehen, denn dort könnte es einen „richtigen“ Weihnachtsmarkt geben. Etwas Ähnliches gibt es dort bereits, aber das sieht mehr nach einem billigen Rummel als nach einem stimmungsvollen Weihnachtsmarkt aus. Und auch Schneider sagt, was man wohl selten über Russen hört: „Da fehlt die Seele.“ Und die besteht vor allem aus deutschem Know-how. Denn dazu gehört auch, nicht stehen zu bleiben. Wer in Schneiders Buch blättert oder ihm zuhört, merkt bald, dass es unaufhörlich in ihm arbeitet, dass die Ideen nur so sprudeln: der deutsche Weihnachtsmarkt in Russland, das Schloss auf dem Glühweinstand – und natürlich die Weiterentwicklung des Glühweins an sich. Gab es früher nur schlicht den roten, kam bald ein weißer und schließlich ein pinker für die nicht-heterosexuelle Zielgruppe zusammen; dessen Etikett gestaltete übrigens der vor einem Jahr verstorbene Heidelberger Künstler Pieter Sohl. Ganz neu ist ein Glühwein aus edlen Merlot-Trauben für gehobene Ansprüche. Schneider spricht es nicht oft an, aber nur eitel Sonnenschein ist der Weihnachtsmarkt nicht. In seinem Buch wird manchmal angedeutet, wie hart und intrigenreich dieses Geschäft ab und an ist. Und doch hat sich der 58-Jährige – er hat aus einer früheren Beziehung einen Sohn, der in Frankreich lebt – seine sonnige Art bewahrt: Er gibt ganz gern am Stand den Alleinunterhalter, zumindest abends von 18 bis 21 Uhr. Den Rest der Zeit verbringt er in einem angemieteten Häuschen im Pfaffengrund, organisiert etwas rund um seinen Stand und arbeitet mit großem Elan an seinem Russland-Projekt. Schneiders leutselig-zugewandte Art („Erst der Kunde, dann der Euro“) mag auch daran liegen, dass er dort seine Karriere begann, wo man kommunikativ sein muss: in der Gastronomie. Nach seiner Schulzeit im Boxberg-Gymnasium – diese private Bildungsstätte gibt es seit über 30 Jahren nicht mehr – machte er seine Ausbildung im Schwetzinger Hotel Löwen, in dem öfters Prominenz abstieg, die im Rokokotheater auftrat. Und Schneider, dessen Eltern in Ketsch wohnten, hatte die Aufgabe, die Schauspieler zu betreuen. Gern erinnert er sich an Curd Jürgens, der die letzten Jahre vor seinem Tod 1982 regelmäßig mit dem Ein-Mann-Stück „Im Zweifel für den Angeklagten“ gastierte. Schneiders wichtigste Aufgabe: dem Weltstar seine Lieblingsschneckennudel besorgen. Mit Harald Juhnke und Horst Frank leerte er so manche Flasche, schweigt sich aber zum Inhalt dieser Gespräche hartnäckig aus. Dann wechselte er auf die Hotelfachschule und später zu McDonald’s: „Aus dieser Zeit habe ich mein ganzes Dienstleistungswissen her.“ Dann kam auch schon seine Heidelberger Zeit samt Café und Weihnachtsmarkt – die große Wohnung war in Schönau, die kleine direkt über dem Café. Seit vielen Jahren lebt er in Frankfurt: „Eine tolle Stadt, es ist meine Wahlheimat – zumal ich da günstig wohne. Aber mein Herz schlägt für Heidelberg.“ Und weil er ein einnehmendes Wesen hat, gelang es ihm auch, dass Bernd Schmidbauer ein Grußwort zum hundertseitigen Büchlein schrieb: Schmidbauer, Spitzname „008“, war nicht nur Staatsminister unter Helmut Kohl (und dort für die Geheimdienste zuständig) und von 1983 bis 2009 CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Rhein-Neckar, sondern einst auch auf dem Boxberg-Gymnasium Physiklehrer und Direktor: „Ein wunderbarer Lehrer“, erinnert sich Schneider. Hat einer, der sich seit 26 Jahren mit Weihnachtsmärkten beschäftigt, noch einen Traum? Ja: „Glühbier, aber ein richtiges, das auch noch im Krug gereicht wird. Das würde mich reizen.“ Info: Christoph Schneider: 25 Jahre Weihnachtsmarkt – ein Glühweinverkäufer erzählt“, Tredition-Verlag Hamburg, 101 Seiten, 11,99 Euro (wer mit einem Buch zu Schneiders Glühwein-Schloss auf dem Marktplatz kommt, erhält einen Becher Glühwein gratis).
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RNZ-Adventskalender: Magische Show und tolles Menü (Sat, 07 Dec 2019)
Heidelberg. (rie) Der „King of Pop“ lebt – jedenfalls im Heidelberger Schloss. Denn beim Gourmet-Varieté von Sternekoch Martin Scharff im Königssaal verkörpert der Londoner Sänger Koffi Missah den Superstar Michael Jackson. Darüber hinaus gibt es bei der aufregenden Show jede Menge Illusion und Magie – und dazu ein erstklassiges Vier-Gänge-Menü von Scharff und seinem Team. Dieses Mal stecken in unserem Adventskalender für den glücklichen Gewinner zwei Karten für die Show am Sonntagabend, 15. Dezember (17 Uhr) – natürlich inklusive Menü und Getränke. Wer gewinnen will, ruft an unter 0137822 / 702360 oder schickt eine SMS an die Nummer 52020 mit RNZ HD ADVENT (auf Leerzeichen achten) mit dem Kennwort SHOW sowie Name und Adresse. Die Leitungen sind bis Donnerstag, 12. Dezember, 13 Uhr, geschaltet. (Kosten pro Anruf 0,50 Euro aus dem dt. Festnetz. Anrufe aus dem dt. Mobilfunknetz ggf. stark abweichend. Kosten pro SMS 0,49 Euro. Mit einer Teilnahme erklären Sie sich einverstanden, dass Ihr Name/Wohnort publiziert werden kann. Datenschutz-Hinweise auf rnz.de/datenschutzhinweise)
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Heidelberg: Doch mehr Bewerbungen für die Villa Braunbehrens als gedacht (Sat, 07 Dec 2019)
Heidelberg. (hö) Am Ende gab es doch mehr Interessenten als gedacht für die leerstehende Villa Braunbehrens auf dem Königstuhl. Vor zweieinhalb Wochen, am 20. November, endete die Bewerbungsfrist, und bis dahin waren der RNZ nur zwei Konzepte bekannt, die dann auch eingereicht wurden: das einer Künstlerresidenz mit Biergarten und Café und das eines „Entspannungszentrums“. Über die genaue Zahl der Bewerbungen wollte ein Stadtsprecher auf RNZ-Anfrage keine Auskunft geben, es seien „eine Handvoll“. Ebenso wenig verriet er, welche Ideen mittlerweile im Spiel sind, wie man das über 100 Jahre alte Haus wieder neu nutzen kann. Und so geht es nun weiter: Das Liegenschaftsamt prüft die formale Vereinbarkeit der Bewerbungen mit den Ausschreibungskriterien. Dazu gehören das Mindestgebot über 250.000 Euro und der Nachweis einer soliden Finanzierung (denn das Gebäude muss für mindestens eine halbe Million Euro saniert werden). Dann werden die Bewerbungen anhand des Kriterienkatalogs bewertet: Zu 30 Prozent zählt der gebotene Kaufpreis, zu 40 Prozent, wie das Gebäude am Ende genutzt wird, es sich in die Umgebung einfügt und es das Gesamtareal Kohlhof aufwertet, zu zehn Prozent, wie denkmalgerecht die Immobilie saniert wurde, und zu 20 Prozent, wie der Freiraum gestaltet wurde. Im Frühjahr 2020 soll dann der Gemeinderat entscheiden – und so lange will die Stadt Vertraulichkeit über die Bewerbungen wahren.
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Heidelberg: Das Konferenzzentrum kostet jetzt 100 Millionen (Sat, 07 Dec 2019)
Von Anica Edinger Heidelberg. „Die Kosten sind auf 65 Millionen Euro gedeckelt“ – so stand es am 13. Oktober 2017 in der RNZ. Und auch am 30. Dezember desselben Jahres hieß es: „Die Kosten sollen 65 Millionen Euro nicht überschreiten.“ Heute, fast zwei Jahre später, steht fest: Diese Summe für das neue Konferenzzentrum in der Bahnstadt ist nicht länger zu halten. Darüber wurden jetzt hinter verschlossenen Türen die Aufsichtsräte von Heidelberg Marketing, künftiger Betreiber des Konferenzzentrums, sowie der städtischen Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz, deren Tochter Bau- und Servicegesellschaft (BSG) das neue Tagungszentrum baut, informiert. Der neue Kostenrahmen: 100 Millionen Euro. „Das ist natürlich erst einmal eine erschreckende Zahl“, erklärte Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck am Freitag auf RNZ-Anfrage. Doch wenn man sich genauer damit beschäftige, würde die neue Summe durchaus nachvollziehbar. Denn zum einen ist auch das neue Konferenzzentrum von der allgemeinen massiven Baukostensteigerung betroffen. Diese war auch schon Grund dafür, weshalb die Ausschreibung für die neue Fuß- und Radwegbrücke westlich des Hauptbahnhofs aufgehoben werden musste: Die Stadt hatte 5,5 Millionen Euro reine Baukosten kalkuliert; die eine Firma, die sich um das Projekt beworben hatte, wollte die Brücke für 15,7 Millionen Euro bauen. Doch beim neuen Konferenzzentrum ist die Kostensteigerung um 35 Millionen Euro nicht allein auf den Preisanstieg durch die hohe Nachfrage im Baugewerbe zurückzuführen. „Die 65 Millionen Euro wurden kommuniziert, ohne die Kostengruppe 600 mit einzurechnen“, so Odszuck. Unter diese fallen nicht nur Kosten für die Ausstattung wie Tische und Stühle oder auch für Kunstwerke, sondern auch für die Medientechnik. „Das sind natürlich hohe Posten“, meinte der Erste Bürgermeister. Außerdem habe man sich während der Planungen entschieden, ein weiteres Parkdeck zu bauen: Anstatt ursprünglich etwa 160 Parkplätzen in der Tiefgarage, sollen jetzt laut Odszuck rund 350 zur Verfügung stehen. So wolle man auch der „sowieso schon angespannten Parksituation in der Bahnstadt“ begegnen. Insgesamt sollen 3000 Menschen gleichzeitig im Konferenzzentrum tagen können. Odszuck betonte aber auch: „Das Konferenzzentrum ist kein Projekt, das die Stadt baut.“ Auch deshalb wurden die Gemeinderäte im letzten Haupt- und Finanzausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung über die Kostensteigerung nur informiert. Und weil die Finanzierung etwa von Krediten und die Kapitalanlagen derzeit sehr viel günstiger seien, verändere sich auch am sogenannten Verlustausgleich nichts. „Die BSG geht davon aus, dass sich die Kostensteigerung nicht negativ in den Büchern niederschlägt“, so Odszuck. Für den jährlichen Betrieb des Konferenzzentrums sind nach wie vor knapp vier Millionen Euro vorgesehen. Verantwortlich für die Vermarktung wird die Heidelberger Kultur- und Kongressgesellschaft mbH (HKK) sein, die organisatorisch zur städtischen Tourismus-Gesellschaft Heidelberg Marketing gehört – weswegen deren Chef Mathias Schiemer neben Gerhard Reiter einer der beiden Geschäftsführer ist.
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Winter-Varieté Heidelberg: Am Ende bleiben unvergessliche Momente (Sat, 07 Dec 2019)
Von Maria Stumpf Heidelberg. Showtime in besonderer Kulisse: Das Winter-Varieté lädt unter dem Motto „Passion“ wieder zur Spielsaison in das mondäne Kuppelzelt im Neuenheimer Feld ein. In der spektakulären Drei-Stunden-Show mit viel Glitzer, Musik und Entertainment zeigen preisgekrönte Künstler ihr Können. Der Gala-Abend mit Artistik und Akrobatik auf hohem Niveau, Tanz und Comedy trifft den Geschmack der rund 250 Gäste. Der Beifall zeigt: Es hat gefallen. Wohl auch, weil das künstlerische Unterhaltungsprogramm bestens ergänzt wird von einem Gourmet-Menü, das – auch in vegetarischer Variante – „exklusive Genussmomente“ verspricht. Rund 70 Mitarbeiter pro Abend im Service und hinter den Kulissen sorgen freundlich, schnell und geräuschlos dafür, dass die Gäste die Stunden einfach nur genießen dürfen. „Herzlich willkommen, treten Sie ein!“: Beim Spiel mit dem Licht verwalten Sänger und Moderator Oli Dums sowie die Finalistin des Eurovision Song Contest, Ornella de Santis, charmant wie humorvoll das Aufgebot an internationalen Show-Acts. Es darf auch ein wenig erotisch sein: Denn natürlich gehört zu einer guten Show ein Ballett, und die Tänzerinnen und Tänzer des „Vegas Showballetts“ lassen mit ihrer Choreografie die dunkle Jahreszeit schillern. Die Bühne liegt in der Mitte des runden Kuppelzeltes und bietet von allen Plätzen einen freien Blick auf die abwechslungsreichen Inszenierungen. Eine große LED-Wand dahinter sorgt für die entsprechende Stimmung. Doch das eigentliche Scheinwerferlicht gehört den Profis: Da wäre zum Beispiel Clown Cesar Dias, Preisträger beim Internationalen Zirkusfestival in Monaco. Seine perfekt einstudierte Tollpatschigkeit ist schlicht genial. Aiusha, die Schlangenfrau an der Polestange, hat sich wohl der Schwerelosigkeit verschrieben, und Vladimir Omelchenko jongliert auf mehreren beweglichen Elementen so versiert, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Magisches zaubert auch das Duo Silver Power auf die Bühne – und weitere Künstler reihen sich ein. Am Ende bleiben unvergessliche Momente. Florian Keutel und Riadh Bourkhis, die Macher des Winter-Varietés, zeigen sich mit dem bisherigen Kartenverkauf sehr zufrieden. Bourkhis ist auch verantwortlich für die Gastronomie. Er hat Erfahrung aus der Eventgastronomie beim Heidelberger „GVO Events und Catering“ mitgebracht und war in Harald Wohlfahrts Mannheimer „Palazzo“ schon verantwortlich für den Service. Küchenchef ist Thomas Kaiser. Er leitet die „1. Heidelberger Koch- und Grillschule“ im Dachgeschoss des Alten Hallenbades. Camilla Keutel ist für die Choreografie des Vegas-Showballetts verantwortlich. Neu im Programm ist dieses Jahr, dass die Arena an den Wochenenden bereits tagsüber geöffnet ist – mit Brunch und einer rund einstündigen Show samt ausgewählten Showelementen. Info: Das Winter-Varieté läuft noch bis zum 12. Januar 2020 – dienstags bis samstags um 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Karten von 49 bis 89 Euro unter Telefon 01805 / 118811 oder online: www.winter-variete-heidelberg.de.
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Heidelberg: Haldex-Belegschaft will sich nicht "wegrationalisieren" lassen (plus Fotogalerie) (Sat, 07 Dec 2019)
Von Barbara Klauß Heidelberg. Die Mitarbeiter von Haldex in Heidelberg geben nicht kampflos auf. Bei eisiger Kälte versammelten sich gestern Mittag rund 100 Menschen vor dem Eingang des Standorts in Wieblingen, um sich gegen dessen Schließung zu wehren. „Wir lassen uns nicht einfach wegrationalisieren!“, rief ein Sprecher des Betriebsrats den Menschen zu, unter ihnen Mitarbeiter zahlreicher anderer Betriebe, die gekommen waren, um sich solidarisch zu zeigen. „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze und um unsere Existenzen!“ Im Oktober hatte der schwedische Nutzfahrzeug-Zulieferer Haldex angekündigt, den Standort in Heidelberg schließen und die Produktion nach Ungarn verlagern zu wollen. Rund 100 Mitarbeiter sind betroffen. Erhalten bleiben sollen lediglich 17 Jobs in Verwaltung und Vertrieb, die über ganz Deutschland verteilt sind. Gestern war bei Haldex in Heidelberg niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Betriebsleiter Manfred Vogel hatte zuletzt erklärt, es werde versucht, „sozialverträgliche Lösungen zu finden, wo immer möglich“. Betriebsbedingte Kündigungen seien allerdings nicht ausgeschlossen. Haldex stellt in Heidelberg derzeit noch Bremssysteme und Luftfederungen für Lastwagen her. Das schwedische Unternehmen hinkt Ertragszielen hinterher und hält es für unvermeidlich, Standorte zusammenzulegen. Dabei habe die Belegschaft bewiesen, dass es sich lohne, hier in Heidelberg zu entwickeln und zu produzieren, sagte der Betriebsrat bei der Kundgebung vor dem Werk – und verwies auf andere Meldungen aus diesen Tagen: Gerade erst hat der Bremsenhersteller Wabco bekannt gegeben, dass er 8,9 Millionen Euro in seinen Mannheimer Standort investieren will. Geplant ist unter anderem eine neue Produktionshalle und der Ausbau von Forschung und Entwicklung. „Haldex muss sich offenbar von der Konkurrenz zeigen lassen, wie es geht“, rief der Betriebsrat unter Applaus. Auch Michael Seis, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Heidelberg, kann die Entscheidung gegen den Standort nicht nachvollziehen. „Es scheint, als ob die Geschäftsführung keinen Plan hat“, erklärte er bei der Kundgebung. Bereits 2013 hätten Gewerkschaft und Betriebsrat Vorschläge gemacht, „wie man dieses Werk sinnvoll und ertragreich führen kann“. Auch jetzt wollten sie wieder ein Konzept erarbeiten und der Geschäftsführung vorlegen. Er hoffe, dass die Verantwortlichen nicht zum dritten Mal denselben Fehler machten, sagte Seis. Das Unternehmen, 1926 unter dem Namen „Graubremse“ gegründet, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Daran erinnerte Martin Hornung, der bis zu seiner Pensionierung Betriebsratsvorsitzender bei Haldex war. In der Hochzeit in den 1980er-Jahren beschäftigte das Unternehmen mehr als 900 Menschen. Mehrfach stand das Werk vor dem Ende, sollte übernommen werden, immer wieder gab es Entlassungswellen. „Wir Beschäftigten mussten immer bluten“, sagte Hornung. „Damit muss Schluss sein, damit wenigstens der Rest noch eine Zukunft hat!“ Unterstützt werden die Beschäftigten unter anderem von der SPD Heidelberg, wie die Kreisvorsitzende Nina Gray erklärte, die zur Kundgebung gekommen war. „Es ist kalt bei der Firma Haldex“, erklärte der Betriebsrat. Nach der vollkommen überraschenden Ankündigung sei die Belegschaft schockiert gewesen. „Und sie ist es immer noch.“
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Schwimm-Europameisterschaft: Gleich vier Heidelberger am Start (Sat, 07 Dec 2019)
Von Claus Weber Glasgow/Heidelberg. Philip Heintz strahlte, als habe er soeben den Titel gewonnen. Der 28-jährige Heidelberger freute sich am Freitagabend riesig über seinen dritten Platz bei den Kurzbahn-Europameisterschaften der Schwimmer in Glasgow. Dabei hatte Heintz 2013 und 2017 sogar Gold und 2015 Silber auf seiner Paradestrecke 200 m Lagen geholt. „Ich habe in diesem Jahr wenig trainiert, deshalb war ich schon mit dem Finaleinzug sehr zufrieden“, erklärte Heintz und fuhr fort: „Ich hatte überhaupt nicht mit einer Medaille gerechnet, deshalb bin ich sehr zufrieden.“ Auch Michael Spikermann jubelte. „Die EM war für Philip nur der Abschluss einer Wettkampfserie“, sagte der Heidelberger Stützpunkttrainer, „so richtig vorbereitet darauf hatte er sich nicht.“ Die Olympischen Spiele im nächsten Sommer in Tokio stehen nämlich über allem. Heintz scheint auf einem guten Weg Richtung Japan, blieb in Schottland in 1:52,55 Minuten nur rund sechs Zehntel über seiner persönlichen Bestzeit. „Das war sehr gut“, sagte Spikermann, „so schnell hatte ich ihn zu diesem Zeitpunkt gar nicht erwartet.“ Auch Artem Selin verdiente sich ein Lob. Der 17-jährige Spätaussiedler, der in Ziegelhausen wohnt, schaffte es bei seinem EM-Debüt immerhin ins Semifinale über 50 m Freistil und verpasste als Zehnter nur knapp den Endlauf. In Berlin war er vor 14 Tagen mit neuem Altersklassenrekord von 21,55 Sekunden deutscher Meister geworden. In Glasgow verbesserte er sich im Vorlauf auf 21,53 und im Halbfinale nochmals auf 21,37 Sekunden. „Das ist aller Ehren wert, wenn man beim ersten Top-Wettkampf noch so zulegt“, lobte Spikermann. Am heutigen Samstag starten gleich vier Athleten des SV Nikar Heidelberg: Philip Heintz und Isabel Gose haben über 100 m Lagen beziehungsweise 200 m Freistil gute Finalchancen, Julia Hassler wird die Kraulstrecke allerdings nur zur Vorbereitung auf die 400 m Freistil nutzen. Der erst 16-jährigen Zoe Vogelmann ist über 200 m Lagen ein Platz im Endlauf zuzutrauen. Am Donnerstag hatte sie über die halbe Distanz das Finale nur knapp verpasst. Neben Heintz schwamm am Freitag noch Christian Diener aufs Podest. Für den 26-Jährigen aus Cottbus bedeutete der zweite Platz über 100 Meter Rücken in 49,94 Sekunden die zweite EM-Medaille in Glasgow. Der Sieg ging an den Russen Kliment Kolesnikow in 49,09. Über 200 Meter hatte Diener zuvor schon Silber geholt. Für die größte Überraschung aus deutscher Sicht hat bei den Titelkämpfen in Schottland bislang allerdings Marius Kusch gesorgt, der dem Deutschen Schwimm-Verband mit der Goldmedaille über 100 m Schmetterling den ersten Titel beschert hatte. Der 26-Jährige aus Essen hatte in der deutschen Rekordzeit von 49,06 Sekunden deutlich vor dem Russen Michail Wekowischtschew gewonnen.
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Heidelberg: "Schmuck trifft Kunst" in der Galerie Staeck (Sat, 07 Dec 2019)
Von Susann Behnke-Pfuhl Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Notenschlüssel in der Goldkette, die elegant und leicht anmutet. In der diesjährigen Doppelausstellung der Galerie Staeck sind Goldschmiedearbeiten von Heidi Saul zusammen mit Werken von Sigmar Polke zu sehen. Die Ideen für ihre neusten Kreationen hat die Heidelbergerin wieder aus Italien mitgebracht, aus dem malerischen Arezzo in der Toskana, einer Stadt, die für ihre Flohmärkte berühmt ist. Dort findet die Künstlerin ihre „objet trouvés“ vergangener Zeiten, um sie zu raffinierten Schmuckstücken zu verarbeiten. „Nicht erfinden, sondern finden“: Diesem Motto bleibt sie weiterhin treu und hat damit Erfolg. Aus alten Bakelitschaltern kreiert sie moderne Kettenverschlüsse, Rücklichter aus Rubinglas funkeln in Anhängern, Schreibmaschinentasten verwendet sie für ihre Gold- und Silberringe. In ihren modernen Kompositionen kommen Bernstein, Korallen, Perlen und Edelsteine zum Einsatz. Herzstück ihrer neusten Kollektion ist ein Goldring, den ein frei gelegtes Uhrgehäuse ziert. Auffällig sind kreisförmige Kettenanhänger mit sternförmigem Muster. Es handelt sich um Florentiner Mosaik aus der Zeit um 1950, das aus Ebenholz, Metall und Perlmutt hergestellt wurde. Typisch für Sauls Arbeit sind die Ketten aus vergoldeten Dichtungsringen für Kolben, die ihren eigenen Retro-Charme entfalten. Mit Heidi Sauls erlesenen Kreationen werden Grafiken von Sigmar Polke (1941– 2010) ausgestellt. Der im schlesischen Oels geborene Künstler, dessen Werke kürzlich in der Stuttgarter Staatsgalerie („Baselitz – Richter – Polke – Kiefer“) zu sehen waren (die RNZ berichtete), prägte zusammen mit Gerhard Richter, Konrad Lueg und Manfred Kuttner den Begriff des „kapitalistischen Realismus“. Als ironische Antwort auf die Kunstrichtung des „sozialistischen Rea-lismus“ gedacht, ging es Polke darum, analog den Künstlern der Pop Art Alltagsphänomene seiner Umwelt darzustellen. Er begann mit Rasterbildern, experimentierte mit Lack und stofflichen Untergründen. Seine Zeichnungen dagegen waren witzig, humorvoll, subversiv. Wie Rolf Staeck berichtete, war Sigmar Polke mehrmals in der Heidelberger Galerie Staeck zu Gast, in der er seine Druckwerke verlegen ließ. Die ausführliche Korrespondenz mit dem Künstler ist in der Ausstellung gut dokumentiert. Auch Polke suchte und fand seine Materialien, arbeitete mit trivialen Zeitungsausschnitten, etwa in der Offset-Siebdruck-Serie „Bargeld lacht“. Die den Arbeiten zugrunde liegenden, zeichnerisch ergänzten Collagen persiflieren den Konsumalltag der Wirtschaftswunderzeit. Ein Stück der Folie, mit der Christo das Deutsch-Amerikanische Institut verpackte, nahm er als Untergrund für seine Arbeit „Sechs Richtige für Klaus Staeck und den Rolf“. Mit wenigen Strichen ist der „Reiher mit Sonnenuntergang“ hingeworfen, ein beliebtes Tiermotiv der Nachkriegszeit, das er häufig auf trivialen Flanellstoffen abbildete. Dass Sigmar Polke auch die Vergangenheit des Dritten Reichs aufarbeitete, lässt sich an einer Arbeit ersehen, die auf ein Originalfoto zurückgeht und die die Warteschlangen vor der Ausstellung „Entartete Kunst“ 1938 in Hamburg zeigt. Info: „schmuck trifft kunst – heidi saul + sigmar polke“, Galerie Staeck, Krämergasse 12, geöffnet täglich 14–21 Uhr. Bis 13. Dezember 2019.
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Die fetten Jahre sind vorbei: Heidelberg rechnet mit Verdoppelung des Schuldenstands (Fri, 06 Dec 2019)
Heidelberg. (hö) Es ist vielleicht noch keine Katastrophe, aber es ist eine sehr schlechte Entwicklung, und zwar mit Ansage: Nach Jahren des Überschusses werden die nächsten Haushaltsjahre in Heidelberg richtig schlecht – und sogar noch schlechter als ursprünglich angenommen. Die RNZ beantwortet die wichtigsten Fragen zur Etatsituation. Wie schlimm ist die Lage? Dramatisch, die Kämmerei sieht „eine dauerhaft tragfähige finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt Heidelberg (...) stark gefährdet“. In einer Fortschreibung der absehbaren Entwicklungen der Jahre 2021 bis 2023, also der wahrscheinlichen Einnahmen und Ausgaben, wird sich der Schuldenstand auf 358 Millionen Euro fast verdoppeln (zum Jahresende 2019 sind es 181,5 Millionen Euro); gerechnet hatte man noch vor einem Jahr „nur“ mit knapp 335 Millionen Euro. Für jedes Haushaltsjahr planen die Experten eine Neuverschuldung von 36 Millionen Euro – weit über der Vorgabe des Gemeinderates von maximal 20 Millionen Euro. Woran liegt diese Entwicklung? Sie ist nicht neu – und Finanzbürgermeister Hans-Jürgen Heiß hat schon im letzten Jahr davor gewarnt. Heidelberg lebt kontinuierlich über seine Verhältnisse – und zwar nicht, weil zu viel investiert wird, sondern weil zu viel für die „Wohlfühlstadt“ ausgegeben wird. Gerade im vor genau einem Jahr beschlossenen Haushalt hatten sich fast alle Gruppierungen auf einen Etat geeinigt, der insgesamt zusätzliche 25 Millionen an Wohltaten für fast alle vorsah: Es gab mehr Geld für Soziales (8,1 Millionen Euro für die Jahre 2021 bis 2023), Entlastungen für Familien (Betreuungsgutscheine oder Geschwisterermäßigung – alles in allem 8,8 Millionen Euro), auch den Zuschuss für den Öffentlichen Nahverkehr (24,9 Millionen). Allein in diesem „konsumptiven“ Bereich (also die normale Erfüllung der städtischen Ausgaben/Wohltaten ohne Investitionen) droht in diesen Jahren ein Minus von fast 41 Millionen Euro. Zum Vergleich: Momentan beträgt das Haushaltsvolumen rund 650 Millionen Euro im Jahr. Was ist mit den Investitionen? Auch die sind zu stark angestiegen – und zwar so, dass man das umfangreiche Neubau- und Sanierungsprogramm kaum mehr abarbeiten kann. Pro Jahr wurden im letzten Doppelhaushalt mehr als 100 Millionen Euro eingestellt, aber die kann die Verwaltung nicht ausgeben: Es gibt einerseits zu wenig Personal in der Stadtverwaltung, andererseits zu wenig Kapazitäten bei den Baufirmen: Finanzbürgermeister Heiß sprach davon, dass die Stadt maximal 80 Millionen im Jahr für Investitionen ausgeben kann. Was ist mit den Einnahmen? Die steigen auch – aber längst nicht so stark wie die Ausgaben. Die Gewerbesteuer soll sogar 2023 auf einen Rekordwert von 135 Millionen Euro steigen – trotz Konjunkturabkühlung. Was sagt die Kommunalpolitik? Anke Schuster (SPD) war „geschockt“, als sie am Mittwochabend im Haushalts- und Finanzausschuss diese Zahlen hörte: „Und dabei sind die Maßnahmen wegen des Klimanotstands hier noch gar nicht berücksichtigt.“ Sven Geschinski (AfD) sah die „Gefahr, dass wir uns überschulden“ und forderte ein Sparprogramm. Jan Gradel (CDU) flüchtete sich in die Hoffnung, dass die schlimmsten Befürchtungen des Kämmerers bisher nie eingetreten seien: „Das wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Und Arnulf Weiler-Lorentz, der sonst so sparsam ist, empfahl, für den Klimaschutz alle Verschuldungsmöglichkeiten auszuschöpfen – und die Steuern zu erhöhen. Wahrscheinlich gibt es bald eine Sondersitzung.
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Heidelberg-Rohrbach: Mutter erstochen - 21-Jähriger soll weitere Straftat begangen haben (Update) (Fri, 06 Dec 2019)
Heidelberg-Rohrbach. (pol/van) Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am heutigen Freitag bekannt geben, steht der 21-Jährige, der am Wochenende des 23./24. November seine Mutter getötet haben soll, im dringenden Verdacht eine weitere Straftat begangen zu haben. Am 13. März soll er eine damals 28-Jährige in der Heidelberger Poststraße angegriffen, geschlagen und gewürgt haben. Nur durch das Eingreifen von Passanten konnte offenbar Schlimmeres verhindert werden. Das Opfer wurde durch den Angriff leicht verletzt.  Die Staatsanwaltschaft geht von versuchter Tötung aus. Der 21-Jährige habe laut Polizei die Tat gestanden. Die Ermittlungen zu Motiv und den genauen Hintergründen laufen.  Update: Freitag, 6. Dezember 2019, 11.30 Uhr Von Micha Hörnle Heidelberg. Auf den ersten Blick erinnert wenig im Heidelberger Stadtteil Rohrbach an die Bluttat vom Wochenende: In der ruhigen Wohngegend der Leimer Straße stehen vor der Hausnummer 37 ein paar brennende Kerzen: Hier war am Wochenende eine 58-Jährige erstochen worden – von ihrem Sohn. Die Tat wurde aber erst drei Tage später, am Mittwoch, bekannt: Eine Bekannte der Frau hatte sich Sorgen gemacht, weil sie die 58-Jährige seit Tagen nicht erreichen konnte und die Polizei informiert. Als die Beamten zur Wohnung der Frau fuhren, fanden sie die Leiche. Ihr Sohn war zu diesem Zeitpunkt in der Wohnung und wurde festgenommen. Er hat die Tat gestanden. Der 21-Jährige ist psychisch krank und lag offenbar über Jahre hinweg im Clinch mit seiner Mutter. Am Donnerstagnachmittag ordnete eine Ermittlungsrichterin die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt an. Viele Bewohner der schmalen Straße am Rohrbacher Rand hatten am Mittwochabend mitbekommen, dass etwas Schlimmes passiert sein muss: Der Weg war von einem großen Polizeiaufgebot abgesperrt worden; einige sahen, wie der junge Mann in Handschellen abgeführt wurde. Und die Kunde von den vielen Polizisten und den abgesperrten Straßen machte schnell die Runde im ganzen Stadtteil. Gleichzeitig begannen Beamte die Nachbarn zu fragen, ob man etwas vom Verbrechen mitbekommen habe. In ihren Angaben zum Geschehen hielten sich die Polizisten zurück; und so wussten in der Leimer Straße viele zunächst nicht genau, was geschehen war. Das sollte sich im Laufe des gestrigen Donnerstags ändern: In kleinen Gruppen versammelten sich die Leute – und waren sichtlich betroffen. Man kannte die Frau in dem Viertel gut – unter anderem auch deswegen, weil sie recht regelmäßig aufs jährliche Straßenfest kam und viel mit ihren Hunden unterwegs war. Sie wird als „kontaktfreudig, offen und herzensgut“ beschrieben. Angeblich soll sie in der Schulsozialarbeit tätig gewesen sein. Ein Nachbar sagt hingegen, dass Mutter und Sohn „eher zurückgezogen“ gelebt und schon relativ lang in dem Mehrfamilienhaus gewohnt hätten; die 58-Jährige war offenbar getrennt von ihrem Partner. Über den jungen Mann können die Anwohner wenig sagen; noch nicht einmal, ob er in letzter Zeit zusammen mit seiner Mutter in einer Wohnung wohnte. Jemand aus einem Haus schräg gegenüber kannte ihn noch aus dessen Grundschulzeit: „Als er noch mit meiner Tochter in die Eichendorff-Schule ging, war er völlig unauffällig.“ Danach habe man keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt: „Da wohnst Du hier und bekommst nicht im entferntesten mit, was da passiert.“ Am Donnerstag wurde auf der Straße auch über das problematische Verhältnis zwischen Mutter und Sohn geredet: Eine Nachbarin berichtete, dass es „massive Schreiereien“ in der Wohnung gegeben habe; angeblich existierte sogar eine Verfügung, wonach der junge Mann seiner Mutter fernbleiben sollte. Ein anderer Nachbar erinnert sich an eine andere Straftat vor fast auf den Tag genau 17 Jahren, gerade ums Eck, in der Straße „Am Beind“: Am 13. Oktober 2002 war die stadtbekannte Wirtin eines Lokals am Adenauerplatz niedergestochen und schwer verletzt worden. Sie musste notoperiert werden und überlebte knapp. Der Täter war ihr Angestellter (Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war irrtümlich von ihrem Ehemann die Rede). Sie erholte sich, zog weg und übernahm wieder das Lokal, das 2014 in Insolvenz ging; kurz darauf verstarb die Frau. Update: Freitag, 29. November 2019, 18 Uhr Heidelberg. (pol/mün) In einer Wohnung im Heidelberger Stadtteil Rohrbach wurde eine 58 Jahre alte Frau tot aufgefunden. Wie die Polizei mitteilt, steht ihr 21 Jahre alter Sohn unter dringendem Tatverdacht, seine Mutter am vergangenen Wochenende, 23./24. November, erstochen zu haben.  Am Mittwochnachmittag wurde die Polizei von einer Bekannten der Getöteten informiert, dass sie die 58-Jährige seit Tagen nicht erreichen könne. Die 58-Jährige wurde daraufhin von Polizisten tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Der ebenfalls anwesende Sohn wurde von Beamten des Dezernats für Kapitaldelikte der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg festgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft leide der 21-Jährige an einer psychischen Erkrankung. Er soll die Tat eingeräumt haben.  Der 21-Jährige wurde am Donnerstagnachmittag der Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht Heidelberg vorgeführt, die eine einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anordnete. Gegen den jungen Mann werde derzeit wegen Totschlags ermittelt, so die Ermittler. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg und des Dezernats für Kapitaldelikte der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg zu Motiv und Hintergründen der Tat dauern an.
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Heidelberger Kurfürsten-Anlage: Jetzt müssen im Bauhaus auch die Läden schließen (Fri, 06 Dec 2019)
Von Micha Hörnle Heidelberg. Das Bauhaus an der Kurfürsten-Anlage hat seit drei Wochen geschlossen – und alle Geschäfte in dem Komplex werden bis zum Jahresende folgen. Auch das momentan noch geöffnete Parkhaus soll dann endgültig geschlossen werden. Das liegt vor allem daran, dass die Betriebsgenehmigung für den gesamten Bau zum Jahresende unwiderruflich ausläuft. Vorher war sie immer wieder um ein Jahr verlängert worden. Der Statiker hat sogar ein Betretungsverbot ausgesprochen. Kurz: Das gesamte Gebäude ist nach 44 Jahren am Ende. Für die Betroffenen ist das eine wirtschaftliche Katastrophe, wie etwa für Evangelia Karousou, seit 28 Jahren die Wirtin der „Bierstube“. Sie ärgert vor allem, dass sie zum 1. Juni noch einen Vertrag bekommen habe: „Die haben das doch vorher gewusst, wieso kam nun ganz überraschend die Kündigung?“ Nun steht sie vor dem Nichts: „Keine Ahnung, was ich im neuen Jahr machen soll, ich bin fast 60.“ Auch unter ihren Gästen herrscht Unverständnis: „Ich finde das unverschämt. Man hätte ihr regulär kündigen müssen“, sagt Alma Besser, ein Stammgast aus Oftersheim. Matthias Turczynski meint: „Mich würde die Schließung hart treffen. Jetzt macht wieder eine Kneipe zu, im Grunde ist es die einzige richtige in der Weststadt.“ Sein Nachbar am Tresen, Peter Beck aus Wieblingen, sagt: „Die Bierstube ist authentisch und hat faire Preise.“ Ein Bier kostet drei Euro – und man darf rauchen. Noch schlimmer hat es Mürsel Bag erwischt: Der eröffnete erst im März einen neuen Dönerladen, wofür er mehr als 100.000 Euro investiert hat: „Und dann hörte ich vor vier Wochen, dass uns gekündigt werden soll, weil man hier alles abreißen will. Ich hätte doch nie eröffnet, wenn ich von der Schließung gewusst hätte.“ Direkt gegenüber hat sein Bruder Birsel Bag ein neues Wettbüro eingerichtet und auch da viel Geld reingesteckt. Für Mürsel Bag, der seit 35 Jahren in der Gastronomie tätig ist, ein Desaster: „Alles sehr bitter, ich bin schockiert. Es ist fast unmöglich, einen anderen Standort zu finden.“ Ebenfalls neu ist die „Misch-Bar“, wo einst das Wettbüro war: „Im August haben wir neu eröffnet. Dass das Gebäude mal abgerissen wird, war ja an sich klar, aber dass es so schnell geht, damit hätten wir nicht gerechnet“, sagt die Angestellte Selina Jahn. Ratlos ist auch Frank Wei vom China-Restaurant. Er hat erst vor 18 Monaten das Lokal übernommen und ist nur ein Unterpächter. Daher hat er auch erst vor einer Woche erfahren, dass er bis zum Jahresende dicht machen muss: „Ich hatte noch keine Zeit zu denken. Aber es ist schwer. Ich habe keine Ahnung, was ich dann machen soll.“ In den letzten Tagen organisierten sich die Pächter, um gegen ihre, wie sie finden, zu kurzfristige Kündigung gemeinsam juristisch vorzugehen – und für eine Ablöse zu streiten. Ein Bauhaus-Sprecher sagte auf RNZ-Anfrage: „Es ist korrekt, dass 2019 unterjährig neue Mietverträge ohne die Angabe einer konkreten Laufzeit mit zwei Ladenbesitzern geschlossen wurden. Dabei sind beide Mieter zu keinem Zeitpunkt mit dem expliziten Wunsch nach einem längerfristigen Mietverhältnis an uns herangetreten. Etwaige Verlängerungen der sonstigen Mietverhältnisse sind unterdessen in diesem Jahr nicht erfolgt, und alle Mietverhältnisse der Ladenlokale wurden fristgerecht gekündigt. Auch hierüber wurden alle Mieter der Ladenlokale frühzeitig informiert.“ Immerhin eines ist klar: Auf längere Sicht hätte kein Ladenlokal eine Chance, denn für den neuen Besitzer des Areals, den Mannheimer Baukonzern Diringer & Scheidel, steht fest, dass die jetzige Bausubstanz komplett abgerissen wird. Wann konkret damit begonnen wird, steht noch nicht fest.
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Extremismusforscher Matthias Quent: Wie man die Rechten links liegen lässt (Fri, 06 Dec 2019)
Von Matthias Kehl Heidelberg. Dass er genau weiß, wovon er spricht, macht Matthias Quent gleich zu Beginn deutlich. Mit einem persönlichen Einblick in seine Jugend in Thüringen. „Als ich 14 Jahre alt war, haben mich Rechtsextreme im voll besetzten Bus gepackt und mir die Haare abgeschnitten“, erzählt der 33-jährige Extremismusforscher am Mittwochabend in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte. Niemand sei eingeschritten, um ihm zu helfen. „Sie mochten nicht, wie wir aussahen und dachten“, erzählt Quent, den der Aufstieg der Alternative für Deutschland (AfD) zur zweitstärksten Partei bei den Landtagswahlen in Thüringen nicht überrascht hat. Es ist kein leichtes Thema, das Quent bei der Vorstellung seines Spiegel-Bestsellers „Deutschland rechts außen“ behandelt. Dennoch sind die Stuhlreihen in der Pfaffengasse bis zum letzten Platz belegt. Der Wahlerfolg der Rechtspopulisten, die Gefahr des Rechtsextremismus und die Frage, wie die Zivilgesellschaft damit umgehen sollte, stehen im Fokus des Vortrags des Extremismusforschers. Die rechte Szene von heute sei unverändert groß, so der Politologe. Doch werde für diese Menschen – vor allem in Ost-Deutschland und insgesamt in der Bundesrepublik – durch die AfD ein politisches Angebot geschaffen. „Der Prozess der Radikalisierung verläuft schleichend“, beschreibt Quent die Entwicklung der zunächst als „eurokritisch“ gestarteten Partei, die mittlerweile deutschlandweit in die Landtage einzog. Dass AfD-Wähler in der Regel zu den „sozial Abgehängten“ in der Gesellschaft zählen, verweist Quent ins Reich der Fabeln. Fremdenfeindliche, offen rassistische Ansichten würden sich quer durch die gesellschaftlichen Schichten ziehen. „Wenn es zum öffentlichen Aufschrei kommt, ist die Entwicklung meist schon bedenklich weit“, sagt Quent, der an der Universität Jena mit einer Arbeit über die gesellschaftlichen Einflüsse auf die Radikalisierung des NSU promoviert wurde. „Die Zeit“ zählte den 33-Jährigen jüngst zu den 100 wichtigsten Ostdeutschen unter 40 Jahren. Quent achtet in seinem Vortrag genau auf Begrifflichkeiten. Rechtspopulisten, Rechtsextremisten, Wähler und Sympathisanten vermag er stets genau im Kontext zu verorten. Dennoch wird deutlich, dass man die Grundhaltung der „Rechten“ festmachen kann: in der rassistischen Vereinfachung politischer Antworten auf hochkomplexe Fragen. Die „Flüchtlingskrise“ als negativ aufgeladenen Begriff nennt er beispielhaft als Thema, mit der die AfD ihrer Wähler anspricht und mobilisiert. Der Thüringer Quent ist selbst kein Lautsprecher. In der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte redet er betont ruhig. Seine Ausführungen spickt er immer wieder mit Zahlen, die er empirisch belegt. Zum Beispiel als er auf die Frage hinsteuert, wie man im Alltag mit politisch rechts Abgebogenen umgehen sollte. „Zwei Drittel der AfD-Anhänger stimmen mit den ideellen Werten der Partei überein. Sie ,zurückzuholen’ ist illusorisch“, sagt Quent. Vielmehr gelte es, darauf zu achten, den Weg der Rechten selbst nicht mitzugehen, Rechte auf ihrem Weg nach rechts links liegen zu lassen. „Wir müssen eine Normalisierung entschieden verhindern“, fordert der Politologe. Im Anschluss an seinen Vortrag diskutiert Quent zusammen mit Vertretern der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich für die Opfer von rechtsextremer Gewalt einsetzt, und dem Publikum. Auf leichte Antworten ist an diesem Abend niemand aus. Doch eins bleibt unter den Anwesenden Konsens: dass Deutschland nicht noch weiter nach rechts rücken darf.
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Plan für gerechtere Welt: "Radikal ist die Welt, in der wir leben" (Fri, 06 Dec 2019)
Von Sebastian Riemer Heidelberg. Zwei Dinge treiben Daniel Al-Kayal an: sein Gerechtigkeitssinn und die nackte Angst. „Liest man diese Berichte von Experten über die Zukunft der Ozeane, der Wälder, der Welt insgesamt – da packt einen das kalte Grausen“, sagt der 25-jährige Heidelberger Student der Politik- und Bildungswissenschaften. Mit sieben anderen jungen Menschen hat Al-Kayal deshalb ein Buch geschrieben: „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen.“ Darin entwerfen die acht Mitglieder des „Jugendrates Generationen Stiftung“, der sich für Generationengerechtigkeit einsetzt, die Vision einer aus ihrer Sicht gerechteren Welt. Einer Welt, in der nicht nur die Klimakrise konsequent bekämpft und der Raubbau an der Natur gestoppt werden, sondern auch Unternehmen aufs Gemeinwohl verpflichtet, Vermögende höher besteuert, Bedürftige stärker unterstützt und die Welt der Erwerbsarbeit komplett neu gedacht werden. Im RNZ-Interview spricht Al-Kayal, der für die SPD im Bezirksbeirat Kirchheim sitzt, darüber, wie radikal die Forderungen aus dem Buch sind – und wie realistisch ihre Umsetzung ist. Herr Al-Kayal, Ihr Buch entwirft mit konkreten politischen Forderungen eine andere Welt. Wie kam es dazu, dass sich acht junge Menschen hinsetzen und so einen Plan aufschreiben? Wir waren uns im Jugendrat einig: Die Art, wie wir leben, arbeiten und wirtschaften, führt in den Abgrund. Und obwohl die Fakten – von der Klimakrise bis zum drohenden Kollaps des Rentensystems – bekannt sind, hat die Politik überhaupt keinen Plan. Da wurde uns klar: Wir müssen selbst einen Plan machen. Und dann haben Sie sich zusammengesetzt und politisch ziemlich linke Forderungen aufgeschrieben? Nein, wir haben Forscherinnen und Forscher befragt, Berichte gewälzt. Wir haben einen wissenschaftlichen Beirat. Wir haben 260 Fußnoten auf 250 Seiten, alles ist wissenschaftlich unterfüttert. Wir haben die Fakten genommen und daraus Bedingungen entwickelt, die erfüllt werden müssen, wenn wir die Probleme lösen wollen. Sie fordern höhere Steuern für Gutverdiener, einen europäischen Mindestlohn und deutlich höhere Transferleistungen. Man kann den Plan schon links nennen. Dass unser Plan extrem links ist, das sehe ich anders. Eigentlich müssen da alle Parteien mitgehen können. Es geht ja auch um Innovationsfreude, um Freiheit – was die FDP freuen müsste. Oder um die Bewahrung der Schöpfung – was der CDU ein Anliegen sein sollte. Sie wollen aber auch das Gymnasium abschaffen, große Unternehmen zerschlagen, eine europäische Republik errichten, die Bundeswehr entwaffnen und SUV sowie Flüge unter 1000 Kilometer Entfernung verbieten. Das ist für viele Menschen ein radikales Programm. Das finde ich nicht. Radikal ist doch die Welt, in der wir leben. Eine Welt, in der ein paar Superreiche so viel besitzen wie die arme Hälfte der Weltbevölkerung. Eine Welt, in der nächstes Jahr die weltweit zweithäufigste Todesursache Depressionen sind. Nicht Krebs, nicht Aids, nicht einmal Krieg: Depressionen. Die Todesursache Nummer eins ist übrigens Hunger. Das finde ich radikal. Im Grunde sind wir mit unserem Plan konservativ, denn wir wollen etwas bewahren. Meinen Kindern eine lebenswerte, gerechtere Welt hinterlassen zu wollen – das finde ich nicht radikal. Dennoch: Sie fordern auf fast allen Politikfeldern einen grundlegenden – also im Wortsinne: radikalen – Paradigmenwechsel. Ist es klug, mit Maximalforderungen in die Debatte zu gehen? Unser Ausgangspunkt war: In was für einer Welt wollen wir leben? Wir wollten nicht von vorneherein Kompromisse eingehen. Und: Wir behaupten ja nichts im luftleeren Raum. Unsere Forderungen sind hinterlegt mit Berichten von renommierten Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation oder der Agentur für Arbeit. Wir haben Expertinnen und Experten gefragt, ob das unrealistisch ist, was wir fordern. Und alle sagen uns: Nein, ist es nicht. Ihr Buch und damit ein Plan liegen nun also vor. Wie geht es jetzt weiter? Wir wollen darüber diskutieren und laden alle ein, mitzumachen, den Plan auch zu verbessern oder einen eigenen vorzulegen. Wie sind denn die Reaktionen bisher? Ob Alt oder Jung: Wir bekommen quer durch die Bevölkerung viel Zuspruch. Und aus der Politik? Wir haben zur Buchvorstellung in Berlin alle Bundestagsmitglieder, alle Ministerinnen und Minister sowie die Kanzlerin zur Diskussion eingeladen. Kein einziger kam. Wir haben nicht mal Antworten bekommen. Das ist symptomatisch, wie die Politik auf die Interessen junger Menschen eingeht. Wir werden nicht ernst genommen, sondern ignoriert. Man diskutiert nicht einmal mit uns. Sie machen im Buch den Eindruck, die Umsetzung Ihres Plans sei alternativlos. Die Behauptung, eine politische Entscheidung sei alternativlos, brachte Angela Merkel zurecht viel Kritik ein. Wieso diese Rhetorik der Unausweichlichkeit? Seit ich politisch denken kann, wurden mir Dinge als alternativlos verkauft. Im Angesicht der Klimakrise zu handeln – das halte ich tatsächlich für alternativlos. Wir haben einen Plan vorgelegt, über den wir nun diskutieren wollen. Wer einen Besseren hat, soll sich melden. Aber dass wir grundlegend etwas ändern müssen, darüber diskutieren wir nicht. Auf die unerwünschten Folgen einiger Ihrer Forderungen gehen Sie nicht ein. Was passiert denn mit den vielen Millionen Menschen in der Auto-, Rüstungs-, Flug- und Fischfangindustrie, die im Zuge Ihres Plans ihre Arbeit verlieren? Deshalb fordern wir nicht nur eine Grundsicherung, die ihren Namen verdient, sondern auch eine komplett andere Arbeitswelt. Während wir jedes Jahr Millionen Überstunden machen und Burn-out ein Riesenproblem ist, haben wir in der EU 14 Prozent Arbeitslosigkeit. Es ist möglich, die Arbeit besser zu verteilen. Aber es kann doch nicht jeder einfach jeden Job übernehmen. Und wenn ganze Industriezweige sterben, ist es etwas dünn, lediglich zu fordern, man müsse die Arbeit besser verteilen. Das ist ja auch nicht alles. Wir wollen den Arbeitsbegriff ganz neu definieren. Denn nicht nur Lohnarbeit ist Arbeit. Auch wer Kinder hat, seine Eltern pflegt, den Haushalt macht oder ein Ehrenamt ausübt, leistet Arbeit, die notwendig ist, damit die Gesellschaft funktioniert. Deshalb werden wir um eine drastische Reduzierung der Lohnarbeitszeit nicht herumkommen. Und wie wollen Sie die massiven Investitionen in Grundsicherung, Bildung und Kinder finanzieren? Zunächst einmal muss die „schwarze Null“ weg, die eine der größten Sünden an der Generationengerechtigkeit darstellt, weil sie dringend nötige Investitionen verhindert. Und: In der EU werden jedes Jahr 825 Milliarden Euro an Steuern hinterzogen, das ist mehr als das fünffache des EU-Haushalts. Zu fordern, dass wir dafür sorgen, dass diese Steuern bezahlt werden – das ist nicht radikal, das ist nicht links. Das ist nur anständig und eigentlich ein klassisch konservativer Wert. Die Welt in 50 Jahren: Was glauben Sie, ist sie näher an der Welt, die Sie im Buch skizzieren – oder näher an der Welt, in der wir heute leben? (überlegt lange) Ich glaube, wir schaffen es, dass sie näher ist an der Welt aus unserem Plan. Dann bin ich der Opa, der seinen Enkelinnen und Enkeln erklärt: Wir haben es gerade noch so hingekriegt. Aber ehrlich gesagt: Ich wünsche mir das einfach zu sehr, als dass ich die Chancen realistisch einschätzen könnte. Info: Der Jugendrat der Generationenstiftung: „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen! 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft“, Blessing Verlag, 12 Euro, ISBN: 978-3-89667-656-6.
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Heidelberger Weihnachtsgeschäft: "Black Friday" wichtiger als der Weihnachtsmarkt? (Fri, 06 Dec 2019)
Von Micha Hörnle Heidelberg. Wer hätte das gedacht: Die Männer sind die natürlichen Feinde der Einzelhändler. Denn nach einer aktuellen Studie, die Swen Rubel vom Einzelhandelsverband Nordbaden präsentierte, kaufen 55 Prozent der Männer den Großteil ihrer Weihnachtsgeschenke im Internet – bei den Frauen sind es „nur“ 48 Prozent. Und während sich 57 Prozent der Frauen sich schon ab November um Geschenke kümmern, fällt das 45 Prozent der Männer erst eine Woche vor dem Fest ein. Man ahnt es schon: Ein immer größerer Anteil der Weihnachtseinkäufe wird im Internet erledigt, mittlerweile sind es knapp 32 Prozent. Überhaupt, das Internet: Es ist mittlerweile zum Hauptkonkurrenten der Läden geworden. Mittlerweile führt das auch zu spürbar weniger Besuchern in den zentralen Einkaufsmeilen. Rubel berichtet von dramatischen Zahlen: „Mehr als 50 Prozent aller Händler klagen über deutliche Frequenzverluste. Das ist ein Fakt.“ Umso wichtiger ist den Heidelberger Einzelhändlern, dass die Innenstadt gut und auch einigermaßen bezahlbar erreichbar ist. Und auch deswegen sehen viele die Erhöhungen der Gebühren an den Parkautomaten mit Sorge: „Wir alle stehen vor dem Weihnachtsgeschäft. Und dass ausgerechnet in dieser Zeit ein Vorschlag der Stadtverwaltung kommt, ist katastrophal. Eine bessere Werbung für,Amazon‘ hätte man nicht machen können“, schäumt Sahin Karaaslan vom Einzelhändler-Verband „Pro Heidelberg“. Diese Entwicklungen machen auch dem Einzelhandel in Heidelberg Sorgen, aber man will nicht die Flinte ins Korn werfen: So planen die meisten Läden in der Innenstadt am Samstag, 14. Dezember, eine lange Einkaufsnacht bis 22 Uhr – die zweite des Jahres. Hier wollen sich nicht nur die Läden von ihrer besten Seite zeigen (und etwa auch besondere Aktionen für die angeblich so internetaffinen Männer anbieten), sondern auch den Weihnachtsmarkt für sich nutzen: „Der Weihnachtsmarkt ist extrem wichtig für uns“, sagt Rubel. Dabei sind Volker Dieterich von „Pro Heidelberg“ „besonders die Schweizer“ aufgefallen: „Die übernachten meist hier und sind sehr kaufkräftige Kunden.“ Allerdings machen sich die Heidelberger Läden fast mehr Gedanken darüber, wie sie mit dem hierzulande verhältnismäßig jungen Phänomen des „Black Friday“ umgehen sollen. Der kommt ursprünglich aus den USA und bezeichnet den Tag nach dem „Thanksgiving Day“, der wiederum immer der vierte Donnerstag im November ist. In Amerika ist dieser „Black Friday“ als Brückentag schon länger ein klassischer Einkaufstag. Später wurde er bei den Einkaufsplattformen im Internet übernommen – und nun fragen sich auch die Läden vor Ort, wie sie damit umgehen sollen: „Dummerweise steht dieser Tag am Anfang des Weihnachtsgeschäfts, was es für uns schwer macht“, sagt Rubel. „Andererseits gewinnt dieser Tag immer mehr an Bedeutung: Heute werden an diesem einen Tag drei Prozent der gesamten Weihnachtsgeschäftsumsätze gemacht. Und die Umsätze an diesem Tag wachsen um 22 Prozent! Mittlerweile kommen die Kunden gezielt an diesem Tag in die Läden vor Ort und fragen nach Rabatten. Wenn sie die nicht bekommen, gehen sie wieder.“ Daher gibt es nicht wenige Stimmen, die fordern, dass auch der Heidelberger Einzelhandel seine Aktionen – etwa die lange Einkaufsnacht – auf diesen Tag vorzieht. Und zwar unabhängig davon, ob dann Weihnachtsmarkt ist. Man habe es ja vor einer Woche gesehen: „Die Stadt war voll.“ Nur gab es an jenem Tag auch den Protest von „Fridays for Future“ – das hätte auch ins Auge gehen können. In Frankfurt mussten Läden schließen, da Demonstranten dort Anti-Konsum-Rabbatz machten. Und weil heute Nikolaus ist: Mittlerweile, so zitiert Rubel eine aktuelle Studie, werden an diesem Tag 26 Euro ausgegeben. Pro Kind.
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Heidelberger Landfried-Gelände: Restaurant "Uuuhmami" will echte italienische Küche ohne Schnörkel bieten (Fri, 06 Dec 2019)
Heidelberg. (ani) Echte italienische Küche. Ohne Schnörkel. Ehrlich und bodenständig: Das soll es im „Uuuhmami“ geben – dem neuen Laden von den Machern des Café „Nomad“, des Burgerrestaurants „Joe Molese“ und von Leander Schmidt-Glintzer, den viele noch als Koch aus den Anfangsjahren des Landgut Lingenthals kennen. Er hat sich mit Suna Aslan und Ellis Osabutey vom „Nomad“ und Marco Panzini, Gesicht des „Joe Molese“, vor gut einem Jahr zusammengetan – seit wenigen Tagen hat das „Uuuhmami“ des Gastro-Teams im ehemaligen „Carosello“ auf dem Landfried-Gelände nun schon geöffnet. Industrieromantik trifft innovative Küche: So lässt sich das Konzept grob beschreiben. Viel wichtiger aber: „Wir stellen das Produkt wieder in den Mittelpunkt“, erklärt Panzini, dessen Vater aus Süditalien stammt. Deshalb gibt es auf der Karte auch Gerichte wie „Brot und Salz und nix“ oder schlicht Burrata mit Basilikumcreme. „Ich wollte schon immer den Italiener machen, der keiner ist“, sagt der 38-Jährige. Deshalb sucht man auf der Karte auch vergebens nach Vitello Tonnato oder Carpaccio. Panzini ist sicher: „Das braucht die Stadt nicht mehr.“ Stattdessen braucht sie offenbar die Pizza Romana, für die Ellis Osabutey verantwortlich ist, der seit 15 Jahren zwischen Heidelberg und Rom pendelt. Bei der Pizza liegt das Geheimnis im Teig: Er zieht 24 Stunden lang. Das sei ein wichtiger Prozess, der heutzutage viel zu häufig einfach übergangen werde, sagt Panzini. Man müsse dem Produkt auch den Respekt entgegenbringen, den es verdiene, findet Panzini. Auch deshalb wird im „Uuuhmami“ alles selbst gemacht: die Tomatensoße für die Pizza, die Pasta, das Brot. Die Zutaten kommen direkt aus Italien und was regional gekauft werden kann, wird auch regional gekauft. Verarbeitet wird das in der komplett offenen Küche um das Team des 31-jährigen Leander Schmidt-Glintzer, der in Sternerestaurants gelernt hat. Er hatte das „Pfannenwerfen und Rumgeschreie in der Küche“, wie er sagt, satt – und dass in vielen Restaurants häufig „die Seele des Essens zerstört werde“. Nicht so im „Uuuhmami“. Einen Laden machen, wo man als Gastronom auch selbst gerne hingehen würde: Das ist jedenfalls für Ellis Osabutey Antrieb. „Das hier ist genau so etwas“, sagt er. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Suna Aslan eröffnete er 2016 das erste „Nomad“ in der Rohrbacher Straße, 2018 folgte das Zweite in Neuenheim. Jetzt wieder auf Abendgastronomie umzusteigen, sei natürlich eine Herausforderung, meint Aslan. Zumal beide vor neun Monaten Nachwuchs bekommen haben. Doch der Aufwand lohne sich. Überhaupt ist das neue Gastro-Team noch lange nicht am Ziel: Ein weiteres „Uuuhmami“ wird in Mannheim eröffnen – und auch in Heidelberg soll im nächsten Jahr noch viel passieren. Info: „Uuuhmami“, Alte Eppelheimer Straße 50, täglich 11 bis 1 Uhr, 25. und 26. Dezember ab 17 Uhr, Silvester à la carte, 1. Januar ab 15 Uhr geöffnet. Achtung: keine Bargeldzahlung!
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Steigende Parkgebühren in Heidelberg: Ausschuss ignoriert die Bedenken der Einzelhändler (Thu, 05 Dec 2019)
Heidelberg. (hö) Trotz aller Warnungen des Einzelhandels folgte am Mittwochabend eine Mehrheit des Haupt- und Finanzausschusses nach heftiger Debatte dem Vorschlag der Verwaltung. Demnach soll bis 2023 die Gebühr an Parkscheinautomaten schrittweise verdoppelt werden: von bisher 1,50 Euro pro Stunde auf 2,10 Euro schon ab nächstem Jahr auf schließlich drei Euro ab 2023. In der Debatte machte sich Sven Geschinski die Anliegen der Einzelhändler zu eigen: „Das verschlechtert unsere Wettbewerbsbedingungen. Die Einkäufer fahren dann zu den kostenlosen Parkplätzen nach Viernheim. Hier geht es um Abzocke, es werden die Gebühren ohne Gegenleistung erhöht.“ Bei der CDU dachte man so ähnlich, tat sich aber mit einer ablehnenden Haltung schwer, wie Jan Gradel zugab: „Wir sind uns noch uneins, wie wir später im Gemeinderat abstimmen werden, daher enthalten wir uns jetzt. Wir sehen zwar die verstärkten Anstrengungen für den Klimaschutz, aber auch die Schwierigkeiten für den Einzelhandel in der Innenstadt. Diese Erhöhung ist einfach zu stark.“ Um dem Vorwurf, hier gehe es vor allem um Abzocke, zu begegnen, forderten auch die Befürworter der Gebührenerhöhung, man solle das eingenommene Geld – die Stadt rechnet mit Mehreinnahmen von 400.000 Euro ab 2020 und sogar mit einer Million Euro ab 2023 – nicht einfach so im Haushalt „versickern“ lassen. So forderten Christoph Rothfuß (Grüne) und Arnulf Weiler-Lorentz (Bunte Linke), mit den Mehreinnahmen den Öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen: Rothfuß meinte: „Ich denke da an kostenlose Busse und Bahnen an den Samstagen – und wenn das nicht geht, wenigstens in der Einkaufszeit von 12 bis 18 Uhr.“ Update: Donnerstag, 5. Dezember 2019, 20.30 Uhr Von Timo Teufert Heidelberg. Stadtverwaltung und Gemeinderat wollen die Gebühren an Parkscheinautomaten erhöhen: Ab kommendem Jahr auf 2,10 Euro pro Stunde, ab 2022 sollen sie sich im Vergleich zu heute verdoppeln und dann bei drei Euro pro Stunde liegen. Grund für die Erhöhung: Man möchte, dass Autofahrer auf Bus und Bahn umsteigen oder mit dem Fahrrad in die Stadt fahren. Beim Citymarketingverein Pro Heidelberg ist man wenig angetan von der Idee und findet den Zeitpunkt der Behandlung in den städtischen Gremien direkt im Weihnachtsgeschäft – heute wird das Thema ab 17.30 Uhr im Haupt- und Finanzausschuss im Rathaus, Marktplatz 10, beraten – für den angeschlagenen stationären Handel mehr als unglücklich. „Sich nur auf die Autofahrer einzuschießen und keine Alternativen anzubieten, ist der falsche Weg“, kritisiert André Wetzel, Filialleiter bei Expert Esch in Heidelberg und Beisitzer im Pro Heidelberg-Vorstand, den Vorschlag der Verwaltung. Das Angebot im öffentlichen Nahverkehr sei dafür nicht attraktiv genug. „Ich habe keine Fantasie, wie Busse und Bahnen mit den jetzigen Kapazitäten noch mehr Menschen transportieren könnten“, so Wetzel. Schon heute bekomme er von Kunden und Mitarbeitern die Rückmeldung, dass Busse und Bahnen überfüllt seien und deshalb an Haltestellen einfach durchfahren würden. „Die Themen Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit sind auch wichtige Themen für den Handel“, versichert Nikolina Visevic, Geschäftsstellenleiterin von Pro Heidelberg. Allerdings kämen laut Studien 60 Prozent der Kunden in der Innenstadt aus dem Umland in das Oberzentrum Heidelberg. Und von außerhalb sei es teilweise schwierig, mit dem Nahverkehr anzureisen. „Ich glaube zudem nicht, dass jemand mutwillig mit dem Auto in die Stadt fährt. Es besteht oft genug einfach die Notwendigkeit dafür“, so Wetzel. Schließlich hätten die Händler nicht nur mit den Parkgebühren, sondern auch mit Frequenzrückgängen und dem verstärkten Online-Handel zu kämpfen. „Wir würden uns deshalb wünschen, dass Stadt und Kommunalpolitik den Handel mehr in den Blick nehmen würden“, sagt Visevic. Denn von den Heidelbergern allein könnten die Heidelberger Händler nicht leben, unterstreicht Wetzel. Er betont außerdem, dass es sich bei den Parkplätzen, für die die höheren Gebühren dann fällig werden, vor allem um solche in den Randgebieten, nicht aber in der Innenstadt handle. Denn in der Altstadt gibt es vor allem Parkhäuser, in denen die Kunden parken müssen. „Und in den Randbezirken, die die Erhöhung trifft, haben es die Händler schon schwer genug“, findet Wetzel. Gerade in den Stadtteilzentren gebe es viele inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte, für die sich die vielen kleinen Probleme im schlimmsten Fall zu einer Existenzfrage verschärfen würden. „Wenn die Stadt jetzt das Signal der Gebührenerhöhung aussendet, sind die Kunden schneller im Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim, wo man kostenlos parken kann, als den Händlern lieb ist. Oder sie kaufen gleich online“, ärgert sich Wetzel.
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RNZ-Adventskalender: Tolle Preise für Heidelberger Vielschwimmer (Thu, 05 Dec 2019)
tt. Im Sommer wie im Winter kann man sich in den Schwimmbädern der Stadtwerke Heidelberg Bäder fit halten: Ob im Köpfelbad in Ziegelhausen, im City-Bad im Darmstädter-Hof-Centrum, im Hallenbad Hasenleiser, im Tiergartenbad oder im Thermalbad. Wir verlosen heute eine Jahreskarte für alle fünf Schwimmbäder im Wert von 280 Euro und eine Saisonkarte für das Tiergartenbad im Wert von 210 Euro. Wer gewinnen will, ruft an unter 0137822 / 702364 oder schickt eine SMS an die Nummer 52020 mit RNZ HD CHRISTKIND (auf Leerzeichen achten) mit dem Kennwort FÜNF BÄDER (für die Jahreskarte) oder TIERGARTEN (für die Saisonkarte) sowie Name und Adresse. Die Leitungen sind bis Mittwoch, 11. Dezember, 13 Uhr, geschaltet. (Kosten pro Anruf 0,50 Euro aus dem dt. Festnetz. Anrufe aus dt. Mobilfunknetz ggf. abweichend. Kosten pro SMS 0,49 Euro. Mit einer Teilnahme erklären Sie sich einverstanden, dass Ihr Name/Wohnort publiziert werden kann. Datenschutz-Hinweise auf rnz.de/datenschutzhinweise)
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Heidelberg: Fernwärme in Rohrbach-Hasenleiser ausgefallen (Update) (Thu, 05 Dec 2019)
Heidelberg. (RNZ/van) Aufgrund einer technischen Störung der Fernwärmeversorgung mussten die Bewohner zwischen Erlenweg und Karlsruher Straße - begrenzt nördlich durch die Max-Joseph-Straße und die Konstanzer Straße im Süden - im Stadtteil Rohrbach-Hasenleiser rund drei Stunden auf Warmwasser und Heizung verzichten, wie die Stadtwerke Heidelberg am Donnerstag mitteilten. Das Heizwerk Hasenleiser war am Vormittag gegen 11 Uhr ausgefallen. Nach Angaben der Stadtwerke könne es noch bis circa 15 Uhr dauern, bis wieder alle an das Fernwärmenetz angeschlossenen Haushalte wie gewohnt mit Fernwärme versorgt sind. Im Hallenbad Hasenleiser werden erst ab den frühen Abendstunden wieder die gewohnten Beckenwasser- und Duschwassertemperaturen erreicht. Update: Donnerstag, 5. Dezember 2019, 14 Uhr
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