Heidelberg

Masterplan Neuenheimer Feld: Uni-Rektor Eitel macht Druck für favorisierten Entwurf (Sa, 11 Jul 2020)
Von Holger Buchwald Heidelberg. Moderat im Ton, aber mit Nachdruck hat sich Universitätsrektor Bernhard Eitel am Freitag als Vertreter der Wissenschaftseinrichtungen im Neuenheimer Feld mit einem Brief an alle Mitglieder des Gemeinderates gewandt. Darin lobt er den bisherigen Masterplanprozess, kritisiert aber auch den jüngst im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss mit Mehrheit verabschiedeten Änderungsantrag von SPD, Grünen, GAL, Bunter Linken, Linken und "Heidelberg in Bewegung". Die Mehrheit des Ausschusses will, dass im weiteren Masterplanprozess nicht nur mit dem Entwurf des von Stadt, Land und Universität favorisierten Büros Astoc weitergearbeitet wird, sondern auch mit dem von Kerstin Höger, die sich gegen eine Bebauung des Gewanns Hühnerstein und stattdessen für eine massive Nachverdichtung im Neuenheimer Feld ausspricht. "Wir können nicht mitgehen, wenn der Standort insgesamt so hoch nachverdichtet werden soll, dass die Aufenthaltsqualität beeinträchtigt und der Charakter des Wissenschaftscampus und damit auch des öffentlichen Raumes in erheblichem Maße gefährdet wird", schreibt Eitel an die Stadträte. Das stelle den Campus als attraktiven Arbeitsplatz und Aufenthaltsort für Beschäftigte, Studierende und Besucher infrage und widerspreche der vom Gemeinderat formulierten Zielsetzung des Masterplanprozesses. Der Entwurf des Büros Astoc sei besser, weil er sich städtebaulich als flexibler erweise und mehr Freiraum biete. Zugleich betont Eitel, dass auch für die Universität eine maßvolle Innenverdichtung des Campus Vorrang habe vor der Nutzung neuer Flächen auf dem Hühnerstein. Dieses Gewann liegt nördlich des Klausenpfades und damit schon im Handschuhsheimer Feld. Die Universität hat dort seit 1970 Baurecht, das nach der Rahmenvereinbarung zum Masterplanprozess nicht angetastet werden darf. Die Gärtner im Handschuhsheimer Feld fürchten aber starke Beeinträchtigungen. Besonders wehrt sich Eitel gegen das Junktim des Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschusses, dass eine Erhöhung der Geschossflächenzahl und damit die Nachverdichtung auf dem Campus abhängig gemacht wird vom Erfolg von Maßnahmen zur Reduzierung des Autoverkehrs. "Das nimmt dem Land jede Handlungsfähigkeit und steht in Widerspruch zu der in der Rahmenvereinbarung festgelegten Zielsetzung, notwendige Entwicklungsmöglichkeiten der Wissenschaftseinrichtungen zu fördern." Indiskutabel sei auch, dass nochmals eine Straßenbahntrasse durch die Straße "Im Neuenheimer Feld" geprüft werden soll. Diese Variante sei bereits vom Verwaltungsgerichtshof gekippt worden. Stattdessen erklärt sich Eitel mit einer weiter nördlich verlaufenden Trasse "ausdrücklich einverstanden". Für Eitel sind dies alles existenzielle Fragen. Er betont die Symbiose, die Universität und Stadt verbindet. "Geht es der Wissenschaft gut, geht es Heidelberg gut." Das gelte für Wirtschaft, Handel und Tourismus, die Krankenversorgung und die Vielfalt von kulturellen und wissenschaftlichen Veranstaltungen. Mit dem Kompromiss von Stadt und Land und der Festlegung auf den Entwurf von Astoc habe man eine gute Grundlage gefunden. Daher bittet Eitel den Gemeinderat, in seiner Sitzung am 23. Juli seiner Verantwortung nachzukommen und dieser "im konstruktiven Miteinander gefundenen Linie eine Chance zu geben".
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Heidelberg: "Ich geh dann weg" - 15-jähriger Jugendlicher wird vermisst (Sat, 11 Jul 2020)
Heidelberg. (pol/mare) Der 15-jährige Elias E. aus Heidelberg wird seit Freitagnachmittag vermisst. Das berichtet die Polizei. Er hat gegen 15 Uhr die Wohnung seiner Eltern mit den Worten "Ich geh dann weg" verlassen. Seither ist der Jugendliche verschwunden. Er ist etwa 1,70 Meter groß und hat eine sehr hagere Figur und braune, lockige Haare. Am Freitag trug er ein helles T-Shirt, eine blaue löchrige Jeans, Sportschuhe und eventuell einen dunklen Überwurf. Er ist soziophob, spricht von sich aus niemanden an, reagiert jedoch normal auf Ansprache. Die Polizei überprüfte bisher alle Orte, an denen sich Elias E. regelmäßig aufhält. Ohne Erfolg. Deshalb hofft sie bei der Suche nun auf Hinweise aus der Bevölkerung. Wer Angaben zu Elias E. machen kann, möge sich melden unter Telefon 0621/1744444 oder über den Polizeinotruf 110. 
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Heidelberg: Jetzt gibt's endlich einen Wohnmobil-Stellplatz (Sat, 11 Jul 2020)
Heidelberg. (hob) Illegale Camper am Neuenheimer Neckarufer waren Stadt und Anwohnern schon lange ein Dorn im Auge. Doch nun gibt es endlich eine Alternative. Im Kirchheimer Harbigweg, unweit der Straßenbahnhaltestelle Messplatz, wird am Montag der Wohnmobilstellplatz Heidelberg eröffnet. Vorab zeigten die drei Betreiber – Oliver Lechner, Markus Walter und Andreas Mayer – Oberbürgermeister Eckart Würzner und "Heidelberg Marketing"-Chef Mathias Schiemer, was sie in nur zehn Wochen seit der Baufreigabe aus dem Boden gestampft haben. Das geschotterte und von der Stadt für fünf Jahre gepachtete Areal ist 5000 Quadratmeter groß und bietet Platz für 50 Wohnmobile. Die einzelnen Parzellen sind sechs Meter breit und zehn Meter tief. Hier finden die Camper nicht nur sanitäre Anlagen, Strom- und Wasseranschluss, WLan und eine Möglichkeit, ihr Schmutzwasser zu entsorgen. Nebenan bieten Lechner, Walter und Mayer mit ihrem Biergarten "OMA’s" auch gleich noch eine Einkehrmöglichkeit mit Minigolf, Tischhockey, Boule und Strandbereich. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Vornamen zusammen. Auf dem Gelände befindet sich zudem die Sprungbude – in der Halle können sich die Besucher auf Trampolinen austoben. Das Gelände des Wohnmobilplatzes war ursprünglich als Erweiterungsfläche für die umliegenden Sportstätten vorgesehen, sagt Würzner. Doch angesichts des schön angelegten Geländes mit Bäumen könnte sich der Oberbürgermeister auch jetzt schon eine Verlängerung des Pachtvertrages vorstellen. "Es ist großartig, was sie hier geschaffen haben", sagte er zu den Betreibern. "Heidelberg Marketing" möchte das Angebot nicht nur bewerben, sondern hilft sogar dabei, in einem Pavillon eine kleine Touristeninformation einzurichten. Die Eröffnung kommt für Würzner "gerade zum richtigen Zeitpunkt". Denn in Corona-Zeiten erlebe das Wohnmobil einen regelrechten Boom. Und in diesem Segment habe Heidelberg noch großen Nachholbedarf, denn außer dem Campingplatz in Ziegelhausen gab es bisher nichts. "Wir können unser Angebot auch noch ausdehnen", sagt Walter. Wenn der Wohnmobilstellplatz – eine Übernachtung kostet 20 Euro pro Fahrzeug – gut angenommen werde, könnte man im "OMA’s" zukünftig auch noch Frühstück anbieten.
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Gastronomie: Die "erweiterte Außenbewirtschaftung" kommt in Heidelberg gut an (Sat, 11 Jul 2020)
Von Philipp Neumayr Heidelberg. Es wirkt in diesen Tagen fast so, als läge Heidelberg nicht am Neckar, sondern am Mittelmeer. Überall in der Stadt begegnen einem Stühle, Tische und Sonnenschirme – auch dort, wo früher keine standen, auf öffentlichen Plätzen, Parkplätzen und Ladeflächen. Der Grund: Viele Gastronomen haben ihre Außenbewirtschaftung erweitert oder bieten diese überhaupt zum ersten Mal an. Die Stadt hat dies kurzerhand und unbürokratisch möglich gemacht und verzichtet außerdem auf Gebühreneinnahmen von rund 400.000 Euro. Die Sonderregelung für die Außenbewirtschaftung gilt – Stand jetzt – aber nur für dieses Jahr. Ginge es nach Gilbert Jakkomuthu, Geschäftsführer des Restaurants "Saffron" in der Bahnhofstraße, könnte diese Regelung ruhig länger Bestand haben. Seit Montag erstreckt sich unmittelbar vor seinem Restaurant eine kleine Terrasse mit sechs Tischen und zwölf Plätzen. Normalerweise parken hier Autos, nun hat Jakkomuthu Paletten zur Begrenzung aufgestellt, begrünt mit Pflanzen und Palmen – eine kleine Oase inmitten des sonst eher tristen östlichen Teils der Bahnhofstraße. "Es hat mich selbst überrascht, dass es so schön aussieht", sagt der 45-Jährige. Das Restaurant habe ein ganz anderes Flair bekommen. Und auch die Umgebung, findet Jakkomuthu, profitiert davon. "Viele Gäste und Passanten sagen mir: So etwas hat in dieser Ecke bisher gefehlt." Jakkomuthu hat das Restaurant 2015 eröffnet. Fünf Jahre danach kann er seine Gäste erstmals auch draußen bewirten. Normalerweise laufe sein Lokal nur im Winter gut. Im Sommer sei wegen der fehlenden Außenbestuhlung kaum etwas los. Er habe schon länger über ein Konzept für eine Außenbewirtschaftung nachgedacht, sagt er. Die Umsetzung sei bislang auch an dem großen bürokratischen Aufwand gescheitert. Doch nun ging alles ganz unkompliziert und schnell. "Ich muss die Stadt da wirklich loben", sagt Jakkomuthu. Jetzt, da die Terrasse schon einmal da ist, will er sie nicht missen. "Ich würde mir wünschen, dass das bleibt." Jakkomuthu hat auch schon eine Idee, wie das gehen könnte: Im Winter parken wie gewohnt die Autos auf den Parkplätzen, im Sommer serviert er dort indisches Essen. Italienisch statt indisch gibt es im "Casa Mia" in der Schillerstraße. Im Sommer 2019 speisten und tranken die Gäste dort auf dem Gehweg, jetzt haben sie dafür auch auf der Straße Platz. "Wenn es das Wetter zulässt, sitzen die Leute einfach gerne draußen", sagt Geschäftsführerin Monika Lenk. Auch sie ist froh über das Entgegenkommen der Stadt. Denn finanziell erlebe ihr Restaurant nicht gerade die besten Zeiten. Durch den neu gewonnenen Platz kann Lenk trotz geltender Abstandsregeln in etwa die gleiche Zahl an Außenplätzen wie im letzten Jahr anbieten. "Dieser Außenbereich ist für uns ein Geschenk." Noch sieht dieser Bereich mit seinen schilfrohrverzierten Absperrzäunen zwar etwas improvisiert aus. Das liege aber vor allem daran, dass nicht klar sei, ob man die eigentlichen Parkplätze nach Ende des Jahres wieder räumen müsse, sagt Lenk. "Es wäre natürlich toll, wenn wir das auch weiterhin nutzen könnten." Beim Café Nomad in Neuenheim frühstücken und brunchen die Gäste seit Mitte Juni auf einer Ladezone. Dort haben nun bis zu 20 Personen gleichzeitig Platz. Vor Corona durften die beiden Geschäftsführer Suna Aslan und Ellis Osabutey nur unmittelbar an der Hauswand des Cafés bestuhlen. Ohne die neu gewonnenen Sitzplätze, sagt Aslan, könnte man nur schwer überleben. "Der Raum wird super angenommen." Auch die Rückmeldung vieler Nachbarn sei positiv. Aslan wünscht sich, dass aus der Zwischen- eine Dauerlösung wird, denn: "Jetzt ist die Möglichkeit da, die Stadt noch lebenswerter zu machen." Ob Provisorium oder nicht – die Lösung aller Probleme ist die erweiterte Außenbewirtschaftung für Philipp Spengel, den Inhaber des "Roten Ochsen" in der Altstadt, nicht. Zwölf Tische hat er nach städtischer Genehmigung auf dem Karlsplatz aufgestellt, wo die Gäste nun mit Blick auf die Schlossruine speisen können. Vor vielen Jahren schon habe er auf dem Platz Stühle und Tische gehabt, das Ganze irgendwann aber wieder eingestellt. "Es war zu kostenintensiv und abgelegen." Das Traditionslokal lebe in erster Linie von seinem Flair im Inneren, sagt Spengel. Die derzeitige Außenbestuhlung helfe zwar, einigermaßen über die Runden zu kommen. "Von unseren eigentlichen Umsätzen sind wir aber weit entfernt." Über eine Zukunft der Außenbewirtschaftung will Spengel deshalb noch nicht nachdenken. Die Frage, sagt er, sei gerade eine andere: "Wie kann man als Restaurant überhaupt überleben?"
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Haushalt in Corona-Krise: "Die Hütte brennt lichterloh" (Fri, 10 Jul 2020)
Von Denis Schnur Heidelberg. Es waren drastische Worte, mit denen Finanzbürgermeister Hans-Jürgen Heiß die Stadträte in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstag auf die Debatte einschwor: "Die Hütte brennt lichterloh, und wir müssen schauen, wie wir die nächsten Jahre überstehen." Denn langsam werde deutlich, wie stark die Coronakrise den städtischen Haushalt treffe. Etwa 109 Millionen Euro dürften dort fehlen. Zwar rechne man mit weiteren Hilfen von Bund und Land, aber am Ende dürfte die Stadt bei einer zusätzlichen Verschuldung von knapp 87 Millionen Euro landen. Bis Ende 2022 werde sich der Schuldenstand der Stadt von 181,5 Millionen Euro (Stand: 31. Dezember 2019) vermutlich sogar verdoppeln, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Damit wäre unklar, ob das Regierungspräsidium den nächsten Haushalt überhaupt genehmigen würde. Deshalb müsse nun an allen Schrauben gedreht werden, um zu sparen. Das gelte für die Stadtverwaltung, aber es müsse auch für alle anderen Bereiche gelten. "Wir werden uns an andere Standards gewöhnen müssen", so der Kämmerer. Als ersten großen Posten nahm sich der Finanzausschuss am Donnerstag das Investitionsprogramm vor und legte insgesamt 21 Projekte auf Eis. Bisher traf es nur Vorhaben, bei denen noch nicht mit den Planungen begonnen wurde. Sie alle werden in die Zeit ab 2023 verschoben, da wohl auch im Doppelhaushalt 2021/22 kein Geld dafür vorhanden sein wird. Um aber bereits im nächsten Jahr Geld einzusparen, könnten auch weitere Projekte geschoben werden, bei denen die Planungen bereits laufen – etwa das Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof, die Neugestaltung des Schulcampus Mitte und der Umbau der Dossenheimer Landstraße. Für die 36 Vorhaben würden bis 2022 insgesamt etwa 32 Millionen Euro fällig. Eine endgültige Entscheidung, welche davon man doch bald umsetzt und welche vorerst auf Eis gelegt werden, wollen die Gemeinderäte jedoch erst nach der Sommerpause treffen. "Bis zum September haben wir eventuell neue Erkenntnisse, wie viel Geld wir von Bund und Land bekommen", betonte Grünen-Fraktionschef Derek Cofie-Nunoo. Dass dann jedoch Entscheidungen getroffen werden müssen, die weh tun, ist allen Beteiligten klar: "Alle diese Maßnahmen hat der Gemeinderat ja mal aus gutem Grund beschlossen", sagte CDU-Fraktionschef Jan Gradel in der Sitzung. "Außerdem ist unser Investitionsprogramm ja auch ein Konjunkturprogramm." Und Anke Schuster, Vorsitzende der SPD-Fraktion, mahnte: "Wenn wir der Jugend noch finanziellen Spielraum lassen wollen, müssen wir einiges schieben." Mindestens genauso schmerzvoll wird es, wenn die Gemeinderate in einer internen Sitzung am 16. Juli nach weiteren Sparmöglichkeiten suchen. Dann geht es nämlich darum, wo die Verwaltung weiter Kosten senken kann, was sich etwa auf die Arbeit der Ämter, aber auch auf Angebote wie das kostenlose Mittagessen in Schulen auswirken könnte. Außerdem stehen dann die Zuschüsse auf der Agenda, die die Stadt Vereinen und Institutionen gewährt. Vor allem Linke, Bunte Linke und Grüne pochten schon am Donnerstag darauf, dass diese nicht gekürzt werden: "Bei den sozialen Trägern gibt es keinen finanziellen Spielraum", erklärte Sahra Mirow (Linke). Kürzungen führten sofort zu Entlassungen oder zum Stopp von Programmen. "Dann müssen wir als Stadt einspringen. Und das kostet uns mehr." Die FDP mahnt dagegen, auch dort alles auf den Prüfstand zu stellen: "Wir waren bei der Verteilung von Geldern immer gegen die Gießkanne, beim Kürzen sind wir jetzt gegen den Rasenmäher", betonte Stadtrat Karl Breer. Stattdessen müsse man sich alle Projekte einzeln anschauen – und die, die nicht unbedingt notwendig sind, "auf null stellen". Und auch Oberbürgermeister Eckart Würzner warnte davor, Zuschussempfänger grundsätzlich vom Sparkurs auszunehmen. Zwar werde man alle versprochenen Gelder für 2020 auszahlen, und auch für die Zukunft habe man eine Kürzung beschlossen. Aber: "Es kann sein, dass es Einsparpotenzial gibt. Da müssen wir mit den Fachämtern und Empfängern reden." Dabei setze man jedoch auf Freiwilligkeit der Kooperationspartner. Update: Freitag, 10. Juli 2020, 19.15 Uhr Heidelberg verschiebt mehrere Bauprojekte um Jahre Von Holger Buchwald Heidelberg. Ohne schmerzliche Einschnitte können die finanziellen Folgen der Corona-Krise nicht abgefedert werden. Damit fehlt auch Geld für wichtige Investitionen. Etliche Projekte müssen wohl auf den übernächsten Doppelhaushalt verschoben werden, sodass sie erst ab 2023 in Angriff genommen werden können. Im heutigen Haupt- und Finanzausschuss stellt die Stadtverwaltung ihre Vorschläge vor, welche Projekte auf Eis gelegt werden und welche auf jeden Fall umgesetzt werden sollten. > Das Streichkonzert: Von der Sicherheit und Ordnung bis zum Straßenbau – alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind betroffen. Selbst bereits beschlossene Kita-Neubauten und Schulsanierungen stehen auf dem Prüfstand. Wenn es nach den Vorschlägen von Finanzbürgermeister Hans-Jürgen Heiß geht, ist der Abriss und Neubau der Kindertagesstätte Hardtstraße in Kirchheim mit der Aufstockung von 40 auf 80 Betreuungsplätze und einem Volumen von fünf Millionen Euro vorerst gestrichen. Dasselbe gilt für den Umbau des ehemaligen evangelischen Gemeindehauses im Emmertsgrund in eine Kita (2,7 Millionen Euro) und für die Toilettensanierung in der Carl-Bosch-Schule mit geschätzten Kosten von 560.000 Euro. Einer der dicksten Brocken ist die 4,6 Millionen Euro teure Erweiterung des Turnzentrums am Harbigweg. Vor 2023 sollte hier nichts passieren, die Sanierung der Sporthalle der Geschwister-Scholl-Schule habe nämlich Priorität, heißt es in der städtischen Vorlage. Auch das Bunsen-Gymnasium wird voraussichtlich auf eine Verbesserung der Sportstättensituation noch einmal warten müssen. Die Kostenersparnis im laufenden Haushalt: 8,6 Millionen Euro. Die Sanierung des Valeriewegstegs (1,4 Millionen Euro) kommt wohl nicht, und die Projektgruppe zur Aufwertung des öffentlichen Raumes soll auch keine 400.000 Euro mehr jährlich erhalten. Weder bekommt der TSV Pfaffengrund in den nächsten zwei Jahren ein Kleinspielfeld, noch der Turnerbund Rohrbach einen neuen Kunstrasen. Selbst der Landwirtschaftspark auf dem ehemaligen US-Airfield muss nach den aktuellen Plänen noch mindestens zwei Jahre warten. Während die Videoüberwachung am Hauptbahnhof bereits beauftragt wurde und dafür auch schon Geld geflossen ist, werden die Pläne für den Bismarckplatz zunächst nicht weiterverfolgt. Auch ein Sirenennetz, mit dem die Heidelberger Bevölkerung im Katastrophenfall gewarnt werden könnte, wird so schnell nicht aufgebaut. Damit wird der aktuelle Haushalt um 410.000 Euro entlastet. Auch der Radweg Diebsweg/Baumschulenweg sowie andere Straßenbauprojekte fallen dem Rotstift zum Opfer. > Was auf jeden Fall umgesetzt wird, sind alle laufenden Projekte. Zwar schlägt die Verlagerung des Karlstorbahnhofs von der Alt- in die Südstadt mit fast 30 Millionen Euro zu Buche, doch die Ausführung ist bereits genehmigt, die Fertigstellung für 2022 geplant. Ebenfalls projektiert sind die Kindertagesstätte Forum 3 im Emmertsgrund, der Neubau des Hauses der Jugend und die Digitalisierung verschiedener Schulen, die Sanierung der Hebelstraßenbrücke und das Verkehrslenkungskonzept für die Altstadt mit den versenkbaren Pollern. Das Gesamtvolumen für nicht aufschiebbare Investitionen beläuft sich damit auf 45,5 Millionen Euro. > Sinnvolle Projekte, die ebenfalls weitergeführt werden sollen, sind nach Ansicht der Verwaltung unter anderem der Schulcampus Mitte, die Fortführung des Straßenerneuerungsprogramms mit vier Millionen Euro im Jahr, die Sanierung der Dossenheimer Landstraße und das Radschnellwegprogramm sowie die Verbesserung der Lichtsignalanlagen, das Sicherheitsaudit und die Schere Ost an der Montpellierbrücke. Ob diese Investitionen mit einem Gesamtvolumen von rund 32 Millionen Euro weitergeführt werden sollen, muss nun der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause entscheiden. Bis dahin stehen die Projekte weiterhin "on hold" – in Wartestellung.
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Heidelberg-Handschuhsheim: Trickdiebe erbeuteten 400 Euro in Postbankfiliale (Fri, 10 Jul 2020)
Heidelberg-Handschuhsheim. (pol/gin) In der Postbankfiliale in der Dossenheimer Landstraße verwickelten zwei Männer am Donnerstagabend zwei Angestellte in ein Gespräch und baten darum, einen 50-Euro-Schein zu wechseln.  Den Angestellten wurde laut Polizei vorgegaukelt, dass die Männer 50-Euro-Scheine mit bestimmten Seriennummern sammeln würden. Als einem der beiden schließlich sämtliche vorhandenen 50-Euro-Scheine zur Ansicht in die Hand gegeben wurden, schaffte er es unbemerkt, insgesamt 400 Euro zu entwenden. Dies fiel jedoch erst beim Kassensturz nach Ladenschluss auf. Das Polizeirevier Heidelberg-Nord hat die Ermittlungen aufgenommen.
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Heidelberg: Warum Julia Gless das "Room Mate" schließt (Fri, 10 Jul 2020)
Von Philipp Neumayr Heidelberg. Es war so etwas wie der Liebling aller, die auf der Suche nach individuellem Schmuck, Lampen, Taschen und sonstigen Wohnaccessoires waren: das kleine Geschäft mit dem Namen "Room Mate" in der Plöck. Die Heidelbergerin Julia Gless eröffnete ihn im November 2010. Ende Juli soll nun Schluss sein. Warum das "Room Mate" keine Zukunft hat und was künftig mit der Ladenfläche passieren wird, erzählt die 44-Jährige im Interview. Frau Gless, Sie schließen einen Laden, der vielen Heidelbergerinnen und Heidelbergern in knapp zehn Jahren ziemlich ans Herz gewachsen ist. Warum? Zehn Jahre Selbstständigkeit im Einzelhandel sind für mich genug. Es ist jetzt einfach an der Zeit, etwas Neues zu machen. Wie hängt die Corona-Pandemie mit Ihrer Entscheidung zusammen? Die Schließung ist nicht coronabedingt. Ich hatte schon länger überlegt und auch beschlossen, dass ich den Laden nicht weiterführen werde. Die Arbeit hat mir körperlich und nervlich viel abverlangt, das stand nicht immer im richtigen Verhältnis zum Ertrag. Wäre Corona nicht dazwischengekommen, hätte ich sogar schon Ende Juni zugemacht. Dank meinem Vermieter konnte ich zum Glück noch einmal etwas verlängern und nun meine Waren im Räumungsverkauf anbieten. Sie haben zwar viele Stammkundinnen und Stammkunden, dennoch lag Ihr Laden immer etwas ab vom Schuss. Hat am Ende auch das Finanzielle eine Rolle gespielt? Nein, finanziell ist es recht stabil gelaufen. Aber natürlich ist die Plöck nicht die einfachste Lage für ein Geschäft. 2011 hatten Sie deshalb die Idee für den "Roten Faden", eine Händlerinitiative, die inhabergeführte Geschäfte miteinander verband und sichtbar machte. Wie haben sich die Voraussetzungen für den Heidelberger Einzelhandel in den letzten zehn Jahren verändert? Das ist schwer zu sagen. Social Media ist nicht mehr wegzudenken, da stehe ich viel in Kontakt mit den Kunden. Das Online-Shopping ist natürlich zur Konkurrenz geworden. Auch manche Ketten haben unsere Produkte teilweise übernommen. Ich habe immer versucht, mein Sortiment anzupassen, etwas anzubieten, was man in Heidelberg und Umgebung sonst nicht findet. Und ich hatte in all der Zeit eine tolle Mischung aus Stammkunden und Touristen, die gerne zu uns kamen. Ich denke, dass es solche Läden wie uns immer geben wird, weil der Bedarf da ist. Zum Glück gibt es auch die Menschen, die so etwas gerne und mit Herzblut betreiben. Welchem Projekt werden Sie nach der Schließung Ihr Herzblut schenken? Ich werde nicht mehr selbstständig im Einzelhandel tätig sein. Erstmal will ich den Kopf frei kriegen und meine Akkus aufladen. Es tut mir natürlich leid für meine Kundinnen und Kunden, dass wir schließen, und ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken! Die gute Nachricht ist: Es wird einen adäquaten Nachfolger geben. Nämlich? Die "Agentur für Waren" – ein moderner Gemischtwarenladen, in dem man auch weiterhin Teile unseres schönen Sortiments finden wird.
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Uniklinik Heidelberg: Wie Covid-19 die Lunge angreift - und welche Rolle die Beatmung spielt (Fri, 10 Jul 2020)
Von Julia Lauer Heidelberg. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben neue Erkenntnisse zu schweren Verläufen von Corona-Infektionen gewonnen. Dazu haben die Ärzte des Pathologischen Instituts zwischen März und Mai 13 an Covid-19 verstorbene Menschen aus der Region untersucht – fast alle, die im Heidelberger Klinikum an Corona gestorben sind. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt im "Deutschen Ärzteblatt". Ihre Beobachtungen hätten auch Bedeutung für die Behandlung, sind sie überzeugt. Die wichtigsten Erkenntnisse: Worum ging es den Forschern? Die Wissenschaftler wollten die Entwicklung der Krankheit nachverfolgen und genauere Aussagen zu den schweren Verläufen treffen. Betroffen ist dann immer die Lunge; und kommt maschinelle Beatmung zum Einsatz, verläuft die Erkrankung in etwa einem Drittel der Fälle tödlich. Was haben sie gemacht? Die Mediziner haben 13 verstorbene Corona-Patienten aus Heidelberg und der Region obduziert, die im Durchschnitt 74 Jahre alt waren. Zwar hatte das Robert-Koch-Institut zunächst wegen Infektionsgefahr von Autopsien abgeraten, dennoch konnten die Heidelberger Pathologen auch mit Unterstützung der örtlichen Behörden wie dem Gesundheits- und dem Ordnungsamt an Covid-19 Verstorbene systematisch untersuchen. Was haben sie herausgefunden? Die Pathologen können nun genauer bestimmen, was in der Lunge geschieht und warum die Patienten sterben. Und zwar: Bei Patienten mit schweren Verläufen gerinnt Blut in den kleinsten Lungengefäßen, auch die Gefäßauskleidung wird beschädigt. Erst dann werden die Lungenbläschen in Mitleidenschaft gezogen. "Aufgrund unserer Autopsiestudie haben wir die Krankheit besser verstanden", resümiert Peter Schirmacher, Direktor des Pathologischen Instituts und Initiator der Studie. Wie kommt es zum Lungenversagen? "Das Problem geht zunächst nicht von den Lungenbläschen aus, sondern von den kleinen Lungengefäßen, die durch Blutgerinnung verstopfen. Das ist ein unerwartetes und typisches Muster", sagt Schirmacher. Wenn die Gefäße beschädigt sind, dann können Blut und Fibrin – eine Art Klebstoff bei der Blutgerinnung – auch in die Lungenbläschen austreten, was die Aufnahme von Sauerstoff weiter erschwert. Wenn dieser Prozess nicht umgekehrt wird, kommt es zum Lungenversagen. Bei Lungenversagen kommt die Beatmungsmaschine zum Einsatz. Was ist das Problem? "Bei beatmeten Patienten haben wir Schädigungen festgestellt, die deutlich weiter fortgeschritten waren als bei denen, die nicht beatmet worden waren, aber auch die zeigen fleckförmig schon ähnliche Veränderungen unter dem Mikroskop", erklärt Pathologe Schirmacher. Das Coronavirus richtet also in der Lunge bereits Schäden an, die durch maschinelle Beatmung noch größer werden. "Offenbar ist die Lunge durch die Covid-Erkrankung besonders empfänglich für Schäden durch Beatmung", schlussfolgert er. Die Heidelberger Studie ist ihm zufolge die erste Obduktionsstudie, die die Entwicklung der Erkrankung bei beatmeten und nicht beatmeten Patienten umfassend aufgearbeitet hat. Was bedeutet das für die Behandlung? "Vieles spricht dafür, die maschinelle Beatmung so schonend wie nur möglich zu gestalten ", erklärt Schirmacher. Am besten sei, es komme gar nicht erst so weit, dass die Maschine nötig wird. "Im Idealfall werden die schweren Verläufe verhindert, bevor die Lungenbläschen beschädigt werden." Stichwort: Thromboseprophylaxe, die den Gefäßverschlüssen vorbeugt. Wenn es trotzdem zu Thrombosen kommt, fällt der Sauerstoffgehalt im Blut ab. Dann müsse auch überlegt werden, ob man die Thrombosen gezielt durch eine sogenannte Lysetherapie auflöst. So ergäben sich durch die Au-topsiestudie neue Ansatzpunkte, wie man schwere Krankheitsverläufe verhindert oder besser behandelbar macht.
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Junges Theater Heidelberg: Warum gehen die Leute bei Hip-Hop so ab? (Fri, 10 Jul 2020)
Von Philipp Neumayr Heidelberg. Frauenverachtende Texte, Sexprotzattitüde und Gewaltverherrlichung sind im deutschen Hip-Hop Standard. Seit einigen Jahren steht der Gangsta-Rap aber nicht mehr alleine da. Junge Künstler wie RIN oder Yung Hurn, Vertreter des sogenannten Cloud-Rap, kommen sanfter daher, eher verträumt und spielerisch, und spiegeln die Sehnsüchte vieler Jugendlicher wieder. Über den Rap den Wahrnehmungen und Wünschen der jungen Generation nachspüren – das ist das Ziel der "Fi*ting Sisters" vom Jungen Theater. Sie besuchen ab Mitte September die Klassenzimmer der weiterführenden Schulen Heidelbergs. Johanna Dähler (32) ist eine von zwei "Fi*ting Sisters". Die Schauspielerin ist seit 2019 festes Mitglied des Jungen Theaters und wuchs in den neunziger Jahren mit Hip-Hop-Songs auf, die bestimmte Bilder von Männlichkeit in die Welt transportierten. Heute hört Dähler auch die Songs von RIN und Yung Hurn, war selbst auf Konzerten dieser Künstler. "Wir standen da eher in der letzten Reihe und haben uns gefragt: Wow, warum gehen die jungen Leute jetzt hier so ab?" Hat Cloud-Rap für die jungen Menschen auch eine politische Dimension oder hören sie die Musik nur wegen der Beats und der Vibes? Welche Rollen- und Geschlechterkonstruktionen finden sich in den derzeit angesagten Texten? Was für Regeln und Codes regieren den Cloud-Rap? Und: Wo hört bei dieser Musikform die Realität auf und wo fängt die Parodie an? All diese Fragen wollen Dähler und ihre Schauspielkollegin Daniela Ruocco im Rahmen einer "Lecture Performance" unter dem Titel "Namaste my Class" herausfinden. "Lecture Performance", das heißt, sich mit Wissen auseinanderzusetzen – und das in einem theatralen Setting, erklärt Dramaturgin Josefine Rausch (31). Das theatrale Setting, die Bühne, bildet in dem Fall der Klassenraum. Wegen Corona habe man lange nicht gewusst, ob das Theater wieder für Gäste öffnen könne, sagt Rausch. "Deshalb haben wir gesagt: Wir drehen den Spieß um und bringen das Theater in die Institution Schule." Das Projekt richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse. "Wir wollen mit ihnen ins Gespräch kommen", sagt Dähler. Wie genau die Performance am Ende aussieht, ist noch nicht ganz klar. Vielleicht, sagt die 32-Jährige, produziere man ja gemeinsam einen Rap-Song mit den Jugendlichen. In jedem Fall soll die Perfomance für die Schüler möglichst wenig als solche erscheinen. Rausch sagt, den Jugendlichen werde vorab nicht großartig angekündigt, wer genau da jetzt zu ihnen ins Klassenzimmer komme. Improvisation – das sei die Struktur des Ganzen. "Es ist wie eine Forschungsreise für uns und für die Klasse", sagt Dähler. Am Ende könnten beide Seiten etwas lernen. Das interaktive Format im Klassenzimmer, so Rausch, sei für das Junge Theater Neuland – ein willkommenes Neuland. Denn damit kehrt nach den Sommerferien endlich auch das Junge Theater wieder in den analogen Raum zurück. Info: Interessierte Schulen können die Performance jetzt buchen – unter Telefon 06221 / 5835460 oder per E-Mail an claudia.villinger@heidelberg.de.
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Heidelberg: Wo mehr Grün wirklich helfen könnte (Fri, 10 Jul 2020)
Von Holger Buchwald Heidelberg. Bei den Plätzen in Heidelberg sieht eine Gruppe von Heidelberger Geographen und Umweltforschern Verbesserungspotenzial. Das geht aus einem Vergleich der Schwetzinger Terrasse in der Bahnstadt und des Universitätsplatzes hervor. Nur wenige Menschen halten sich im Sommer dort auf: zu heiß, zu wenig Aufenthaltsqualität, kein Schatten. Im RNZ-Gespräch erläutert Studienleiterin Kathrin Foshag (31), was sie von den Heidelberger Plätzen hält. Frau Foshag, was wurde aus Ihrer Sicht in der Bahnstadt falsch gemacht? Als Wissenschaftler sehen wir uns nicht in der Position, Verwaltungsentscheidungen zu kommentieren. Aber in der Tat zeigen unsere Messungen und Untersuchungen, dass aus Forschungssicht in der Bahnstadt einige Dinge hätten anders gemacht werden können. Damit meine ich unter anderem die versiegelten Flächen – selbst die Freiräume und öffentlichen Plätze sind zum Großteil zugepflastert. Zugegebenermaßen spielt aber auch der Faktor Zeit eine große Rolle. Einiges, was wir derzeit kritisieren, wird sich im Laufe der Jahre verbessern. Wenn die Bäume groß sind, werden sich auch die Messwerte verbessern. Bis dahin könnte man auf anderem Wege für Schatten sorgen – zum Beispiel mit Sonnensegeln. Sie haben sich bei ihrer Untersuchung in der Bahnstadt die Schwetzinger Terrasse angeschaut. Was haben sie dort festgestellt? Wir haben im Sommer 2018 die Temperaturen in den Monaten Juni, Juli und August gemessen. Die durchschnittliche Lufttemperatur dort lag bei 22,7 Grad und damit höher als an den Vergleichsstationen am Universitätsplatz und an der Berliner Straße. Bei Befragungen haben wir zudem festgestellt, dass sich die Menschen sehr stark mit den Plätzen in der Altstadt identifizieren, die Bahnstadt ist hingegen noch ein blinder Fleck. Der Stadtteil wurde nicht nur hinsichtlich seines Mikroklimas, sondern auch aufgrund der Gestaltung und des fehlenden Wohlfühlcharakters kritisiert. Selbst die Bahnstädter haben sich bei Ihren Befragungen nicht mit dem Stadtteil identifiziert? Selten. Wobei man auch dazu sagen muss, dass unsere Untersuchung jetzt zwei Jahre her ist. Vielleicht würde die Befragung jetzt anders aussehen. Der Universitätsplatz in der Altstadt schnitt auch nicht sehr viel besser ab. Wir sehen auch dort Verbesserungspotenzial. Wobei die Altstadt als Gesamtanlage unter Denkmalschutz steht und Veränderungen schwieriger umzusetzen sind. Was das Mikroklima angeht, hat der Uniplatz etwas besser abgeschnitten als die Schwetzinger Terrasse. Das liegt sicherlich am Neckartalabwind. Davon profitiert die Altstadt. Ein Vorteil sind auch die engen, schattigen Gassen. Der Universitätsplatz selbst wird aber kaum als Aufenthaltsort genutzt. Es gibt kaum Sitzmöglichkeiten, er dient als Fahrradabstellplatz. Gerade im Sommer ist er tot – eine große Freifläche ohne Schatten und Aufenthaltsqualität. Trotzdem bietet er Identität, weil er ein alter Bestandteil Heidelbergs ist und wichtiger Dreh- und Angelpunkt zwischen den umliegenden Universitätsgebäuden. Eigentlich ist der Platz aber doch eher eine Verkehrsfläche. Die Leute überqueren ihn nur auf dem Weg von A nach B. Genau das ist das Problem. Die Aufenthalts- und die Verkehrsfläche sind nicht voneinander getrennt. Die Befragten berichteten von gefährlichen Situationen zwischen Radlern und Passanten. Eine Aufteilung des Platzes würde helfen. Wie sieht ein optimaler Platz für Sie aus? Er sollte multifunktional und vielfältig sein – sowohl hinsichtlich Design als auch Nutzung, mit verschiedenen Gestaltungselementen wie Denkmälern und Vegetationsobjekten. Es sollte ein Ort sein, wo man entspannen und etwas betrachten, vielleicht auch etwas konsumieren kann, mit Sitzgelegenheiten im Schatten, entsiegelten Flächen, einer optischen Trennung von Verkehrsfläche und Erholungsbereichen. Wasserelemente wirken sich positiv auf das Mikroklima und die Wahrnehmung aus. Möglich sind auch temporäre Lösungen wie Sonnensegel oder sogenannte mobile grüne Zimmer. Grünflächen helfen gegen den Hitzestress und dienen der Bevölkerung als Ausdehnung des Wohnraums. Gibt es überhaupt Plätze in Heidelberg, wo das alles umgesetzt wurde? Es gibt sicherlich Plätze, wo einiges berücksichtigt wurde. Der Wichtigste in Heidelberg ist sicherlich die Neckarwiese. Dort gibt es praktisch keine versiegelte Fläche, dafür Spiel- und Aktivitätsflächen und viel Wasser. Dieser Ort spielt für Heidelberg eine herausragende Rolle.
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Ende der Halle 02: CDU kritisiert Halle 02-Chefs (Update) (Thu, 09 Jul 2020)
Heidelberg. (RNZ) Harsch reagiert die CDU-Fraktion im Gemeinderat auf die Ankündigung der Halle 02-Geschäftsführer, den Kulturbetrieb einzustellen. In einer Pressemitteilung zeigt sie sich verwundert. "Unzutreffend ist die Aussage, die Stadt habe kein gutes Kulturkonzept", so Fraktionschef Jan Gradel. "Damit wird in Abrede gestellt, dass sich der Gemeinderat, unter Beteiligung eines der beiden Geschäftsführer der Halle 02, bereits seit einem Jahr um neue Leitlinien und Förderrichtlinien bemüht." Der Gemeinderat habe die Halle 02 immer gut unterstützt. "So wurde der Halle 02 ein maßgeschneidertes Gebäude gebaut, das die Betreiber zu einer stark subventionierten Miete nutzen und zusätzlich derzeit bereits untervermieten." Die Stadt sei den Betreibern durch einen langfristigen Mietvertrag deutlich entgegengekommen. Zudem habe die Stadt zu Beginn der Corona-Krise mit sofortiger Wirkung auf die Mietzahlungen verzichtet. Es sei bedauerlich, dass sich die Halle-Betreiber im Vorfeld ihrer Entscheidung nicht mit einem Zukunftskonzept an den Gemeinderat gewandt hätten. "Verwaltung und Politik wären sicherlich bereit gewesen, an einer gemeinsamen Lösung – auch für andere Kulturbetriebe – zu arbeiten", so Stadtrat Werner Pfisterer. "Allerdings wurde jetzt unter einem Vorwand gute und wichtige Kulturarbeit zunichtegemacht, was wir sehr bedauern." Man fordere die Betreiber auf, konkret zu äußern, was genau die Probleme sind und wie der Entscheidung zur Schließung des Kulturbetriebes entgegengewirkt werden könne. "Sollten sie das nicht tun, erhält die jetzige Entscheidung einen mehr als fahlen Beigeschmack", erklärt Jan Gradel. Update: Donnerstag, 9. Juli 2020, 21.30 Uhr Kommt jetzt doch der regionale Fördertopf für die Clubkultur? Oberbürgermeister Würzner schaltet sich ein - Alle Clubs sollen Gelder bekommen - Modell schon bekannt Von Anica Edinger Heidelberg. Das Ende des Kulturprogramms in der Halle 02 sorgte offenbar auch im Rathaus für einen Schock. Jedenfalls ließ Pressesprecher Achim Fischer am Mittwoch aus dem Büro des Oberbürgermeisters verlauten: "Es soll ein regionaler Fördertopf für die Clubkultur realisiert werden." Und das soll jetzt ganz schnell gehen. Deshalb ist OB Eckart Würzner selbst aktiv geworden – und steht laut Fischer schon in Kontakt mit Städten in der Region, aber auch mit Privatpersonen, die bereit seien, in den Fördertopf zu investieren. Und, so viel ließ der Stadtsprecher durchblicken, "es sieht gut aus". Anvisiert sei ein Betrag im mittleren sechsstelligen Bereich – vorerst. Denn wenn es gut läuft, könnte der Fördertopf zu einer langfristigen Angelegenheit werden. All das soll nach dem sogenannten Hamburger Modell funktionieren. Demnach können Clubs – in Hamburg alle mit einer Kapazität bis zu 1000 Personen – pro Veranstaltung finanzielle Mittel bekommen, die sich danach richten, welchen Gema-Tarif die Clubbetreiber für die jeweilige Veranstaltung bezahlen. Die Gema ist die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Sie verwaltet in Deutschland die Nutzungsrechte aus dem Urheberrecht. Bei dem Fördertopf soll es sich laut Fischer um eine strukturelle Förderung handeln – also um genau das, was der Verein Eventkultur schon seit vielen Jahren zur Rettung der Clubkultur fordert. Die Idee eines regionalen Fördertopfs, der die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar einschließt, geht überhaupt auf den Verband der Clubbetreiber zurück. Kritisiert hatte "Eventkultur" daher auch die Pläne des Kulturamts, das statt der strukturellen Förderung eine projektbezogene Förderung für Livemusik-Veranstaltungen in Heidelberger Clubs erarbeitet hatte. Dennoch wurde das so im Mai 2019 beschlossen. 80.000 Euro stehen seither bereit, die möglichst unbürokratisch an Musikspielstätten verteilt werden, die regelmäßig zu musikalischen Veranstaltungen einladen. Im heutigen Ausschuss für Bildung und Kultur (17 Uhr, Rathaus) könnte das Thema laut Stadtsprecher Fischer aufgegriffen werden. Update: Mittwoch, 1. Juli 2020, 20.30 Uhr Jetzt soll der Bund die Halle 02 retten Von Anica Edinger Heidelberg. Auch bei den Fraktionen im Gemeinderat sorgte die Nachricht über das Aus der Kultur in der Halle 02 für Empörung. > Grüne: "Die Nachricht, dass die Halle 02 ihr Kulturprogramm einstellen muss, ist ein harter Schlag für Heidelberg", heißt es in einer Mitteilung der Grünen. "Nachtkultur ist ebenso Kultur wie die sogenannte Hochkultur auch, und ist vor allem für junges Publikum extrem wichtig und identitätsstiftend", so Grünen-Stadträtin Marilena Geugjes. Deshalb müsse nun auch die Bundesregierung den Clubs die Wertschätzung zukommen lassen, die sie verdienen. Dazu gehöre auch eine generelle, strukturelle Unterstützung. Grünen-Stadträtin Kathrin Rabus betont: "Die Macher der Halle 02 haben aus einer abgerockten Industriebrache ein pulsierendes Zentrum für Gegenwartskultur gemacht, mit einem beeindruckenden Konzertprogramm, einer lebendigen Clubszene und immer einem offenen Ohr für Trends und neue Formate." Es sei jetzt an der Zeit, das anzuerkennen. > CDU: "Ich finde es unendlich schade", sagt Jan Gradel, CDU-Fraktionsvorsitzender. Es sei klar, dass es nun an der Politik sei, den Betrieben, denen aufgrund der Corona-Krise die Geschäftsgrundlage entzogen wurde, ein Überleben zu garantieren. Es sei bereits ein großer Betrag der Bundesregierung zur Unterstützung angekündigt. Sobald dieser ausgeschüttet werde, würde man mit der Verteilung beginnen. Bei der Halle 02 habe man dem Gemeinderat aber nicht die Chance gegeben. "Ich habe davon aus der Zeitung erfahren", sagt Gradel. > SPD: Das Coronavirus stelle die gesamte Gesellschaft vor eine "nie da gewesene Herausforderung", schreibt die SPD-Fraktion – das träfe wegen des Veranstaltungsverbots insbesondere auf Clubs und damit die Halle 02 zu. Deshalb habe man auch dem Mieterlass für sechs Monate zugestimmt. "Der Gemeinderat hat bereits große Anstrengungen unternommen, um seinen Beitrag zu leisten", so die SPD – um zu dem Schluss zu kommen: "Ohne Unterstützung von Bund und Land wird es nicht funktionieren." > FDP: "Die Nachricht, dass in der jüngsten Stadt Deutschlands der größte Veranstalter für Konzerte und Partys schließt, ist eine Bankrotterklärung für unsere Jugend- und Eventkultur", findet die FDP. Deshalb müsse man jetzt einen Plan erarbeiten, um die Heidelberger Clubszene zu reanimieren. Dabei sei nicht Rückgang oder Beibehaltung des Status quo das Ziel, "sondern eine Ausweitung". > Die Linke: Ende April hat "Die Linke" einen Antrag auf Club-Nothilfe im Gemeinderat gestellt. Er wird am Donnerstag, 2. Juli, im Kulturausschuss beraten. Eine Ausfallkompensation für kleine und mittlere Clubs, zu denen laut "Linke" auch die Halle 02 zählt, wird darin vorgeschlagen. So will sich die Fraktion weiter mit aller Macht dafür einsetzen, "die Halle 02 unbedingt zu erhalten". Denn: "Würde sie wegfallen, wäre der letzte große Pfeiler der Jugend- und Clubkultur weg." Update: Dienstag, 30. Juni 2020, 20.15 Uhr Entsetzen über das Aus für die Kultur in der Halle 02 Von Anica Edinger Heidelberg. Das Aus der Halle 02 schlägt hohe Wellen. In den sozialen Netzwerken drücken Hunderte Kommentatorinnen und Kommentatoren ihr Entsetzen aus. "In Heidelberg stirbt wirklich das komplette Nachtleben", schreibt eine. Und eine andere formuliert es noch deutlicher: "Heidelberg mutiert immer mehr zu einer langweiligen und toten Stadt. Schade." In einem offenen Brief an Freunde, Partner und Weggefährten kündigten die Geschäftsführer der Halle 02 – Heidelbergs größtes Veranstaltungshaus in der Bahnstadt – am Sonntag das Ende der Halle 02 in gewohnter Form an. Man werde sich vollständig aus dem Kulturbetrieb zurückziehen, hieß es darin. Die Folge: Keine öffentlichen Veranstaltungen mehr, keine Konzerte, keine Partys, keine Ausstellungen – eben nichts, was mit Kultur zu tun hat und finanziell immer bezuschusst werden muss. Stattdessen werde man sich in Zukunft auf private Events wie Konferenzen, Firmenfeiern und Tagungen konzentrieren. "It was all a dream" – es war alles ein Traum – schrieb die Halle 02 am Sonntagabend in ihren Netzwerken. >>> Hier geht es zum RNZ-Dossier zum 15-Jährigen der Halle 02 <<< Der Verein Eventkultur Rhein-Neckar, der Verband der Clubbetreiber in der Metropolregion, bezog sofort Stellung. "Dass nun ausgerechnet die Halle 02 als größte Location für Live-Veranstaltungen in Heidelberg als erstes ihr Ende ankündigt, ist eine Katastrophe", wird darin auch Tobias Breier, zweiter Vorsitzender von Eventkultur, zitiert. Es sei zu befürchten, dass andere Betriebe folgen werden. Mehr noch: Einige Mitglieder im Verband hätten in Gesprächen bereits angekündigt, dass sie demnächst einen ähnlichen Weg wie nun die Halle 02 einschlagen werden. "Es besteht zwar weiterhin die Hoffnung, dass die Programme der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien endlich konkret werden und die Clubs und Veranstalter zielgerichtet unterstützen, doch die wirtschaftlichen Folgen werden auch über die Laufzeiten potenzieller Hilfsprogramme hinaus weiterhin spürbar sein”, fürchtet auch Zora Brändle, die erste Vorsitzende. Deshalb bräuchten Clubs jetzt unbedingt eines: "Eine Perspektive durch gezielte finanzielle Hilfsmaßnahmen." Darauf hofft auch Oberbürgermeister Eckart Würzner. Bund und Land hätten Gelder für Clubs und Diskotheken zur Überwindung der Corona-Krise bereits angekündigt. "Sie müssen in diesem Bereich jetzt unterstützen", sagt Würzner auf RNZ-Anfrage. Die Stadt jedenfalls sei längst in die Bresche gesprungen und habe der Halle 02 als städtischer Liegenschaft per Gemeinderatsbeschluss die Miete für sechs Monate erlassen, also bis Ende August. Was danach käme, werde man sehen müssen, meinte Würzner. Aber klar sei auch: "Wir können nicht alles bezahlen." Dennoch wolle er das Kulturprogramm in der Halle 02 und an diesem Standort in der Bahnstadt in jedem Fall erhalten – und das eigentlich auch mit den beiden Geschäftsführern Grädler und Seibold. "Wir kennen uns gut, sie haben in den vergangenen Jahren eine extrem tolle Arbeit geleistet und ich hoffe, sie werden das auch weiter tun." Deshalb müsse man sich jetzt "etwas überlegen", wie es Würzner ausdrückt. Denn wann es wieder Tanzveranstaltungen in Clubs geben werde, sei derzeit nicht absehbar.
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Philosophenweg Heidelberg: Segways dürfen, aber Radfahrer nicht (Thu, 09 Jul 2020)
Von Karin Katzenberger-Ruf Heidelberg. Radfahren ist auf dem Philosophenweg nicht erlaubt. Dennoch sind dort viele Radler unterwegs. Sei es, dass sie dort ein Grundstück bewirtschaften oder als Ausflügler die zum Teil von Grünzeug überwachsenen Verkehrsschilder "Fußgängerweg" nicht wahrnehmen. Wie sinnvoll ist ein Verbot, das nicht beachtet wird? Gerd Guntermann ist Rentner und verbringt viel Zeit auf dem Philosophenweg. Als Mitglied des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) kümmert er sich im Auftrag des Umweltamtes zusammen mit anderen Ehrenamtlichen um ein steiles Grundstück östlich des Schlangenwegs, das ehemals ein Weinberg war. Guntermann wohnt in der Altstadt, besitzt kein Auto und fährt mit Rad samt Anhänger zum Philosophenweg. Das dürfte er nicht, tut es aber trotzdem. Seine Hündin, ein Husky, ist meistens dabei, und öfters muss er auch Gartengeräte an den Hang transportieren. Mit seinem Versuch, von der Stadtverwaltung eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, biss er bisher auf Granit. Auf RNZ-Anfrage war zu erfahren, dass auch Autofahrer zum "Andienen" der Grundstücke nur zwischen 6 und 11 Uhr früh dort unterwegs sein dürfen, weil sich zu dieser Uhrzeit noch relativ wenige Spaziergänger und Touristen auf dem Philosophenweg aufhalten. Dass aber "Segways" dort ungehindert fahren dürfen, findet Guntermann zumindest fraglich. Und er bricht auch eine Lanze für die Radler. Seiner Beobachtung nach fahren die meisten in gemäßigter Geschwindigkeit, genießen die Aussicht und gefährden keine Fußgänger. "Anderswo funktioniert das zwischen Radfahrern und Fußgängern doch auch", so Guntermann, der die Plöck, aber auch die Fuß- und Radwege am Neckar als Beispiele nennt. Er geriet am Philosophenweg schon in eine Polizeikontrolle und schob das Rad bis zum Grundstück, weil die Kontrolleure ja nach geltendem Recht gehandelt hätten. Doch was rechtens ist, muss ja nicht unbedingt Sinn ergeben, findet er. Guntermann würde sich wünschen, genauso behandelt zu werden wie die Autofahrer. Das würde bedeuten, dass auch er im genannten Zeitraum den Philosophenweg entlangradeln dürfte. Dies sollte seiner Meinung nach auch für andere "Anrainer" gelten, die sich vermutlich schon seit Jahren über die Anordnungen hinwegsetzen und den Philosophenweg langsam und zielgerichtet befahren. Er hofft also weiterhin auf besagte Ausnahmegenehmigung, die die Stadt bisher verwehrt.
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Podiumsdiskussion: Wie geht Klimaschutz in Corona-Zeiten? (plus Video) (Thu, 09 Jul 2020)
Von Denis Schnur Heidelberg. Am Anfang herrschte überraschend große Einigkeit auf dem Podium: Auf die Frage, ob Heidelberg mehr für den Klimaschutz tun müsse, hielten die Vertreter von CDU, Grünen, FDP, Linke und SPD alle ein Schild mit "Ja" nach oben. Doch wie das aussehen soll, darüber stritten die Politiker am Dienstagabend heftig. Die Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" (FFF) hatte sie in die Halle 02 eingeladen, das Publikum schaute per Livestream zu. Eigentlich hätte die Debatte im April im städtischen Theater stattfinden sollen. Wegen Corona hatten sich aber nicht nur Zeit und Ort geändert, auch der Schwerpunkt war dadurch gesetzt: Die Moderatorinnen Line Niedeggen (FFF) und Laura Armbruster (Debating Club) wollten vor allem wissen, wie die Stadt ihre Klimaziele trotz Corona-Krise erreichen kann. Dass das nicht leicht wird und wohl nicht alle Punkte des 2019 beschlossenen Klimaschutz-Aktionsplanes sofort umgesetzt werden können, war dabei allen klar. "Wir haben das Riesenproblem, dass uns circa 100 Millionen Euro fehlen. Da stehen ganz viele wichtige Projekte auf der Hold-Liste", betonte CDU-Stadtrat Matthias Kutsch. Deswegen müsse man jetzt abwägen, was wann umgesetzt werden kann. Ähnlich sah das Sören Michelsburg (SPD): "Wir müssen vielleicht die großen Projekte hinten anstellen", sagte dieser mit Blick auf die Rad- und Fußgängerbrücke über den Neckar und die Gneisenaubrücke – die zusammen 35 Millionen Euro kosten. "Natürlich sind die wichtig für den Radverkehr", so Michelsburg. "Aber wir müssen in dieser Situation schauen, welche Maßnahmen schnell umsetzbar sind und viel bringen." Ein wichtiger Ansatz ist für den Stadtrat und SPD-Vorsitzenden die Sanierung der vielen Altbauten. Hier müsse die Stadt Anreize schaffen für Privatbesitzer und die Förderung erhöhen. "Das ist gerade jetzt der richtige Weg", sprang ihm Kutsch bei. "Denn damit stärken wir auch unsere Unternehmen in der Krise." Ursula Röper, die für die Grünen im Gemeinderat sitzt, will ebenfalls Projekte priorisieren. So könne man von den vier Radschnellwegen, die im Aktionsplan beschlossen wurden, erst einmal nur mit einem anfangen – "weil die Maßnahmen leider super teuer sind." Gleichzeitig müsse man aber innerhalb der Stadt die Radinfrastruktur verbessern: "Wir haben in der Corona-Zeit gesehen: Die Leute fahren gerne Rad, wenn Platz ist." Dazu hätte sie sich gewünscht, dass auch in Heidelberg Autospuren zeitweise zu Radwegen umgewidmet werden. Auf keinen Fall sparen will Röper bei den vier Schnellbuslinien, die Pendler ohne Zwischenstopp aus der Region ins Neuenheimer Feld bringen sollen. Denn dass die Verkehrswende in Heidelberg nur gelingen kann, wenn weniger Menschen von außerhalb mit dem Auto zur Arbeit kommen, war ebenfalls Konsens. Für Stadträtin Sahra Mirow (Die Linke) ist hier die Wohnungspolitik der Schlüssel: Schließlich pendelten die Menschen nicht freiwillig, sondern könnten sich in der Regel keine Wohnung in Heidelberg leisten: "Deshalb haben wir uns immer stark dafür gemacht, dass es mehr bezahlbaren Wohnraum gibt." Dazu müsse man aber etwa in Patrick-Henry-Village deutlich weniger Arbeits- und dafür mehr Wohnplätze schaffen. "Sonst wird es den Druck nicht mindern." Bei der Umsetzung des Aktionsplans will Mirow keine Abstriche machen: "Corona hat es nicht leichter gemacht – aber die Klimakrise setzt nicht aus." Zur Finanzierung solle der Bund eine Vermögenssteuer erheben. Benjamin Brandstetter, der 2021 für die FDP in den Landtag möchte, plädiert stattdessen dafür, die noch vorhandenen Mittel möglichst effizient einzusetzen. "Heidelberg hat in den letzten Jahren sehr stark den Geldbeutel aufgemacht und etwa gesagt: Wir geben 10.000 Euro, wenn sich jemand ein Wasserstoff-Auto zulegt." Wer sich aber so ein teures Fahrzeug leisten könne, brauche keine Subventionen. "Dass Heidelberg das macht, halte ich für ziemlich unsozial." Für ihn geht es nun darum, Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum zusammenzubringen: "Sonst habe ich die Befürchtung, dass die Akzeptanz für Klimaschutz-Maßnahmen nachlässt."
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Heidelberg: Schausteller schwanken zwischen Hoffnung und Dankbarkeit (Thu, 09 Jul 2020)
Von Sarah Hinney Heidelberg. Nein, es läuft leider nicht so gut bei den Heidelberger Schaustellern, die mit ihren Buden seit vergangener Woche in der Innenstadt stehen dürfen. Aber beschweren will sich trotzdem niemand – im Gegenteil. Alle sind dankbar, dass sie überhaupt die Gelegenheit haben, ein wenig Geld zu verdienen. "Es ist gut, dass Heidelberg uns diese Möglichkeit gegeben hat. In Corona-Zeiten sind wir froh um jeden Euro", sagt Michael Henn am Mittwochmorgen. Er steht mit seinem kugelrunden rosa Crêpes-Stand direkt auf der Hauptstraße am Rathaus. Und wie ist die Resonanz? Henn ist zögerlich. "Verhalten", gibt er dann aber zu und hofft dennoch, dass er "mit in die Verlängerung" darf. Die sieben Stände, die aktuell an Bismarck-, Uni- und hinter dem Marktplatz stehen, sollen nämlich nur vier Wochen bleiben, danach wird mit anderen Schaustellern getauscht. Henn würde gern länger bleiben, denn "bis 31. Oktober ist ja alles abgesagt." Zuletzt war er mit seinem Crêpes-Stand auf dem Mathaisemarkt, und anders als sonst fand das Volksfest in Schriesheim nicht an zwei, sondern an nur einem Wochenende statt. Damals – Anfang März – hatte die Corona-Krise gerade richtig Fahrt aufgenommen. Bitter ist auch: Kurz vor Corona hatte Henn noch kräftig investiert, etwa in einen neuen Kühlwagen. Drei seiner vier Stände stehen nun im Lager, das kostet zusätzlich Geld. Noch hat der dreifache Vater aber die Hoffnung nicht aufgegeben, "dass es wenigstens irgendeine Art von Weihnachtsmarkt gibt". Auch bei Tamara Kräher und ihrem "Candy-Haus" läuft es nicht so richtig gut. "Wir hatten uns mehr erhofft. Aber das soll jetzt nicht wie eine Beschwerde klingen", beeilt sich Kräher anzufügen und betont: "Wir sind wirklich froh, dass uns die Stadt diese Möglichkeit gibt." Drei Buden sind in der Mitte vom Uniplatz gruppiert. Theoretisch wäre genug Laufkundschaft vorhanden. "Am Samstag war es in der Hauptstraße fast so voll wie sonst beim Heidelberger Herbst. Bei uns war trotzdem nicht viel los", bedauert Kräher. Traurig ist das auch, weil sie verderbliche Ware verkauft. Schaumküsse und Magenbrot zum Beispiel. "Was wir nicht verkaufen, müssen wir verschenken." Andrea Fischer, die nebenan Crêpes backt, ist hoffnungsvoll: "Es braucht vielleicht einfach noch Zeit und wir haben keine großen Ansprüche", sagt sie lächelnd. Es sind die persönlichen Begegnungen, die ihr gefehlt haben und jetzt Mut machen: "Einige Menschen kommen extra zu uns gefahren, weil sie gehört haben, dass wir da sind." Trotzdem hofft sie – wie alle anderen Schausteller auch –, dass auch nach den vier Wochen noch "irgendetwas stattfindet und vor allem, dass die Menschen gesund bleiben."
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Heidelberg: Tristan Brandt leitet jetzt das Restaurant "959" (Thu, 09 Jul 2020)
Heidelberg. (RNZ) Mitte März musste es coronabedingt schließen, jetzt ist es wieder da: Seit Mittwoch hat das Restaurant "959 Heidelberg" im Stadtgarten an der Friedrich-Ebert-Anlage seine Türen wieder geöffnet. Neu dabei: Zwei-Sterne-Koch Tristan Brandt, der sich nach siebenjähriger Tätigkeit von der Engelhorn-Gastronomie "Opus V" in Mannheim trennte. Nun steigt er als Geschäftsführer im "959" ein. Küchenchef bleibt aber Dustin Dankelmann, unterstützt von Sommelière Sabine Schlecht und Barchef Frank Sobania. Gemeinsam wolle man nun "mit frischen Ideen, kulinarischen Überraschungen und neuen Teammitgliedern wieder durchstarten", heißt es in einer Pressemitteilung des Restaurants. Man wolle das Restaurant- und Barkonzept weiterentwickeln, den Küchenstil aber beibehalten und dabei verstärkt auf Regionalität setzen. Das "959 Heidelberg" ist montags ab 18 Uhr und dienstags bis samstags ab 12 Uhr geöffnet.
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Open Air: Vorhang auf vor dem Taeter Theater in Heidelberg (Thu, 09 Jul 2020)
Von Maria Stumpf Heidelberg. Mit einem "Auf Wiederschauen" hat sich das "Taeter Theater" vor Wochen auf dem Landfriedareal in Bergheim von seinem Publikum verabschiedet. Es hat Wort gehalten: Am Samstag startet das Theater mit einer kreativen Lösung in Corona-Zeiten: "Vorhang auf" heißt es dann draußen vor der Tür. Gespielt wird an der frischen Luft auf der Rampe, die zum Eingang führt. "Die Aussicht zur Möglichkeit" ließ Theaterleiter Wolfgang Graczol hoffnungsfroh bleiben nach der Schließung im März. "Wir haben jetzt das Unmögliche möglich gemacht, nach 33 Jahren drinnen im Theater also Open Air", sagt der 77-jährige Graczol. Manches werde "etwas improvisiert rüberkommen", meint er. "Aber wir haben uns bestens vorbereitet und werden viel Spielfreude über die Rampe bringen." Das A und O sei die richtige Artikulation. "Kriegen wir hin", verspricht er. Nur drei Widersacher gibt es wohl. "Regen, Gewitter und Sirenengeheul von Feuerwehr oder der Rettung", grantelt der gebürtige Wiener ein ganz klein wenig. Nach Absprache mit den benachbarten Geschäftsleuten heißt es abends nach Ladenschluss also flott die Gitter an der Rampe wegschrauben, 40 Stühle da aufbauen, wo vorher Autos parkten, Bühnenlicht an, roter Vorhang vor die Wand, Kassenhäuschen und Getränkebar raus – und beste Theaterperformance lädt zum Staunen, Hören und Sehen ein. "Das geht schwuppdiwupp, wir haben ernsthaft geprobt. Und die Stühle sind bequem, habe sie ausprobiert," verspricht er grinsend. Es soll ja schließlich ein vergnüglicher und unterhaltsamer Abend werden. Graczol ist in Personalunion Schauspieler, Regisseur, Dramaturg, Bühnenarbeiter und Kartenabreißer. Zum Team gehört auch Ehefrau und Schauspielerin Anne Steiner-Graczol, die ein sicheres Händchen hat für Licht und Ton, auf der Bühne stehen bei der Premiere am Samstag auch Dieter Aschoff und Beate Lesser. Gespielt wird klassisches Theater von Goethe, Kafka und Lessing in freier Form, denn der Intendant mag es anspruchsvoll: Mit der Inszenierung von Faust erspielte sich das kleine Theater vor Jahren schon einen großen Namen, und über lange Zeit hinweg waren alle Sitzplätze kontinuierlich ausverkauft. Am Sonntag beeindruckt dann der Theaterdirektor mal wieder im Ein-Personen-Stück "Der Herr Karl". Weiter geht es im Sommertheater auf der Rampe bis etwa Mitte September mit humoristischen Szenen von Karl Valentin, musikalische Abende führen bei "Globetrotting" auf Gedankenreisen, und Lesungen von Franz Kafka weisen in "Die letzten Tage der Menschheit". Im Taeter Theater gilt das als sicher: "Verblödelter Unsinn kommt mir nicht auf die Bühne." Dass der Neustart nun klappen wird, hat auch mit den Soforthilfen von Land und Stadt für die Kulturbranche zu tun. "Das hat uns über die ersten Monate gerettet." Jetzt hofft man, dass auch die Zuschauer wieder kommen. Dass "das Publikum antanzt und abtanzt" wünschen sich die Bühnenkünstler: "Denn wir machen gutes, aufgeregtes Theater." Info: Premiere zum Sommertheater, Samstag, 20 Uhr, Eintritt 20 Euro (ermäßigt 15 Euro), Kartenreservierung Telefon 06221 / 163333, www.taeter-theater.de
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