Heidelberg

Heidelberg: Schnelltests nun auch im Neuenheimer Feld (Di, 19 Jan 2021)
Von Ruth Lang Fuentes Heidelberg. Es sind hauptsächlich Reiserückkehrer aus Risikogebieten, Kontaktpersonen und Menschen, die ihre Angehörigen im Heim besuchen möchten, die sich derzeit auf dem Bauhaus-Parkplatz in der Eppelheimer Straße auf Corona testen lassen. Es kommen auch einige vorbei, die sich "einfach mal so" überprüfen lassen wollen, erzählt Nikolas Karavassilis, Gründer und Geschäftsführer von Aspilos. Der Hersteller von Hygieneartikeln betreibt seit Ende Dezember das "Drive through"-Schnelltestzentrum. Ab Mittwoch wird es im Neuenheimer Feld, im Heidelbeach neben dem Tiergartenbad, eine zweite Schnellteststation geben. Seit Anfang Januar übernimmt die Stadt Heidelberg für ihre Einwohner die Hälfte der Kosten für einen solchen Schnelltest. 14,50 Euro kostet er somit. "Wir gehören deutschlandweit zu den günstigsten. Für den Zuschuss muss man die Stadt loben. Das hat Oberbürgermeister Würzner sehr gut entschieden", sagt Karavassilis. Auch FFP2-Masken bietet Aspilos auf der Internetseite an. Wöchentliche Schnelltests und weniger Gutscheine für FFP2-Masken, das wünscht sich Karavassilis von der Politik. "Die Masken sind sicher wichtig, aber unterbrechen können wir Infektionsketten nur, wenn wir regelmäßig testen", ist er überzeugt. Seine fast dreiwöchige Erfahrung beim Testen hat ihm gelehrt, dass viele vorher gar nicht ahnen, dass sie positiv sind. Durch wöchentliche Schnelltests für alle könne die Pandemie besser bekämpf werden. Rund 200 Personen am Tag wurden in den letzten drei Wochen auf dem Baumarktparkplatz getestet. Sie seien jeden Tag ausgebucht, nicht nur von Heidelbergern. Viele kämen aus dem Odenwald, Darmstadt oder Frankfurt, erzählt Karavassilis. Seine Schnelltests seien zu 98 Prozent sicher. "Das heißt natürlich immer noch, dass von 100 positiv getesteten Personen zwei falsch positiv sind", erklärt er. Deswegen sei es verpflichtend, in einem solchen Fall einen PCR-Test in einer Corona-Schwerpunktpraxis durchzuführen. Trotzdem gelten die Schnelltests mittlerweile als so sicher, dass eine Quarantäne fünf Tage nach Kontakt mit einer infizierten Person sowie einem negativen Test aufgehoben werden darf. "Man darf dennoch nicht vergessen, dass ein Schnelltest immer nur eine Momentaufnahme ist", so Karavassilis. Er verliere mit dem nächsten persönlichen Kontakt seine Gültigkeit. "Die Beschwerde, wir diskriminieren Menschen, die kein Auto haben, möchte ich zurückweisen", merkt Karavassilis an. "Natürlich kann man sich bei uns auch ohne Auto testen lassen. Es ist nur dringend notwendig, einen Termin auszumachen." Aus Sicherheitsgründen könne man nicht hinnehmen, dass Leute unangekündigt und dann noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad kämen. "Mir ist bewusst, dass es vor allem für die ältere Generation ärgerlich ist, dass alles nur digital läuft", sagt Karavassilis. Aber nur so sei es möglich, direkt den Befund online zu erhalten, ohne den Testbetrieb zu behindern und Mitarbeiter oder andere Patienten zu infizieren.
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Heidelberg: Das "Carambolage"-Festival gibt es diesmal online (Tue, 19 Jan 2021)
Heidelberg. (RNZ) Jedes Jahr im Januar treffen im Karlstorbahnhof unter dem Motto "Carambolage" Kabarett- und Comedy-Formate aufeinander, um in der kalten Jahreszeit für Erheiterung zu sorgen. Dass aktuell die meisten eine Portion Humor vertragen können, ist auch den beiden Künstlerinnen Jacqueline Feldmann und Fee Brembeck bewusst. Sie erklärten sich deshalb kurzerhand bereit, anstelle ihrer aufgrund der Pandemie abgesagten Festivalabende im Internet aufzutreten. Und sie sind nicht die einzigen, die mit dem Karlstorbahnhof für Online-Kultur sorgen. > Freitag, 22. Januar, 18.30 Uhr: Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Deswegen präsentiert Jaqueline Feldmann unter diesem Titel am 22. Januar einen Livestream der besonderen Art. Online, aber nicht weniger persönlich gibt sie einen einzigartigen Einblick in ihr Stand-up-Comedy-Programm "Plötzlich Zukunft! Konnt’ ja keiner wissen…!” und erzählt auch von ganz persönlichen Geschichten aus dem vergangenen Jahr. > Samstag, 23. Januar, 18.30 Uhr: Die Kabarettistin, Autorin und Poetry-Slammerin Fee Brembeck bietet ein Wortfeuerwerk der Extraklasse und leitet humorvoll und kurzweilig durch ihr persönliches Best-of. Beide Auftritte finden über die interaktive Videokonferenz-Plattform Zoom statt, eine Anmeldung per E-Mail an info@karlstorbahnhof.de ist jeweils bis 16 Uhr am Veranstaltungstag erforderlich. Die Online-Veranstaltungen sind nach Anmeldung kostenlos, Spenden und Anmeldungen für den Förderverein des Karlstorbahnhofs werden gerne entgegengenommen. > Mittwoch, 27. Januar, 19 Uhr: Ebenfalls im Januar ist das Poetry-Slam-Format "Word Up!" mit einer Online-Show im Programm des Karlstorbahnhofs vertreten. Eine ganze Reihe talentierter Slammerinnen und Slammer stehen an diesem Abend auf der Bühne des Karlstorbahnhofs und präsentieren ihre Kunst für das Publikum zu Hause. Anmeldung auch für diese Veranstaltung bis 16 Uhr am Veranstaltungstag per E-Mail an info@karlstorbahnhof.de. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. > Freitag, 5. Februar, 20 Uhr: Ein Konzert von "Geistha" aus Mannheim mit futuristischem Elektropop und einer spektakulären visuellen Inszenierung erwartet die Zuschauerinnen und Zuschauer im Februar. Dabei nutzt die Band alle Möglichkeiten der Karlstorbahnhof-Bühne für einen aufwendigen Livestream-Abend. Den Link gibt es am Veranstaltungstag unter www.karlstorbahnhof.de. Zum gemeinsamen Genuss von Literatur und Gedankenaustausch lädt im Januar und Februar zudem das Literaturprojekt Shared Reading ein. Von Heidelberg und Mannheim aus bieten ausgebildete, ehrenamtliche Leseleiterinnen und -leiter Shared-Reading-Abende in deutscher und englischer Sprache online an. Infos und Anmeldung unter: www.karlstorbahnhof.de/sharedreading.
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Heidelberg: Den Kamerun-Schafen geht es trotz Kälte gut (Tue, 19 Jan 2021)
Heidelberg. (shy) Man kann nicht viel unternehmen in diesen Zeiten, eigentlich bleibt nur der Gang in die Natur. Welch ein Glück also, dass Heidelberg davon so viel zu bieten hat. Wer von der Bergstraße aus in die Leimengrube abbiegt und zu Fuß dem Weg in Richtung Mönchberghütte folgt, kann sogar Tiere entdecken. Seit vielen Jahren grasen dort Kamerunschafe auf einer großen Wiese. Zahlreiche Spaziergängerinnen und Spaziergänger kennen die Schafe, Familien mit Kindern verfüttern auch gerne trockenes Brot, das die Schafe mit Begeisterung verspeisen. Im Nachbarschafs-Netzwerk "Nebenan.de" äußerten jedoch einige Bürgerinnen und Bürger vergangene Woche ihre Sorgen, ob die Schafe von ihrem Besitzer gut gehalten werden – sie beispielsweise einen Stall zur Verfügung haben, in dem sie Schutz vor der Kälte finden und ob sie ausreichend Futter bekommen. Einige fragten, ob es sinnvoll sein könnte, einen Tierarzt zu informieren oder gar das Veterinäramt einzuschalten. Die RNZ hat deshalb bei der Stadt nachgehakt, ob das Veterinäramt über die Haltung der Kamerunschafe informiert ist und es diese eventuell überprüfen könnte. Und die Stadt reagierte prompt: "Die Schafhaltung ist der Veterinärbehörde bekannt und wird regelmäßig überprüft", informierte eine Stadtsprecherin. Versorgung und Pflegezustand der Tiere hätten bisher keinen Anlass für veterinärrechtliche Beanstandungen gegeben, hieß es weiter. Auch habe eine aktuelle Überprüfung stattgefunden – am Mittwoch, 13. Januar, sei die zuständige Tierärztin vor Ort gewesen, habe sich die Schafhaltung eingehend angeschaut und anschließend auch gleich mit dem Halter der Tiere telefoniert. Das Fazit der Ärztin: "Die Kamerunschafe sehen gut aus und haben Stallungen und viel Fläche zur Verfügung." Was verbessert werden müsse, sei die Einzäunung, damit die Tiere sich nicht daran verletzen können. Ebenso müssten alle Metallteile im Auslauf entsorgt werden, heißt es abschließend vonseiten der Stadt.
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Heidelberg: Kaum jemand fährt mit dem Bus zum Impfen (Tue, 19 Jan 2021)
Heidelberg. (kau) Bisher hatte die Direktlinie "E-Bus-Shuttle ZIZ" zum Zentralen Impfzentrum (ZIZ) nur wenige Fahrgäste. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) hat zwar noch keine Zahlen zu den Fahrgästen erhoben. Aber: "Nach unseren Beobachtungen sind die einzelnen Fahrten aktuell nur recht schwach besetzt", teilt RNV-Sprecher Moritz Feier auf RNZ-Anfrage mit. Auch das Ruftaxi aus Kirchheim sei bisher wenig gefragt. Zehn Fahrten habe es in der vergangenen Woche nur gegeben, so die RNV. Den Shuttlebus vom Hauptbahnhof zum Zentralen Impfzentrum organisiert die Stadt gemeinsam mit der RNV – und ist dafür in Vorfinanzierung gegangen. "Wir bieten den Shuttlebus aus voller Überzeugung an, er ist ein wichtiges Signal", sagt ein städtischer Pressesprecher. "Uns war aber bewusst, dass zumindest am Anfang die Nachfrage sehr gering sein würde." Spätestens, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung stehe, werde sich das jedoch ändern. Der Bus soll deshalb weiterhin täglich zwischen 6 und 22 Uhr fahren. Derzeit startet er morgens jeweils um 6.06 Uhr an Steig Q des Hauptbahnhofes (siehe Grafik), die zweite Fahrt beginnt um 6.40 Uhr. Ab dann verkehrt die Linie bis 19.20 Uhr alle 40 Minuten – also um 7.20 Uhr, 8 Uhr, 8.40 Uhr und so weiter. Am Abend fährt der Bus noch mal um 20.20 Uhr sowie zum letzten Mal um 21 Uhr. Vom ZIZ fährt er ebenfalls im 40-Minuten-Takt zurück zum Hauptbahnhof. Dass die Sonderbuslinie bisher so wenig genutzt wird, dürfte auch daran liegen, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass es sie gibt. Die Anmeldung für einen Impftermin am ZIZ läuft über eine zentrale Internetseite oder Telefonhotline des Landes Baden-Württemberg. "Infos zu den Anfahrtsmöglichkeiten zum konkreten Impfzentrum gibt es bei der Anmeldung nicht", so der Stadtsprecher. "Das für jedes Impfzentrum einzupflegen, wäre sehr viel Aufwand, und wir verstehen, dass sich das Land aktuell um andere Sachen kümmert." Die Stadt Heidelberg versuche deshalb, über "ihre Kanäle" die Informationen zu verbreiten. Konkret sind das neben der Internetseite der Stadt auch Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram – jedoch gibt es gerade unter den älteren Menschen, die schon jetzt impfberechtigt sind, viele, die keinen Internetzugang haben.
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Heidelberg: Appell für mehr Sachlichkeit in Diskussion um Baumfällungen (Tue, 19 Jan 2021)
Von Sarah Hinney Heidelberg. Auch wenn die große Maßnahme vorerst auf Eis liegt – die Diskussionen um die Forstarbeiten im Mühltal gehen weiter und die Kritiker der Baumfällungen sind dabei nicht immer zimperlich in ihrer Wortwahl. Mit großem Interesse hat auch der Vorstand des Stadtteilvereins Handschuhsheim sowohl die Berichterstattung als auch die Leserbriefe in der RNZ über die geplanten Arbeiten verfolgt. Das teilt der Verein jetzt in einer Stellungnahme mit. Die geplanten Forstarbeiten oberhalb Handschuhsheims hatten in den vergangenen Wochen für Diskussionen gesorgt. Hunderte Bäume sind dort mit roten Strichen markiert – ein Zeichen dafür, dass sie gefällt werden sollen. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger hatten zunächst auf Social-Media-Plattformen Kritik geäußert, später auch mehrere Leserbriefe an die RNZ gesandt. Vergangene Woche hat die Stadt darauf reagiert, ein Großteil der Arbeiten ist nun verschoben worden. Die Stadt wird jetzt erst mal nur jene Bäume fällen, die den Besucherinnen und Besuchern des Waldes gefährlich werden können – rund 30 Stück, größtenteils Esskastanien, die geschädigt seien. Die weiteren Forstarbeiten sollen dann erst im Spätjahr 2021 durchgeführt werden. Um mehr Verständnis für die Lage vor Ort zu schaffen, wollen die Experten des Landschafts- und Forstamtes die geplanten Maßnahmen im Vorfeld mit allen relevanten Gruppen diskutieren. Die Vorsitzenden des Stadtteilsvereins, Gerhard Genthner und Jürgen Grieser, begrüßen die Entscheidung der Stadt, die Maßnahmen zu verschieben und das Vorgehen erläutern. Gleichzeitig wünsche sich die Vorstände aber weniger "Emotion" in der Diskussion. "Bis zu einer gesicherten Informationslage sollte niemand ernsthaft davon ausgehen, dass sich das Landschafts- und Forstamt der Stadt Heidelberg den Kahlschlag des Mühltals auf seine Fahnen geschrieben hat", heißt es in der Stellungnahme. Bis dahin möge man – bei aller Berechtigung von Kritik und Auseinandersetzung – mit Begriffen wie "Wüste", "Verbrechen gegenüber Natur und Tieren", "dem Leben den Garaus machen", "Grün werde plattgemacht" und ähnlichem, bewusster umgehen, so der Stadtteilverein weiter. Und abschließend: "Bei der Diskussion um Bewahrung und Pflege des heimischen Waldes und des Klimaschutzes sollten wir uns die guten Absichten nicht von vorneherein absprechen, ohne die Argumente des anderen zu kennen."
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Heidelberger Frühling: Intendant Schmidt wehrt sich gegen Verlagerung ins Digitale (Tue, 19 Jan 2021)
Von Anica Edinger Heidelberg. Im Oktober erst stellten die Macher des internationalen Musikfestivals "Heidelberger Frühling" ihr Programm für den 25. Jahrgang vor. Ein "Festspiel" sollte es geben zum Jubiläum, mit 134 Veranstaltungen in insgesamt 19 Spielstätten vom 20. März bis zum 18. April. Doch kommt es tatsächlich so weit? Ein Gespräch mit Intendant Thorsten Schmidt über musiklose Zeiten, digitale Alternativen – und über die eine, alles entscheidende Frage. Herr Schmidt, wird es in diesem Jahr einen "Heidelberger Frühling" geben? Wir müssten auf Basis der Verordnungen eigentlich derzeit davon ausgehen, dass der "Heidelberger Frühling" in irgendeiner Form stattfinden kann. Aber mit der Entscheidung von letzter Woche, staatliche und städtische Bühnen in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern bis 31. März zuzumachen, haben wir ein erstes klares Zeichen. Wir bereiten uns also auf verschiedene Szenarien vor, die eintreten könnten. Was ist, wenn wir im März nicht spielen können, aber vielleicht im April? Was ist, wenn wir gar nicht spielen können? Was ist, wenn Sie gar nicht spielen können? Wie gesagt, wir erarbeiten im Team kreative Lösungen und suchen nach Alternativen. Eventuell wäre dann Musik ausschließlich im öffentlichen Raum denkbar. Vielleicht auch ein paar Konzerte im September. Wir wollen in jedem Fall für unser Publikum etwas machen, das ist die Hauptsache. Unseren 25. Geburtstag lassen wir nicht einfach so ziehen. Käme eine Verlagerung ins Digitale infrage? Das Digitale hat in Zeiten der Pandemie sicher viele Vorteile. Wir haben im vergangenen Jahr sehr schöne Projekte gemacht. In Hinblick auf die Musik, gar auf ein ganzes Festival im Internet, gehe ich auf die Barrikaden. Digitalprojekte sind im Konzertbereich extrem teuer. Es ist widersinnig, ein Festival in den digitalen Raum zu übertragen, aber kaum Ticketeinnahmen erwirtschaften zu können. Das schaffen wir nicht. Was wir tun, lebt von der Begegnung und der Gemeinsamkeit. Das Digitale ist sicher eine extrem interessante Erweiterung als eigene Kunstform, es kann das Konzerterlebnis aber nicht ersetzen. Virologen haben schon im Herbst, als Sie ihr Programm vorstellten, prognostiziert, dass die Pandemie uns noch bis ins Frühjahr begleiten könnte. Weshalb haben Sie den "Frühling" 2021 nicht gleich in den Sommer gelegt? Das Programm muss Ende Juli stehen. Da hatten wir durchaus noch die Perspektive, dass die Situation so bleibt, wie sie im Sommer war. Zudem haben wir festgelegte Zeiträume für unser Festival. Aufgrund der Schlossfestspiele können wir es beispielsweise nicht einfach in den Sommer verlegen. Da können wir sicher Einzelveranstaltungen machen, aber kein mehrwöchiges Festival. Und überhaupt: Der "Frühling" ist nun einmal im Frühling. Der Kartenvorverkauf für den 25. Jahrgang hat im November begonnen. Wie viele Tickets wurden denn bereits verkauft? Das Festival ist quasi ausverkauft. Bei extrem vielen Veranstaltungen gibt es Wartelisten. Diese haben wir aufgelegt, da wir auch im Herbst noch die Hoffnung hatten, dass sich die Situation im März und April so weit entspannt, dass wir sogar noch mehr Plätze anbieten können als ursprünglich geplant. Nun wissen wir, dass es dazu nicht kommen wird. Das Eröffnungskonzert wäre in ziemlich genau acht Wochen. Was ist das für den Intendanten für ein Gefühl, noch nicht zu wissen, ob es überhaupt so weit kommt? Es ist extrem frustrierend. Gerade im Jahr des 25. Geburtstags. Das hätte ich mir, der ich ja von Anfang an dabei war, gemeinsam mit dem Team vollkommen anders gewünscht. Das Hauptproblem für ein Festival wie unseres ist die enorme Unsicherheit in der Planung, die kurzen Zeiteinheiten, in denen Beschlüsse bekannt gegeben werden. Häuser mit festen Spielstätten – wie etwa staatliche Theater – haben es da ein wenig einfacher: Sie können ihre Produktionen nach der Schließzeit direkt auf die Bühne bringen und, Stand heute, weiter proben und arbeiten. Uns dagegen sind die Hände völlig gebunden. Wir haben jeweils nur einen Schuss frei, im Januar mit dem Streichquartettfest, dann mit dem "Frühling" oder dem dieses Jahr erstmals geplanten Liedfestival "Neuland.Lied" im Juni – und das war es dann. Aber: Es gibt auch eine Zeit danach. Und daran arbeiten wir mit Leidenschaft. Und das Streichquartettfest ist der Pandemie bereits zum Opfer gefallen... Leider. Aber wir holen es 2022 eins zu eins nach. Maximal gefährdet ist derzeit auch noch der Wettbewerb "Das Lied", der für Ende Februar geplant ist. "Maximal gefährdet": Welchen Status würden Sie derzeit dem "Heidelberger Frühling" geben? Wie wir mit dem März verfahren, werden wir jetzt mit der Stadtspitze besprechen. Der April ist vollkommen unklar. Wir wissen nichts, stehen eigentlich völlig im Regen. Ich wünsche mir jedenfalls, dass bei etwaigen Lockerungen des Lockdowns die Kultur miteinbezogen wird, dass differenzierte Lösungen vonseiten der Politik gefunden werden. Wie sähen solche "differenzierten Lösungen" aus? Gerade ist eine Studie veröffentlicht worden, die belegt, dass die Gefährdungssituation im Konzertsaal bei entsprechender Belüftung und einem Hygienekonzept quasi nicht existent ist. Solche Erkenntnisse müssen in die weiteren Entscheidungen einfließen. Die Gefahr, dass die Kulturszene nach der Pandemie nicht mehr dieselbe ist wie zuvor, ist schon jetzt relativ groß. Die Kunst lebt davon, dass sie rezipiert, dass sie wahrgenommen wird. Sie lebt vom Publikum, von den Diskursgemeinschaften, die nach einem Konzert entstehen. Wenn das nicht mehr gegeben ist, fällt alles völlig auseinander. Musik hören, Musik erleben: Das war auch bis zum Ausbruch der Pandemie ein großer Bestandteil Ihres Lebens. Wie ist das nun für Sie, ohne Livemusik? Seit meinem 15. Lebensjahr bin ich tatsächlich permanent in Konzerten gewesen, das war eine Art Lebenselixier. Jetzt ist es so, als ob ein wesentlicher Teil des Lebens eingefroren ist. Man trocknet ein bisschen aus. Allerdings muss ich auch sagen, dass das letzte Jahr das herausforderndste meines Berufslebens war. Jeden Tag müssen neue Lösungen für verschiedene Fragestellungen gefunden werden. Ich bin so sehr eingespannt – da gerät vieles in den Hintergrund.
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Heidelberg: Für grenzenlose Solidarität (Tue, 19 Jan 2021)
hmt. Das Interkulturelle Zentrum (IZ) ruft zur Teilnahme an den digitalen "Internationalen Wochen gegen Rassismus" auf. Die Aktionswochen finden von Montag, 15. März, bis Donnerstag, 8. April, statt – dem Internationalen Tag der Roma. Wer sich engagieren möchte, kann sich bis Sonntag, 24. Januar, anmelden. Möglich sind beispielsweise Workshops, Ausstellungen, Lesungen, Diskussionsrunden und Vorträge. Unter dem Motto "Solidarität. Grenzenlos" sollen die Aktionswochen Möglichkeiten bieten, über aktuelle Themen ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Projekte zur Stärkung einer vielfältigen Stadtgesellschaft zu realisieren. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen und Infektionszahlen werden die Aktionswochen dieses Jahr zunächst digital geplant. Je nachdem, wie sich die Corona-Situation entwickelt, sind auch analoge Veranstaltungen mit Hygienekonzept möglich. Die Internationalen Wochen gegen Rassismus wurden 1966 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Seit Ende der 70er Jahre werden in den UN-Mitgliedsländern jährliche Aktionswochen rund um den 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus, gestartet. In Deutschland plant und koordiniert die Stiftung Internationale Wochen gegen Rassismus zusammen mit dem Interkulturellen Rat die jährlichen UN-Wochen gegen Rassismus. Infos und Anmeldung unter www.iz-heidelberg.de. Rückfragen werden auch per E-Mail an iz@heidelberg.de beantwortet.
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Buchungsservice: Stadt Heidelberg unterstützt Senioren beim Buchen der Impftermine (Mon, 18 Jan 2021)
Heidelberg. (RNZ/rl) Weil sich manche älteren Menschen nicht mit der Internet-Impfanmeldung zurechtkommen und keine Unterstützung von Angehörigen haben, will die Stadt Heidelberg jenen Menschen dabei unterstützten einen Impftermin zu buchen. Dazu verschickt die Stadt zusammen mit den Seniorenzentren in den nächsten Tagen mehr als 8300 Briefe an Senioren, die älter als 80 Jahre sind, um über das Angebot zu informieren. Seit Ende Dezember 2020 dürfen sich insbesondere Menschen impfen lassen, die 80 Jahre und älter sind. Die Termine können telefonisch unter 116117 vereinbart oder unter www.impfterminservice.de gebucht werden.  Die Heidelberger Seniorenzentren stünden bereit, um die Senioren zu unterstützen, teilte die Stadt mit. Menschen die Hilfe benötigen, werden gebeten, sich telefonisch oder per E-Mail zu melden. Wichtig dabei sei: Auch die Mitarbeiter der Seniorenzentren haben keinen Einfluss auf Wartezeiten bei der Impfterminvergabe. Das Land Baden-Württemberg koordiniere die Termine. Aktuell sei der Impfstoff weiterhin knapp und Termine seien oft lange im Voraus ausgebucht.  So erreichen Sie die Seniorenzentren: > Altstadt: Telefon 06221/181918; E-Mail szaltstadt@dwhd.de > Bergheim: Telefon 06221/970368; E-Mail szbergheim@vbi-heidelberg.de > Boxberg-Emmertsgrund: Telefon 06221/330340; E-Mail sz.boxberg-emmertsgrund@caritas-heidelberg.de > Handschuhsheim: Telefon 06221/401155; E-Mail j.reichenbach@drk-rn-heidelberg.de > Kirchheim: Telefon 06221/720022; E-Mail szkirchheim@psd-ggmbh.de > Neuenheim: Telefon 06221/437700; E-Mail szneuenheim@psd-ggmbh.de > Pfaffengrund: Telefon 06221/700555; E-Mail szpfaffengrund@dwhd.de > Rohrbach: Telefon 06221/334540; E-Mail szrohrbach@dwhd.de > Weststadt: Telefon 06221/5838360; E-Mail szweststadt@heidelberg.de > Wieblingen: Telefon 06221/830421; E-Mail szwieblingen@awo-heidelberg.de > Ziegelhausen: Telefon 06221/804427; E-Mail sz.ziegelhausen@caritas-heidelberg.de Die Stadtteile Südstadt und Bahnstadt werden durch das Seniorenzentrum Weststadt mitversorgt, der Stadtteil Schlierbach durch das Seniorenzentrum Ziegelhausen.
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Kreisimpfzentrum Heidelberg: Betrieb im Gesellschaftshaus Pfaffengrund startet am 22. Januar (Update) (Mon, 18 Jan 2021)
Heidelberg. (RNZ) Bereits seit Ende Dezember werden in Baden-Württemberg in neun Zentralen Impfzentren (ZIZ) Menschen gegen das Coronavirus geimpft – nun gehen am Freitag, 22. Januar, auch die kleineren Kreisimpfzentren (KIZ) in den Betrieb. Heidelberg ist in der besonderen Lage, dass es in der Stadt sowohl ein ZIZ als auch ein KIZ gibt. Das KIZ befindet sich im Gesellschaftshaus Pfaffengrund und wird von der Stadt Heidelberg betrieben. Für das KIZ Heidelberg stehen für die ersten beiden Wochen rund 1200 Impfdosen zur Verfügung. Diese werden zum größeren Teil in den Alten- und Pflegeheimen der Stadt über ein mobiles Impfteam verabreicht. Der kleinere Teil der Impfdosen wird direkt im KIZ verabreicht. Es wird dafür an zunächst zwei Tagen geöffnet sein: Freitag, 22. Januar, und Samstag, 30. Januar. Anmeldungen für einen Impftermin im Heidelberger KIZ werden voraussichtlich ab dem 19. Januar möglich sein. Eine Impfung im KIZ erfolgt nur mit Termin. Termine können über die zentrale Telefonnummer 116117 oder online unter www.impfterminservice.de gebucht werden. Da aktuell noch nicht genügend Impfstoff für alle Impfwilligen zur Verfügung steht, hat das Bundesgesundheitsministerium eine Priorisierung festgelegt. In der aktuellen Phase dürfen demnach in erster Linie Personen geimpft werden, die 80 Jahre und älter sind. Update: Montag, 18. Januar 2021, 15.45 Uhr Kreisimpfzentrum kommt ins Gesellschaftshaus Pfaffengrund Der Betrieb der Einrichtung ist in Planung und soll im Januar erfolgen. Das überregionale, zentrale Corona-Impfzentrum soll im ehemaligen US-Supermarkt entstehen. Heidelberg. (RNZ) In Heidelberg wird es ein Kreisimpfzentrum im Gesellschaftshaus Pfaffengrund geben. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Das Sozialministerium bestätigte damit den Standort, den die Stadt selbst vorgeschlagen hatte. Daneben wird in Heidelberg auch ein Zentrales Impfzentrum (ZIZ) eingerichtet, das zuerst an den Start gehen wird und einen Einzugsbereich über Heidelberg hinaus haben wird. Es wird derzeit auf dem Gelände des Patrick-Henry-Village (PHV) vorbereitet und dann vom Rhein-Neckar-Kreis im Auftrag des Landes-Baden-Württemberg betrieben. Das Zentrale Impfzentrum soll den Betrieb Mitte Dezember 2020 aufnehmen, das Kreisimpfzentrum im Pfaffengrund Mitte Januar 2021. "Sobald ein Impfstoff zur Verfügung steht, werden wir in Heidelberg loslegen können", erklärt Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner. Aktuell wird das Impfzentrum in PHV vorbereitet. Das Gesellschaftshaus Pfaffengrund biete darüber hinaus gute Rahmenbedingungen. "Es wird ein enormer Kraftakt, dieses Zentrum zusätzlich bis Mitte Januar betriebsbereit zu haben", so Würzner. Das Impfzentrum im Gesellschaftshaus ist aktuell in Planung. Wann in PHV genau mit den Impfungen begonnen wird, hängt von der Verfügbarkeit des Impfstoffes ab. Die Impfstrategie des Landes Baden-Württemberg rechnet mit mindestens 1500 Impfungen pro Tag in jedem Zentralen Impfzentrum. Bei den Kreisimpfzentren wird mit rund 800 Impfungen pro Tag gerechnet. Flankierend zu den Impfzentren wird es laut Landessozialministerium mobile Impfteams geben, die sogenannten "aufsuchenden Angebote" (beispielsweise für Pflegeheime). Update: Donnerstag, 3. Dezember 2020, 15.33 Uhr Impfzentrum kommt ins Patrick-Henry-Village Heidelberg. (shy) Jetzt steht es fest: Heidelberg bekommt ein überregionales Zentrales Impfzentrum (ZIZ). Das hat das Sozialministerium Baden-Württemberg am Donnerstag auf RNZ-Nachfrage bestätigt. Oberbürgermeister Eckart Würzner hatte im Rahmen einer Pressekonferenz am Montag bekannt gegeben, dass die Stadt der Landesregierung ein entsprechendes Angebot gemacht hat – und sich dabei zuversichtlich gezeigt, dass das Land das Angebot annehmen wird.  Stadt und Kreis hatten bereits darüber informiert, dass ein Standort für das ZIZ in der ehemaligen US-Siedlung Patrick-Henry-Village (PHV) vorbereitet wird. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg könnten dort im früheren Supermarkt schon ab Dezember bis zu 1000 Menschen täglich gegen Covid-19 geimpft werden. Immer vorausgesetzt, dass es bis dahin einen Impfstoff gibt. Weitere Zentrale Impfzentren in Baden-Württemberg sollen beispielsweise in den Messen Karlsruhe, Freiburg, Ulm und Offenburg sowie am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus eingerichtet werden. Zunächst sollen sie Corona-Risikogruppen versorgen. Anschließend – so die Planung – werden so genannte Kreisimpfzentren eingerichtet. Die Stadt Heidelberg plant ein solches Kreisimpfzentrum im Gesellschaftshaus im Pfaffengrund. Update: Donnerstag, 26. November 2020, 20.36 Uhr Zwei Impfzentren in PHV und Pfaffengrund möglich Ein überregionales "Zentrales Impfzentrum" könnte im ehemaligen Supermarkt des Patrick-Henry-Village entstehen, ein Kreisimpfzentrum im Pfaffengrunder Gesellschaftshaus. Heidelberg. (RNZ/mün) Gemeinsam mit dem Rhein-Neckar-Kreis will die Stadt Heidelberg zwei Impfzentren ermöglichen: Ein überregionales "Zentrales Impfzentrum" könnte in Patrick-Henry-Village untergebracht werden. Für die Heidelberger soll im Pfaffengrunder Gesellschaftshaus ein "Kreisimpfzentrum" errichtet werden. Das gab Oberbürgermeister Eckart Würzner am Dienstag bekannt. Die Entscheidung liegt bei der Landesregierung, aber Würzner hält das Angebot eines Zentralen Impfzentrums (ZIZ) in der ehemaligen US-Siedlung Patrick-Henry-Village für sehr attraktiv. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg könnten im früheren Supermarkt je nach Personalkapazität bis zu 1000 Menschen täglich gegen das Coronavirus geimpft werden. Vorausgesetzt, dass es einen Impfstoff gibt, könnte schon im Dezember 2020 losgelegt werden, heißt es in der Mitteilung. Das ZIZ soll so lange betrieben werden, bis die flächendeckende Versorgung durch regionale Kreisimpfzentren (KIZ) und Arztpraxen gewährleistet werden könne - voraussichtlich bis April 2021. Zusätzlich soll ein Kreisimpfzentrum (KIZ) im Gesellschaftshaus Pfaffengrund aufgebaut werden, so Würzner. Dort habe es auch schon einen Testlauf in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises gegeben. Diese lokalen Zentren sollen nach Vorstellungen des Landes spätestens vier Wochen nach dem ZIZ starten und diese mittelfristig ablösen.
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EU-Flüchtlingspolitik: Verwaltungsgericht schränkt Protestcamp in Heidelberg ein (Mon, 18 Jan 2021)
Von Ruth Lang Fuentes Heidelberg. Trotz Minusgraden bauten am Samstagmittag Aktivistinnen und Aktivisten vor dem Rathaus ihre Zelte auf. Sie protestieren gegen die dramatische Lage von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen, im bosnischen Lipa oder auf Lesbos. "Keine Zeltstädte in Europa!" und "Wir haben Platz!" steht auf ihren Plakaten. Die rund 15 jungen Menschen, die keiner Organisation angehören, haben sich aufgrund der Corona-Pandemie für das Konzept eines Protestcamps entschieden – auch, um darauf aufmerksam zu machen, dass viele Geflüchtete derzeit gezwungen sind, bei Minusgraden in dürftigen Zelten zu leben. Die jungen Menschen wollten eigentlich auch in Heidelberg vor dem Rathaus übernachten. Die Stadt als Versammlungsbehörde hat dies jedoch aus Infektionsschutzgründen verboten und die Veranstaltung täglich nur bis 19 Uhr erlaubt. Ein Eilantrag der Gruppe an das Verwaltungsgericht Karlsruhe wurde am Freitagabend abgelehnt: "Die zeitliche Beschränkung der Dauermahnwache sei eine geeignete, erforderliche und auch angemessene Maßnahme des Infektionsschutzes, weil gerade in den Abendstunden, wenn aufgrund der aktuellen Ausgangsbeschränkungen keine Passanten mehr zu erwarten seien, es vermehrt zu Risikokontakten kommen könne", argumentieren die Richter. Geradezu zynisch finden das jedoch die Aktivisten: "Während an den EU-Außengrenzen tausende von Menschen gezwungen werden, zusammengepfercht unter schlimmsten Bedingungen in Zelten zu leben, manchmal über Jahre hinweg, wird uns privilegierten Menschen in Heidelberg verboten, eine Woche im Freien zu übernachten." Deshalb will die Gruppe erneut Beschwerde einlegen, sodass sich auch der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim mit der Frage befassen wird. Doch zunächst wird nur tagsüber vor dem Rathaus protestiert. Die Stadt selbst ist dabei jedoch gar nicht Ziel der Aktion: "Heidelberg ist Gründungsmitglied im ,Bündnis Städte sichere Häfen’ und hat viele Geflüchtete freiwillig aufgenommen. Das finden wir sehr gut. Der Protest richtet sich an die Bundesrepublik und die EU", sagt Pressebeauftragter Simba. Die Zustände in den Lagern an den EU-Außengrenzen, die Überbelegung der Zelte durch Menschen mit ohnehin schon geschwächten Immunsystemen seien erst recht unter der Corona-Pandemie nicht mehr hinnehmbar, so Simba. Die Aktivistinnen und Aktivisten fordern deswegen die sofortige Evakuierung der Menschen dort. "Die Menschen in den Camps leben unter menschenverachtenden Verhältnissen", berichtet Aktivistin Theresa bei der Eröffnungsrede. In dem neu errichteten Lager Kara Tepe auf der Insel Lesbos mangele es an Essen, Toiletten, Duschen und warmem Wasser. Bei Regen werde das Camp von Fäkalien überflutet. Regelmäßig müssten die Ärzte vor Ort Kinder verarzten, die von Ratten gebissen würden. Suizidversuche seien an der Tagesordnung. "Hier werden Menschenrechte nicht nur verletzt, sie werden mit Füßen getreten", so die Aktivistin. Statt Fluchtursachen systematisch zu bekämpfen, arbeite die EU mit Ländern wie Libyen oder der Türkei zusammen oder schicke Frontex, "um gewaltvoll zu verhindern, dass die Geflüchteten die EU erreichen", sagt Theresa. Die widrigen Verhältnisse in den Camps seien Absicht und sollten der Abschreckung dienen. "Die europäische Lösung, auf die wir warten, wird nicht kommen. Deutschland muss Initiative ergreifen", fordert auch Annika. Die Jurastudentin war 2019 mehrere Monate auf Lesbos im mittlerweile abgebrannten Camp Moria als Rechtsberaterin für Geflüchtete. "Asyl zu beantragen, ist ein Menschenrecht. Doch die Behandlung der Geflüchteten soll als Abschreckung dienen." Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Asylanhörung betrage acht Monate, in der die Geflüchteten nichts machen könnten außer Warten. "Die Verzweiflung der Menschen vor Ort ist sehr stark zu spüren. Wie mit ihnen umgegangen wird, hat mich stark erschüttert in meinem Glauben an die EU und unser Wertesystem", erzählt sie. Das Protestcamp soll bis Samstag täglich von 6 bis 19 Uhr vor dem Rathaus stattfinden. Auf dem Programm stehen Berichte von Menschen, die in Geflüchtetenlagern waren und Redebeiträge von Organisationen wie Seebrücke, Amnesty International oder "I Support The Girls". Bis zur Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes bauen die Aktivistinnen und Aktivisten die Zelte abends wieder ab. Die von der Stadt genehmigte Option einer Nachtwache von zwei Personen schlugen sie aus. Ein ähnliches Protestcamp in Landau im vergangenen Jahr sei von Unbekannten attackiert worden, die Gefahr sei zu groß.
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MLP Academics: Offensivfeuerwerk bringt Sieg gegen Leverkusen (Mon, 18 Jan 2021)
Von Nikolas Beck Heidelberg. Die Erinnerungen waren schwach, aber schmerzvoll. Es fühle sich an, als wäre das Hinspiel eine Ewigkeit her, sagte Branislav Ignjatovic vor dem zweiten Vergleich mit Leverkusen. Es ist eben viel passiert bei den MLP Academics seit man Anfang November bei den Bayer Giants verloren hatte – und Coach Ignjatovic sich über die schwächste Saisonleistung ärgern musste. Ignjatovic ist zu wünschen, dass der 103:75 (49:32)-Erfolg vom Sonntagabend länger im Gedächtnis bleiben wird: Den Zweitliga-Basketballern, die von Corona gebeutelt fünf Wochen pausieren mussten und drei Wochen lang überhaupt keine Halle von innen sahen, ist der Re-Start mehr als eindrucksvoll geglückt. Mit dem Kantersieg haben die Heidelberger also auch das zweite Spiel binnen einer Woche für sich entscheiden können. "Ich bin sehr, sehr zufrieden", sagte Ignjatovic. Noch sei sein Team zwar nicht wieder ganz auf dem Level wie vor der Zwangspause: "Aber mit dem knappen Erfolg in Trier konnten wir offensichtlich ein bisschen Selbstvertrauen tanken." War es noch am Mittwochabend gegen die Gladiators vor allem ein Sieg von Wille und Moral, bei dem man einen frühen 19-Punkte-Rückstand aufholen musste, zeigten die Ignjatovic-Schützlinge diesmal von Beginn an, wer im verwaisten Olympiastützpunkt Herr im Haus ist. Hansi Gnad, 1993 Europameister und heute Chefcoach der Leverkusener, konnte noch so laut schreien: Schnell waren die Heidelberger auf über zehn Punkte enteilt. Dank Teamgeist, Kampfgeist und Jordan Geist, der diesmal ohne Fehlwurf blieb (20 Punkte), ging es mit einer souveränen 49:32-Führung in die Pause. "Das klingt natürlich komfortabel", freute sich Matthias Lautenschläger über den Vorsprung. Zugleich hob der Manager mahnend den verbalen Zeigefinger: "Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie schnell sich so ein Spiel drehen kann." Selten hat sich Lautenschläger so gerne geirrt. Spannend wurde es auch nach dem Seitenwechsel nicht mehr. Obwohl die Heidelberger, ohnehin mit kleiner Rotation am Start, durch das frühe vierte Foul von Albert Kuppe sowie die Verletzung von Phillipp Heyden, der gar nicht mehr mitwirken konnte, vor zusätzliche Herausforderungen gestellt wurden. "Bei unseren großen Jungs, ist es wie verhext in diesem Jahr", berichtete Ignjatovic vom Schlag auf Heydens Nase. Schließlich war nach der Corona-Pause auch Backup Armin Trtovac abermals noch nicht einsatzbereit. Ohne echten Center im Spiel war es Shy Ely, vor der Pause auffallend unauffällig, der im dritten Viertel mit elf Zählern die Verantwortung übernahm. Die Academics ließen sich in ihrem bisweilen unwiderstehlichen Offensivspiel jedenfalls nicht beirren. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt die Befürchtung, dass es heute noch mal knapp werden würde", erklärte Ignjatovic nach dem sechsten Sieg im sechsten Heimspiel. Lautenschläger brachte es auf den Punkt: "Das war ein fast perfekter Abend." Zwischenzeitlich wuchs der Vorsprung sogar auf über 30 Zähler an. Und spätestens als Scharfschütze Kuppe in der Schlussminute den 15. Dreier des Abends durch die Reuse jagte und erstmals die 100-Punkte-Marke geknackt war, flog das Popcorn bei den Academics-Fans vor dem Fernseher wohl vor Begeisterung durchs Wohnzimmer. "Es ist einfach schade, dass wir ausgerechnet in dieser Saison keine Zuschauer in der Halle haben", schickte der Trainer Grüße an die Unterstützer. Nicht nur Ignjatovic wird an d i e s e s Duell mit Leverkusen sicher immer wieder gerne zurückdenken. Heidelberg: Geist 20 (3 Dreier), McGaughey 20 (4), Ely 16 (2), Kuppe 15 (3), Nelson 12, Würzner 9 (1), Vasiljevic 6 (2), Heyden 4, Loh 1. Leverkusen: Bacak 18, Heinzmann 11, Hujic 10 (2), Lohaus 9, Dressler 9 (3), Eberhardt 9 (1), Mann 5, Kuczmann 4 (1), Blass, Edigin jr., Fankhauser. Stenogramm: 13:7 (5.), 24:13 (1. Viertel), 34:21 (16.), 49:32 (Hz.), 61:41 (25.), 76:57 (3. V.), 91:64 (35.), 103:75 (Endstand).
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Heidelberg: Damit auch an die Fußgänger gedacht wird (Mon, 18 Jan 2021)
Von Holger Buchwald Heidelberg. Zugeparkte Gehwege, überhöhte Geschwindigkeit von Autofahrern, unüberwindbare Hindernisse für Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen: Die Lobbyarbeit für Fußgänger hat durch die Corona-Krise nichts von ihrer Bedeutung verloren. Die Interessengemeinschaft Fußverkehr (IG Fuß) will daher auch in diesem Jahr die Probleme angehen. Der Tod von Peter Bews hat eine schmerzhafte Lücke hinterlassen. Er war das Gesicht und die Stimme der IG Fuß, verpasste kaum eine Gremiensitzung, in der es um die Belange von Fußgängern und vor allem um die Sicherheit von Kindern im Verkehr ging. "Er hat so viel gemacht, war so unglaublich aktiv. Daher reißt sich gerade niemand um die Sprecherrolle", sagt Barbara Holborn. Nachdem aber Felix Berschin, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland in Heidelberg, in einem offenen Brief das IG-Fuß-Mitglied Wolfgang Weber offen und persönlich anging, stellen sich Holborn und andere Aktive der Interessengruppe nun hinter Weber. Inhaltlich hatte Weber die Pläne für die Fuß- und Radwegebrücke über den Neckar kritisiert, worauf Berschin ihm vorgeworfen hatte, dass er von der IG Fuß nicht als Sprecher legitimiert sei. "Wir haben uns regelmäßig ausgetauscht", widerspricht hingegen Ulrike Künzer – im Juli gab es ein persönliches Treffen, bei dem es bereits um die Radbrücke gegangen sei. Danach lief die Absprache über Mail oder Telefon. Die IG Fuß sei ja auch nicht gegen die Brücke, der Entwurf des drittplatzierten im Realisierungswettbewerb von "Mayr Ludescher Partner" sei jedoch besser geeignet als der des Siegers "Schlaich Bergermann Partner". Die von der Jury favorisierte Brücke sei zu steil, in Teilbereichen seien Fuß- und Radweg nicht gut genug voneinander getrennt, vom Gneisenaupark auf der Bergheimer Seite des Neckars fehlten Aufzüge für mobilitätseingeschränkte Personen. Zudem sei zu befürchten, dass auf der Neuenheimer Seite aufgrund der baulichen Gegebenheit, die Radler lieber die Fußgängerrampe zum Neckarufer nehmen, anstatt einen großen Bogen zu fahren. Die Brücke müsse auch für Fußgänger so sicher wie möglich gemacht werden, fordert Michael Wendel. Als Bewohner des Ochsenkopfs nutze er derzeit noch oft den Wieblinger Wehrsteg, doch der stehe nach dem Neubau der Brücke nicht mehr zur Verfügung. "Wir wollen den Bau der Brücke weder verzögern noch gar torpedieren", fügt Ulrike Künzer hinzu: "Auf die Stadt kommen aber noch viel mehr Kosten hinzu, wenn nach der Fertigstellung noch einmal umgebaut werden muss." Künzer hat auch gleich ein Beispiel parat, wo die Verkehrsplaner in der Vergangenheit die Belange der Fußgänger nicht angemessen berücksichtigt hätten: An der Kreuzung Friedrich-Ebert-Anlage und Sofienstraße. Die neue Radachse Adenauerplatz wurde so gestaltet, dass Radler, die von der Gaisbergstraße kommend nach links in die Kurfürsten-Anlage einbiegen wollten, sich mitten auf dem Gehweg aufstellen sollten, um auf ihre grüne Ampel zu warten. Unbefriedigend sei die Situation für Radler und Fußgänger auch an der Ostseite des Hauptbahnhofs, an der Ampel über die Lessingstraße. Die Arbeitsgruppen der IG Fuß arbeiten an ganz unterschiedlichen Themen. Mal geht es wie bei Holborn um Aktionen, dass zum Beispiel Kinder in Absprache mit der Stadt Straßen im verkehrsberuhigten Bereich bemalen dürfen, ein andermal werden bunte Kinderfiguren, die "Kleinen Heidelberger", aufgestellt, um Radler und Autofahrer darauf hinzuweisen, dass an dieser Stelle auch Kinder unterwegs sind. Ulrike Künzer hat in ihrer Gruppe dem Gehwegparken den Kampf angesagt. Neuerdings schreibt sie auch Fachaufsichtsbeschwerden an das Regierungspräsidium, wenn zum Beispiel wie in der Mittermaierstraße die Geh- und Radwege so schmal sind, dass sie rechtlich gar nicht mehr zulässig wären. Diese Beschwerde hatte zwar keinen Erfolg. Doch die IG Fuß lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Künzer: "Bis in der Ladenburger Straße das Gehwegparken unterbunden wurde, hat es auch anderthalb Jahre gedauert." Info: Wer bei der IG Fuß mitmachen möchte, kann sich per Mail an sie wenden: kontakt@igfuss-hd.de
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Buchtipp "50 x Heidelberg": Vom Homo Heidelbergensis bis Marie Marcks (Mon, 18 Jan 2021)
Von Sarah Hinney Heidelberg. Vor über 600.000 Jahren begann Heidelbergs Stadtgeschichte – genauer gesagt mit den ersten Menschen, die am Neckar Waldelefanten und Flusspferde jagten. Hier jedenfalls startet der Journalist und Autor Georg Patzer seine Zeitreise. "50 mal Heidelberg" lautet der Titel seines Buchs, das einen Bogen vom Homo Heidelbergensis bis hin zur Karikaturistin Marie Marcks spannt. In 50 rasanten, meist nur Doppelseitigen Kapiteln skizziert er Heidelberg zur Kelten- und Römerzeit, die erste Erwähnung des Schlosses im Jahr 1225, die Geschichte des Codex Manesse, die Teilung der Pfalz, den Dreißigjährigen Krieg, das Ende der Kurpfalz, die Revolution von 1848, den Ersten Weltkrieg und das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte – den Nationalsozialismus – um nur einige Stationen zu nennen. Überdies handeln viele Kapitel vor allem von Menschen. Patzer porträtiert Anna Blum und Mark Twain, er schreibt über die ersten Heidelberger Studentinnen, über Maria von Graimberg und Emil Julius Gumbel. Er widmet Alfred Mombert ebenso ein Kapitel wie Hanna Nagel und Hilde Domin und rückt all ihr Wirken in den historischen Kontext. "Dass ein Schwerpunkt des Buchs auf dem geistigen Leben liegt, ist Heidelbergs überragender Bedeutung auf dem Gebiet geschuldet", so Patzer. Wer so viel Geschichte auf 120 Seiten unterbringen möchte, der braucht nicht nur den Blick fürs Wesentliche, sondern auch das Talent, sich kurz zu fassen. Patzer kann beides. Sein kurzweiliger Schreibstil und die zahlreichen Fotos lassen die Geschichte – wenn auch knapp erzählt – lebendig werden. Viele Kapitel machen überdies neugierig. Genau das ist gewollt. "Vielleicht regt das Buch an, sich mit der Geschichte der Stadt noch tiefer zu beschäftigen", schreibt der Autor zum Abschluss seines Vorworts. Georg Patzer, geboren 1957, ist gelernter Buchhändler, studierte Geschichte und Literaturwissenschaft und hat schon zahlreiche Fach- und Sachbücher geschrieben. Als freier Journalist arbeitet er unter anderem für die Stuttgarter Zeitung, die Jüdische Allgemeine, die Taz und seit einigen Monaten auch für die RNZ. Die Liste seiner Veröffentlichungen ist lang – allein in der Reihe "50 mal ..." hat Patzer bereits zwei weitere Bücher geschrieben. Eins über Baden und eins über Württemberg. Ein persönliches Lieblingskapitel im Heidelberg-Buch hat er nicht, aber sein Herz schlägt besonders für die Kulturhistorie. "Ich denke da an Hölderlin, aber auch an die Sammlung Prinzhorn", sagt Patzer. Besondere Freude bereite ihm persönlich auch, wenn er bei seinen Recherchen auf Hinweise stoße, die zeigten, dass das Mittelalter gar nicht so arm und düster gewesen sei, wie es oft dargestellt würde. Auf Spurensuche begibt sich der Karlsruher in Stadt- und Landesarchiven und unterschiedlichen Bibliotheken. Für sein Heidelberg-Buch habe er etwa sechs Monate gebraucht. Unterstützung bekommt er bei seinen Buchprojekten auch von seiner Frau, die ebenfalls Journalistin ist. Patzer verrät: "Sie liest Korrektur und sie ist sehr streng." Info: "50 x Heidelberg – Eine spannende Zeitreise durch die Stadtgeschichte", Georg Patzer, ISBN: 978-3-8425-2162-9; Silberburg Verlag.
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Heidelberg: Studieren mit Grauem Star an der SRH (Mon, 18 Jan 2021)
Von Birgit Sommer Heidelberg. Sie ist gerade 19 Jahre alt, doch mit einem Teenager hat Jennifer Ottmar nicht viel gemein. Kaum jemand in ihrem Alter dürfte so reflektiert auf sein Leben schauen, so druckreif formulieren, was ihm wichtig ist. Aber auch: Kaum jemand ihrer Altersgenossen lebt mit ähnlichen Belastungen. Sie wurde mit dem Grauen Star geboren, was ihr – nach Linsenentfernung und mit Brille – eine Sehfähigkeit von nur 30 Prozent bescherte. Und sie, die sich um ihre an Multipler Sklerose (MS) erkrankte Mutter kümmert, hat möglicherweise die gleiche neurologische Autoimmunerkrankung. Die Symptome waren da im Frühjahr, jetzt wartet man auf einen neuen Schub. Wenn Jennifer Ottmar das so erzählt, zeigt sie natürlich kein strahlendes Lächeln. Die junge Frau aus Bad Rappenau ist eine von zwei Studienanfängern an der SRH-Hochschule in Heidelberg, die im Oktober das "Starthilfe"-Stipendium ergattert haben. Die 5000 Euro mindern jetzt ihre Studiengebühren. Denn die summieren sich, bis sie fertig ist. "Dann habe ich rund 30.000 Euro Schulden", rechnet sie aus. Doch das stört die Psychologie-Studentin nicht, sie hat sich bewusst für die private Hochschule entschieden: "Die SRH hat einen besonderen Bezug zu Menschen mit Behinderungen." Sie lobt das kompetenzorientierte Studium in kleinen Gruppen und weiß: "Wenn ich Probleme habe, kann ich mich an die Hochschule wenden. Ich kann nicht untergehen mit meinen Erkrankungen." Ein richtiges Studium vor Ort war es, bedingt durch die Corona-Pandemie, noch nicht. Es lief nur digital. Keine Rede auch von Psychologie, dafür Statistik, Forschungsmethoden und Neurowissenschaften. Letzteres hat sie mit ihrer Vorgeschichte natürlich besonders fasziniert. Neuropsychologie, sagt Jennifer Ottmar, das könne sie sich als Beruf vorstellen. Oder Psychologin auf einer Palliativ-Station. "Am Ende des Lebens sind viele allein, haben Schmerzen. Ich glaube, da kann ich das, was ich erlebt habe, in etwas Gutes umsetzen." Keine Angst vor dem Umgang mit dem Tod? "Mittlerweile nicht mehr", sagt die junge Frau, die ihren Opa im Krankenhaus in Mosbach sterben sah. Damals beschloss sie eigentlich, Medizin zu studieren, denn der Arzt in der Klinik habe ihren Großvater auf besondere Art und Weise – sehr empathisch – behandelt. "Ich wusste nicht, dass es solche Ärzte gibt. Ich hatte immer den Eindruck, dass Patienten für Ärzte nur eine wirtschaftliche Quelle sind." Das Ereignis prägte die Schülerin so, dass sie neben der Erlangung der Fachhochschulreife noch das Berufskolleg für Gesundheit und Pflege absolvieren wollte und jetzt ausgebildete Sozialassistentin ist. Doch das genügte ihr nicht. Ein Studium sei schon immer ihr persönlicher Anspruch gewesen, sagt sie: "Ich konnte mich immer auf meinen Kopf verlassen." Ein gutes Abitur ablegen, eine gute Ärztin werden – Jennifer Ottmar war darauf so fokussiert und arbeitete so intensiv daran, "dass ich vergessen habe, dass ich ein Mensch mit Bedürfnissen bin", wie sie heute weiß. Der seelischen Erschöpfung folgten plötzlich Schwindelanfälle. Und keine 24 Stunden nach dem allgemeinen Lockdown wegen der Corona-Pandemie im März zerbrach ihr Leben in tausend Stücke. Nach den ganzen Untersuchungen und der Familiengeschichte, der zufolge Mutter und Großmutter unter MS litten, vermuteten die Ärzte das auch bei ihr. Obwohl die Krankheit nicht erblich ist. Die Alternative bei den erlebten Gleichgewichtsstörungen wäre ein inaktiver Hirntumor. "Das habe ich sogar gehofft. Dann hätte ich die Chance, zu überleben", sagt Jennifer Ottmar ganz ernst, "aber eine chronische Krankheit ist ein endloser Kampf." Dass sie von vornherein mit einer Behinderung groß wurde, hat die Studentin geprägt. "Ich musste das Leben anders betrachten als die anderen", antwortet sie, wenn man ihre Sätze abgeklärt findet, und: "Ich war immer ein sehr reflektierter Mensch." Als Jennifer drei Monate alt war, stellte der Kinderarzt die Linsentrübung in den Augen fest. Die Eltern hatten schon nach der Geburt gefunden, dass ihr Baby nicht richtig guckt. Damals hieß es, dass die Linsen entfernt werden müssten. Schon als Baby hat ihr Gehirn also nicht richtig sehen gelernt. Für neue Linsen muss das Auge erst mal ausgewachsen sein. Als Hindernis will sie ihre Sehschwäche aber nicht mehr sehen: "Das Einzige, was mich stört, ist, dass ich nicht Auto fahren darf." Sie hat sich in ihren 19 Jahren intensiv mit ihrem Schicksal auseinandergesetzt, auch mithilfe einer Psychotherapie, und will nun allen zeigen: "Egal, welcher Schicksalsschlag, es geht zwar anders weiter, aber trotzdem ist das Leben nicht vorbei." Die junge Frau selbst beginnt ab Februar einen studentischen Hilfsjob im Krankenhaus in Sinsheim, wo sie Sitzwache bei Patienten halten wird. Sie joggt gerne und spielt Fußball und hat viel Spaß mit ihrem vier Jahre alten Neffen. Und dann sagt sie noch energisch: "Sobald sich Corona beruhigt, fange ich an zu leben und mache mir keine Gedanken mehr, was in zehn Jahren ist."
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Universität Heidelberg: So reagiert Rektor Eitel auf die Forderung nach weniger Autoverkehr (Mon, 18 Jan 2021)
Von Denis Schnur und Philipp Neumayr Heidelberg. 2020 gab es nicht nur Corona. Im zweiten Teil unseres Jahresinterviews (hier geht es zum ersten Teil) spricht Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg, über die Themen, die ihn im vergangenen Jahr auch beschäftigt haben – darunter die Fusion der Unikliniken und den Verkehr zum Campus. 2020 wurde beschlossen, dass die Unikliniken Heidelberg und Mannheim fusionieren sollen. Bereiten Sie sich darauf schon mit den Mannheimer Kollegen vor? Wir arbeiten an einer großen Health and Life Science Alliance im Raum Heidelberg-Mannheim. Kern sind zum einen die starken Lebenswissenschaften an der Uni Heidelberg im Verbund mit dem DKFZ, dem EMBL, dem MPI für Medizinische Forschung und dem ZI in Mannheim und zum anderen die beiden Universitätsklinika. Für diese lebenswissenschaftliche Allianz und für die Fusion brauchen wir die Unterstützung des Landes, und da sind die politischen Entscheidungsprozesse noch im Gange. Jetzt steuern wir allerdings wegen der Corona-Pandemie auf eine handfeste Wirtschaftskrise zu. Haben Sie keine Angst, dass die Politik da extrem sparsam mit finanzieller Unterstützung ist? Ich hoffe auf den gegenteiligen Effekt: Wenn wir in Baden-Württemberg eine Automobilindustrie haben, die vor einer schwierigen Transformation steht, ist die Notwendigkeit doch umso größer, in eine neue Leitindustrie zu investieren. Und dann ist es nur logisch, die immer wichtiger werdenden Lebenswissenschaften zu stärken – und zwar hier im Rhein-Neckar-Raum, wo wir eine herausragende Struktur anbieten, die über 100 Jahre gewachsen ist. Das hat die Landesregierung nun auch bestätigt, indem sie den Innovationscampus Lebenswissenschaften hier verortet hat. Wir haben als einzige Region in Deutschland neben Berlin und vielleicht noch München die Möglichkeit, international konkurrenzfähig zu sein. Ist man das als Gesundheitsstandort nicht ohnehin schon? Doch, wir haben eine exzellente Patientenversorgung, aber es geht ja nicht nur darum, die Lebenswissenschaft als Zulieferer für die Gesundheitswirtschaft und -industrie zu stärken. Das ist ein wichtiger Aspekt, aber das Potenzial geht weit darüber hinaus. Ich kann dieses Wissen nutzen für den Aufbau einer neuen Industrie, die auf neuen Technologien und auf neuen Materialien beruht – und da liegt die große Chance. Wir ersetzen jetzt schon immer mehr Metalle und Kunststoffe durch kohlenstoffbasierte Materialien, die kompostierbar und nicht toxisch sind. Dieser Prozess ist nicht aufzuhalten. Einige Beispiele: Daten lassen sich in DNA-ähnlichen Speichern viel länger speichern. Forschung an künstlichem Gewebe kann vielleicht irgendwann Hauttransplantationen ersetzen und zugleich neue Materialien entwickeln helfen. Molekulare Maschinen haben nicht nur eine Bedeutung für die Medizin, sondern auch für den Transfer in die Industrie. Das Lernen von der Natur wird unsere Welt stärker transformieren, als es sich viele heute vorstellen können. Ein Prozess, der dagegen ins Stocken geraten ist, ist der Masterplan-Prozess Neuenheimer Feld. Sind Sie überzeugt, dass man da bald zu einem Ergebnis kommt? Ich bin und bleibe optimistisch, darum beteiligt sich die Universität nach wie vor intensiv an allen Verfahrensschritten. Hoffen wir, dass das Ergebnis für die Zukunft des Wissenschaftsstandorts und damit auch für die Zukunft der Stadt ein Gutes sein wird. Ein wichtiger Streitpunkt ist der Verkehr. Was wäre Ihr Vorschlag, um den Campus besser anzubinden? Für uns ist entscheidend, dass der Campus Campus bleibt. Sein Charakter darf durch Verkehr und Verdichtung nicht infrage gestellt werden. Deshalb muss er zwar von außen angebunden werden, aber nicht im Inneren erschlossen. Wird das berücksichtigt, kann man sich vieles vorstellen. "Vieles" heißt auch eine Seilbahn? Da müsste man erst einige Fragen klären. Etwa, wie man in der Rush Hour 20.000 Leute von A nach B zu ihren Autos bringen kann. Wo parken die? Wie bringen Sie die Menschen mit Fahrrädern in den x-ten Stock? Ich kann mir das vorstellen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es funktionstüchtig und zweckmäßig wäre. Deshalb habe ich da meine Bedenken. Jedes Verkehrsmittel bringt eigene Probleme mit. Aber aktuell bereitet doch das Auto die meisten Sorgen. Die Patienten müssen mit dem Auto in die Klinik fahren können – genau wie die Masse der Besucherströme. Das wird sich kaum ändern lassen. Die Stadtbevölkerung muss verstehen, dass zentralörtliche Funktionen auch Aufgaben und Verantwortung für die Pendler und die Besucher aus dem Umland und weit darüber hinaus mit sich bringen. Aber wenn man es schafft, dass ein Teil der Autofahrer umsteigt, kommt das auch denen zugute, die auf das Auto angewiesen sind. Natürlich bin ich auch dafür, dass weniger Menschen mit dem Auto kommen. Die Frage ist, wie man das angeht. Ist die oberste Priorität die Verbannung des Autos? Oder wollen wir klimaneutrale Transportmittel? Zunächst ist sicherzustellen, dass die Kliniken und Forschungseinrichtungen arbeiten können, Patienten, Besucher und Mitarbeiter zu ihrem Ziel kommen. Und wenn das geklärt ist, schaut man, dass man den Autoverkehr reduziert. Solange die Funktionsfähigkeit des Campus Priorität hat, kann man über alles reden. Viele Beteiligte am Prozess sehen weniger Verkehr als oberste Priorität. Das ist eine typisch urbane Diskussion. Die Städter verlangen von denen, die kommen, dass sie den Nahverkehr nutzen. Die Heidelberger nutzen am Wochenende aber ihr Auto, um in den Odenwald zu fahren. Dann müssten sie dafür in Zukunft bitte auch das Fahrrad oder die S-Bahn nehmen und sehen, wie eingeschränkt sie sind. Im Dezember hatten Studierende, die der FDP nahestehen, die Uni kritisiert, weil sie mit dem Konfuzius-Institut zusammenarbeitet. Können Sie die Kritik nachvollziehen? Ich kann nachvollziehen, dass man gegenüber einer Staatsform wie der chinesischen sehr kritisch ist. Was das Konfuzius-Institut in Heidelberg betrifft, muss man sich aber an die Fakten halten. Erstens: Das Institut ist ein eingetragener Verein, kein Institut der Universität. Zweitens: Mir ist kein Fall bekannt, in dem Einfluss durch die chinesische Regierung oder die Kommunistische Partei Chinas auf die Arbeit des Vereins genommen wurde. In seiner Satzung wird explizit aufgeführt, dass der Verein bei der Realisierung seiner Zwecke die Freiheit von Forschung, Lehre, Kunst und Kultur wahrt. In Hamburg kam es offenbar zu solchen Übergriffen und dort hat die Uni Konsequenzen gezogen. Das betrifft uns ja in Heidelberg nicht. Wir dürfen da nicht alles über einen Kamm scheren. Wir haben hier überhaupt keinen Anlass, die Kooperation infrage zu stellen. Aber die Institute werden aus China gesteuert, das immer autoritärer auftritt. Es stimmt, dass China mit den Instituten seine Kulturpolitik verfolgt. Natürlich hinkt der Vergleich, aber das Anliegen der deutschen Goethe-Institute ist doch ähnlich: Wir wollen im Ausland neben unserem Wirtschaftssystem und unserer funktionierenden Demokratie über die deutsche Kultur und Sprache informieren. Da sagt auch niemand, das sei Kolonialismus. Wir müssen realisieren, dass wir uns in einem Wettbewerb der Systeme befinden. Sie stehen weiter zu der Kooperation? Ja, denn ich halte es für ungeheuer problematisch, den Kontakt zu einem der wichtigsten Player der Welt einzustellen. Natürlich muss man sich kritisch mit China auseinandersetzen. Aber genau dafür bieten ja die Konfuzius-Institute auch ein Forum. Wagen wir zum Schluss einen optimistischen Ausblick. Was machen Sie, wenn die Corona-Pandemie endlich vorbei ist? Dann freue ich mich darauf, in einem guten Restaurant schön essen zu gehen mit meiner Frau und ein paar Freunden – und mindestens ein Glas Wein oder ein Bier mehr zu trinken, als ich ursprünglich vorhatte.
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Heidelberg: Corona-Ausbruch im Augustinum (Sun, 17 Jan 2021)
Heidelberg. (dns) In der Augustinum Seniorenresidenz im Emmertsgrund ist es in der vergangenen Woche zu einem größeren Corona-Ausbruch gekommen. Wie die Pressestelle des Sozialunternehmens gegenüber der RNZ bestätigt, sind derzeit zehn Bewohner sowie elf Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. Während die Bewohner in ihren Zimmern betreut werden, bleiben die Angestellten bis zur ärztlichen Freigabe zuhause. Eine Bewohnerin der Einrichtung ist zudem in der vergangenen Woche verstorben. Das Augustinum ist keine Einrichtung der stationären Pflege, sondern des betreuten Wohnens. Die rund 320 Bewohner mieten sich dort eine Wohnung, im Haus befindet sich ein ambulanter Pflegedienst. Deshalb gelten für die Bewohner und Mitarbeiter auch andere Regeln als etwa für Pflege- und Seniorenheime. Zwar würden die Angestellten ebenso regelmäßig getestet wie dort. Einen Impftermin im Haus gibt es jedoch noch nicht. "Einrichtungen des betreuten Wohnens werden in Baden-Württemberg in der ersten Phase der Corona-Impfungen durch die Gesundheitsbehörden leider noch nicht berücksichtigt", erklärt der Pressesprecher. Das Augustinum stehe aber im Kontakt mit den Behörden, um baldmöglichst Impftermine im Haus anzubieten. Bewohner, die sich selbst online im Impfzentrum registrieren, unterstütze man auf Wunsch bei der Anmeldung zur individuellen Impfung.
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Literatur: Bernhard Schlink und Ingrid Noll bringen neue Bücher heraus (Sat, 16 Jan 2021)
Von Heribert Vogt Heidelberg. Mitten in unseren turbulenten Zeiten veröffentlichen zwei literarische Topstars der Region, der engstens mit Heidelberg verbundene Bernhard Schlink und die Weinheimer "Krimi-Queen" Ingrid Noll, in Kürze neue Bücher. Beide Titel erscheinen im Züricher Diogenes Verlag und führen ihrerseits in chaotische bis gefährliche Umstände. Dabei bietet Schlink, Autor des Weltbestsellers "Der Vorleser", eine wesentlich ernstere Situation als Noll, die offenbar einen stärker unterhaltenden Plot wählt. Schlinks Werk "20. Juli. Ein Zeitstück" könnte aktueller und beklemmender kaum sein – auch im Hinblick auf die derzeit dramatische politische Lage rund um die US-amerikanische Präsidentschaft. Denn es geht um den bedrohlichen Aufstieg eines charismatischen Politikers. Bernhard Schlink wirft mit seinem neuen Buch, das am 28. April erscheinen soll, fundamentale Fragen auf. Es geht um den letzten Schultag von Abiturienten, der auf den 20. Juli fällt. Am Tag zuvor hat die rechtsradikale Partei "Deutsche Aktion" mit einem charismatischen jungen Führer bei der Landtagswahl 37 Prozent der Stimmen bekommen. Im Leistungskurs Geschichte entbrennt unter den Schulabsolventen und dem Lehrer eine hitzige Diskussion darüber, ob das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 viel zu spät kam. Hätte es nicht schon am 20. Juli 1931 stattfinden müssen? Und was ist die richtige Entscheidung: zu warten oder einzugreifen? Wie weit soll man gehen, wenn erneut ein unheilvoller Politiker aufsteigt? Die Abiturienten wollen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. In das ganz alltägliche Chaos führt dagegen Ingrid Nolls neuer Roman "Kein Feuer kann brennen so heiß", der am 24. Februar erscheint. Eine Schönheit ist die dreißigjährige Lorina nicht. Und sie hat sich deshalb für den Beruf der Altenpflegerin entschieden, in dem es weniger auf Äußerlichkeiten ankommt. Ihre Anstellung bei der wohlhabenden pflegebedürftigen Frau Alsfelder entpuppt sich dann nicht nur finanziell als Glücksfall. Denn die Pflegerin lebt fortan in einer interessanten WG. Es gehen dort Masseure ein und aus, deren Hände nicht nur heilen, sondern auch erotisieren. Ein Harlekinpudel sorgt für Trubel, und als Lorinas ungewollt schwangere Schwester ausgerechnet in der Villa Alsfeld niederkommt, ihr Baby jedoch asiatisch aussieht, ist das Durcheinander perfekt. Während die alte Dame allerdings zusehends aufblüht. Aber da ist noch der misstrauische Großneffe Christian – ein Erbschleicher? Info: Bernhard Schlink: "20. Juli. Ein Zeitstück". Diogenes, Zürich. Erscheinungstermin: 28. April. 96 S., 16 Euro. – Ingrid Noll: "Kein Feuer kann brennen so heiß". Erscheinungstermin: 24. Februar. 304 S., 24 Euro.
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HeidelbergCement: Aktivisten verleihen Negativpreis vor Firmenzentrale (Sat, 16 Jan 2021)
Von Joris Ufer Heidelberg. Im Rahmen einer Protestaktion vor der Firmenzentrale von HeidelbergCement stellte das Bündnis "CemEND" am Freitagnachmittag eine zwei Meter große Silbermedaille aus Pappmaschee auf. Eine große "2" stand drauf. Damit wollten die Aktivisten darauf aufmerksam machen, dass HeidelbergCement nach RWE das Unternehmen mit dem zweithöchsten CO2-Ausstoß in Deutschland ist. Auch Menschen- und Völkerrechtsverletzungen werfen sie dem Konzern im Zuge dessen vor. Etwa 100 Demonstranten sammelten sich gegen 14 Uhr auf einer Wiese gegenüber der HeidelbergCement-Zentrale in der Berliner Straße. Mitten darauf bauten die Aktivisten die übergroße Medaille auf und rollten einen roten Teppich aus, um die Optik einer Preisverleihung nachzuahmen. Auf beiden Seiten standen Musiker der Gruppe "Lebenslaute" mit ihren Instrumenten aufgereiht und begleiteten die Veranstaltung mit Protestliedern. Erst kürzlich hat sich das Bündnis "CemEND" aus einem Zusammenschluss mehrerer Organisationen gegründet – darunter lokale Vertreter der Umweltschutzgruppen "Fridays for Future", "Greenpeace" und "Extinction Rebellion". Die Organisation richtet sich speziell gegen HeidelbergCement und fordert einerseits eine positive Klimabilanz bis 2035 und andererseits die konsequente Einhaltung von Menschenrechten. Das Unternehmen unterhält mehrere Tochterfirmen – etwa in Indonesien, der Westsahara und in dem von Israel besetzten Westjordanland. Schon in der Vergangenheit wurden in diesem Kontext Vorwürfe über die Ausbeutung einheimischer Bevölkerungsgruppen und die Zerstörung der Umwelt laut. "So kann es nicht weitergehen", betonte der Sprecher des Bündnisses, Nils Urbanus, in einer Rede. Mit 70 Millionen Tonnen pro Jahr stoße der Konzern mehr CO2 aus als viele Länder – etwa Portugal oder Norwegen. Im Gespräch mit der RNZ erklärte er, HeidelbergCement nutze als großen Werbespruch "Echt.Stark.Grün.", obwohl das in Anbetracht der hohen Emissionen klar gelogen sei. "Wir dachten uns, dass wir diese Zerstörung darstellen müssen und überreichen dem Konzern deshalb eine Medaille für den zweithöchsten CO2-Ausstoß Deutschlands", so Urbanus. Dem Unternehmen hätten sie sowohl ihre Forderungen als auch eine Einladung zu der Preisverleihung zukommen lassen. Beides sei bisher jedoch unbeantwortet geblieben. Auf Anfrage der RNZ erklärte Elke Schönig, Sprecherin des Unternehmens: "HeidelbergCement hält sich an nationales und internationales Recht, setzt internationale Arbeitsnormen um und respektiert die Menschenrechte. Wir tragen Sorge, dass die lokale Bevölkerung an all unseren Standorten weitestgehend in die Geschäftsaktivität einbezogen wird." Zudem setze man Standards zu Arbeits- und Umweltschutz rigoros um und weise die Anschuldigungen als unbegründet zurück: "Bis 2019 haben wir bereits eine Minderung unserer spezifischen CO2-Emissionen pro Tonne zementhaltigem Material um 22 Prozent im Vergleich zu 1990 erreicht." Zudem habe man das Ziel einer Reduktion der Emissionen um 30 Prozent von 2030 auf 2025 vorverlegt und strebe bis 2050 an, CO2-neutralen Beton anzubieten. Gegen 15 Uhr wurde der Negativpreis nach mehreren Reden und Liedern schließlich symbolisch verliehen. Unter lautem Klatschen und Buhrufen drehten die Aktivisten die übergroße Medaille um. Den zweiten Platz unter den deutschen Klimakillern habe sich der Konzern wahrlich verdient, stand auf der Rückseite.
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Universität Heidelberg: So könnte Corona den Lehrbetrieb verändern (Sat, 16 Jan 2021)
Von Philipp Neumayr und Denis Schnur Heidelberg. In der Alten Universität in der Altstadt brennt noch Licht. Rektor Bernhard Eitel empfängt in der "Bel Etage". Er trägt eine weiße FFP2-Maske, seinen Humor hat er nicht verloren. Auf die Frage, wie viel Freizeit er aktuell habe, sagt er "genauso wenig wie zuvor" und lacht. Ein Interview über einen Universitätsbetrieb auf Abstand und über die Rolle der Wissenschaft in Zeiten der Pandemie. Herr Eitel, während an den Schulen nach wie vor vieles hakt, hat die Universität ihren Lehrbetrieb fast geräuschlos auf digital umgestellt. Waren Sie besser vorbereitet oder täuscht der Eindruck? Die Umstellung auf den digitalen Lehrbetrieb war vielleicht geräuschloser als an den Schulen, aber so leicht ist es uns auch nicht von der Hand gegangen. Es waren erhebliche Anstrengungen erforderlich, was die allgemeine Infrastruktur angeht, aber auch hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen. Und es war vor allem eine große Herausforderung für alle Lehrenden, ihre Veranstaltungen in kurzer Zeit auf digitale Formate umzustellen. Auch für die Studierenden war das nicht leicht. Aber wir hatten den Vorteil, es mit erwachsenen Menschen zu tun zu haben, die sich in vielen technischen Fragen gut auskennen. Die Startbedingungen waren für uns also andere als im Schulsystem. In den vergangenen Monaten wurde auch in den Unis vieles möglich, was lange als unmöglich galt. Gehört die analoge Lehre der Vergangenheit an? Diejenigen, die früher für die komplette Digitalisierung des Universitätsbetriebs waren, sehen jetzt deren Grenzen. Und diejenigen, die die Digitalisierung immer abgelehnt haben, sehen jetzt deren Chancen. Da nähert man sich also an, und das ist eine gute Konsequenz aus den bisherigen Erfahrungen. Wir haben jedoch eindeutige Belege dafür, dass die Mehrzahl der Lehrenden und Studierenden in die Präsenz zurück will. Universität ist eben nicht digital. Sie lebt vom Zwischenmenschlichen, vom Lernen mit- und voneinander. Und Studium ist eine Lebensform, nicht nur eine Lernform. Zwei Drittel unserer Studierenden kommen von weit her, und diese jungen Menschen wollen in Heidelberg studieren im Sinne von "Lebensabschnitt gestalten". Die Zeit zwischen 18 und 28 Jahren ist eine Kernphase des Lebens. Da baut man professionelle Netzwerke auf, lernt Freunde und Partner fürs Leben kennen. Zumindest manche Veranstaltungen finden nach wie vor in Präsenz statt. Einige Studierende haben das aufgrund der Infektionsgefahr kritisiert. Warum besteht die Universität auf diese Zusammenkünfte? Es gibt Lehrveranstaltungen und Studienanteile, die können nur in Präsenz stattfinden. Das betrifft etwa die Arbeit im Labor, aber auch viele Prüfungen. Diese Veranstaltungen unterliegen einem strikten Hygienekonzept. Zu den Regeln zählen das Einhalten des Mindestabstands, das Tragen von Masken und die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln. Zudem müssen Studierende eidesstattliche Versicherungen ablegen, dass sie symptomfrei sind, und ihnen werden vorab Plätze zugewiesen. Das heißt aber nicht, dass es in der Uni nicht zu Infektionen kam, oder? Bei 30.000 Studierenden, 8.000 Doktoranden und tausenden Beschäftigten gibt es natürlich auch positiv Getestete. Aber grundsätzlich können wir sagen, dass von der Universität keine größeren Infektionen ausgegangen sind. Das ist ein Zeichen, dass unser Hygienekonzept sehr gut funktioniert. Dieses umfangreiche Konzept hatten wir schon vor Start des Wintersemesters entwickelt und beschlossen – und durften es dann nicht einsetzen. Sie zeigten sich damals – Zitat – "fassungslos", als das Land kurz vor Beginn des Vorlesungsstarts Präsenzveranstaltungen verbot. Dass man zum damaligen Zeitpunkt aufgrund der Infektionsentwicklung die Schraube anziehen musste, ist klar. Was mich aber vor den Kopf gestoßen hat, war, dass Ihre Kollegin bei mir zum Interview im Büro saß, als mir die Pressemitteilung zu der entsprechenden Corona-Verordnung des Landes hereingereicht wurde. Und Ihre Kollegin sagte mir, dass diese der Redaktion schon vorliege. Da habe ich mir gedacht: Wo sind wir eigentlich, wenn die Presse vor uns erfährt, wie wir unseren Betrieb zu organisieren haben? Hinzu kommt, dass es der denkbar ungünstigste Zeitpunkt war. Inwiefern? Wir haben von dem Verbot der Präsenzlehre am Freitag, 29. Oktober, erfahren. Dieses Verbot galt ab dem darauffolgenden Montag, 2. November. Dabei wusste jeder: Am 2. November war Studienstart und die Erstsemester stehen vor der Tür. Man hätte sagen können: Der generelle Lehrbetrieb findet digital statt, aber für die Gruppe der Erstsemester gibt es eine Übergangszeit von wenigen Tagen. Das hätte an der pandemischen Entwicklung kaum etwas geändert. Die Erstsemester hätten jedoch die Möglichkeit gehabt, sich persönlich zu sehen und Kontakte auszutauschen. Dass man diese spezielle Situation eines Semesterstarts in einem Lockdown in keiner Weise berücksichtigt hat, war enttäuschend. Hat sich die Kommunikation mit dem Land mittlerweile verbessert? Ja, sehr, und dafür sind wir auch dankbar. Die Verordnungen über neue Beschlüsse werden zwar zwangsläufig immer noch sehr kurzfristig verabschiedet, aber wir werden inzwischen von der Rechtsabteilung des Wissenschaftsministeriums vorinformiert. Das ist zwar dann noch nicht die endgültige Corona-Verordnung, aber wir wissen zu 99 Prozent, was uns erwartet. Die Arbeit von Wissenschaftlern ist durch die Pandemie stärker ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Welche Bedeutung haben Universität und Wissenschaft in einer Krise wie dieser? Die Wahrnehmung mag eine andere sein, inhaltlich hat sich meiner Meinung nach nichts geändert. Die Entwicklung jeder Gesellschaft fußt auf der Kraft von Einrichtungen wie den Universitäten, die Wissen generieren. Das sehen offensichtlich nicht alle so. Die Skepsis gegenüber der Wissenschaft scheint in Teilen der Bevölkerung groß, Fakten werden mitunter nicht mehr anerkannt. Woran liegt das? Ich sehe eigentlich genau den gegenteiligen Effekt. Wir hatten noch vor eineinhalb Jahren die "Marches of Science", bei denen Menschen auf die Straße gegangen sind und für die Bedeutung von Wissenschaft demonstriert haben. Heute können Sie keine Fernsehsendung mehr schauen, ohne dass Sie einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin zu Gesicht bekommen. Natürlich gibt es die Ignoranten und Verschwörungstheoretiker, die gab es aber schon immer. Ich sehe eher die Gefahr, dass sich auch viele vermeintliche Experten und Expertinnen zu Themen äußern, für die ihre fachliche Kompetenz eigentlich nicht ausreicht. Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt bei der Sache. Nämlich? Wir dürfen nicht dazu übergehen, dass sich szientokratische Strukturen entwickeln. Wissenschaft strebt danach, Wissen und Erkenntnis zu produzieren, auf deren Grundlage die Politik abwägende Entscheidungen trifft. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, aus der jeweiligen Perspektive heraus eine Empfehlung abzugeben. Aber letztlich muss politisch entschieden werden. Wissenschaft darf niemals regieren. Das muss man den Menschen gegenüber so auch kommunizieren und vertreten. Wissenschaft darf nicht zum Alibi für Politik werden. Wie verändert Corona die Universität? Eine Universität entwickelt sich immer in ihrem jeweiligen Kontext. Und deshalb wird auch die aktuelle Zeit ihre Spuren im historischen Gedächtnis der Universität hinterlassen. Ich bin mir aber sicher, dass der jetzige Zustand nicht von Dauer sein wird und sein kann. Von welchen durch die Pandemie bedingten Veränderungen würden Sie sich wünschen, dass sie auch danach bleiben? Ich gehe davon aus, dass es in der Lehre künftig mehr digitale Elemente geben wird, dass also bestimmte Inhalte digital vermittelt werden, aber darüber dann in Präsenz, etwa in Kolloquien, gesprochen wird. Wünschenswert wäre, dass das Dialogische, das die Universität früher viel mehr geprägt hat als in den vergangenen Jahrzehnten, somit trotz zunehmender Digitalisierung wieder eine größere Rolle spielen kann. Wie lange hält es die Universität noch aus, ein Ort ohne Menschen zu sein? Wir sind ja kein Ort ohne Menschen. Der Forschungsbetrieb läuft, genau wie die Verwaltung und die Serviceeinrichtungen. Ich denke aber, dass die Konsequenzen einer ausschließlich digitalen Lehre mit zunehmender Zeit tiefgreifender würden. Junge Menschen müssen eigene Erfahrungen machen, auch im Ausland. Das ist auch für die kosmopolitische Orientierung einer Gesellschaft enorm wichtig. Sie müssen sich kennenlernen und Kontakte knüpfen, um gemeinsame Ideen und Kreativität zu entwickeln. Vieles davon bleibt aktuell auf der Strecke. Daher ist es so wichtig, dass wir so rasch wie möglich wieder zu persönlichem Austausch und gelebtem Miteinander kommen können. Info: Was Rektor Bernhard Eitel zur Fusion der Unikliniken Heidelberg und Mannheim sowie zum "Masterplan" sagt, lesen Sie nächste Woche in der RNZ.
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Faszination Helfen: Was die Freiwilligen des THW antreibt (Sat, 16 Jan 2021)
Von Maria Stumpf Heidelberg. "Die Feuerwehr ist bei den Einsätzen der Sprinter, wir sind die Langstreckenläufer" – so umschreibt Ortsbeauftragter Peter Schollmeier die Arbeit des Technischen Hilfswerks (THW). Seine ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer hatten im vergangenen Jahr zwölf Einsätze im Rhein-Neckar-Kreis. Die Hilfe beim Aufbau des Impfzentrums gehörte genauso dazu wie die Sicherung des Bürgerfests oder die Suche von vermissten Personen. Das THW wurde aber durch Corona vor weitere Herausforderungen gestellt. "Unser Einsatzbereich ist groß und spannend", erklärt Schollmeier, der im vergangenen Jahr bereits zum dritten Mal in Folge zum Ortsverbandsvorsitzenden gewählt wurde. Die Schwerpunktbereiche heißen "Wasserschaden/Pumpen", "Ortung" (technisch und mit Rettungshunden) und seit Sommer 2020 "Fachgruppe für unbemannte Luftfahrzeuge" (Drohnen). Das neue Gerät kann bei Personensuchen nicht nur Bilder machen, sondern auch Luftproben nehmen. "Unsere Leute sind Allrounder, spezialisieren sich aber meist nach der Grundausbildung", fügt Michael Freiberg hinzu, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Aktuell waren wir beim Aufbau des Impfzentrums in Patrick-Henry-Village dabei", so Freiberg. Ein Mitglied war über Weihnachten/Neujahr beim Auslandseinsatz in Bosnien beim Aufbau eines Flüchtlingscamps. Neben den bereits genannten Einsätzen leistete das THW in der Region auch Hilfe mit Gerüstsystemen bei Dachstuhleinstürzen oder Sturmschäden. Zu den Dienststunden kommen die Ausbildungskurse hinzu. "Hier haben wir zeitnah auch auf Online-Kurse umstellen können", ist Freiberg stolz. Die Struktur des THW gilt als ziemlich einmalig in der Welt: Es wird nur auf Aufforderung von Behörden aktiv und gehört mit seinen bundesweit knapp 80.000 ehrenamtlich Engagierten und rund 2000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums. "Spaß an Technik und Freude am Helfen?" – mit diesem Slogan wird bundesweit um Mitglieder geworben und in der Studentenstadt Heidelberg ist das THW damit sehr erfolgreich. Rund 180 Helferinnen und Helfer hat der Ortsverband, der Frauenanteil liegt bei rund 20, der Mädchenanteil bei zwölf Prozent. "Das sind gute Zahlen", freuen sich Schollmeier und Freiberg. "Es ist die Faszination des Helfens. Das Thema Ehrenamt schlummert doch irgendwie in jedem von uns." Die Heidelberger waren gar Trendsetter in Baden-Württemberg, weil sie nicht nur Jugendliche im Fokus haben, sondern vor neun Jahren auch eine Abteilung für Sechs- bis Zehnjährige gründeten. Heute zählen die "Minis" zum festen Bestandteil. "Nachwuchsprobleme haben wir nicht", sagt Schollmeier. Gerade bereiten sich 23 neue Anwärterinnen und Anwärter auf ihre Prüfung für die Grundausbildung vor, fünf Helferinnen und Helfer haben sie schon bestanden. Mit Blick in die Zukunft steht noch eine Herausforderung an. Am Standort im Wieblinger Gewerbegebiet wird es zu eng: Das Gebäude ist Baujahr 1972, veraltet und zu klein, die Garagenhallen sind nicht groß genug, sodass die drei neuen Einsatzfahrzeuge, die das THW im letzten Jahr bekam, nicht durch die Tore passen. Das Gelände gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Ein geplanter Neubau zieht sich seit Jahren hin. "Eigentlich sollten wir seit einem Jahr umgezogen sein", seufzen die Männer. "Die Planung steht und die Mittel sind seit 2017 da", so Schollmeier. Die Alternative scheint nun endlich gefunden: Wohl ab Ende 2021 werden Container auf dem Airfield für das THW aufgestellt, das alte Gebäude in Wieblingen wird abgerissen und dort dann ein Neubau aufgebaut. Wirklich begeistert ist Schollmeier nicht. Er kämpft schließlich schon seit seinem Amtsantritt vor nun bald zehn Jahren für ein neues Gebäude.
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