Heidelberg

"Gehobenes Deutsch Sprechen": Heidelberger Medizinstudent hat zwei Apps entwickelt (Di, 18 Jun 2019)
Von Katharina Kausche Heidelberg. Die passende App für ihn gab es nicht. Vincent Landré entwarf sie also einfach selbst. Der 24-jährige Medizinstudent hat kürzlich die kostenlose App "Gehobenes Deutsch Sprechen" rausgebracht. Schon im März hatte er die App "International Medical Communication" und das passende Buch dazu ("Medizinischer Sprachführer") veröffentlicht. Wie Medizinstudium und Programmieren zusammenpassen, erzählt Landré im RNZ-Gespräch. Herr Landré, gebrauchen Sie Wörter wie "klandestin" (geheim) und "splendid" (kostbar) im Alltag? Ich muss zugeben, dass manche Wörter ein bisschen komisch sind. "Klandestin" oder "splendid" werfe ich nicht einfach ins Gespräch ein. Oder "kafkaesk", also unheimlich im Stil Kafkas, ist auch so ein Wort, über das ich gestolpert bin und erstmal schmunzeln musste. Ich will mich ja auch nicht lächerlich machen. Es gibt auch ein paar medizinische Fachbegriffe in der App und die benutze ich auch im Alltag. Zum Beispiel "pathologisch" oder "elaboriert". "Das tangiert mich nur peripher" wird eher als Scherz im Gespräch gebraucht. In diese Richtung gehen die Wörter in Ihrer App. Sollten wir das gehobene Deutsch wieder in unseren alltäglichen Sprachgebrauch aufnehmen? Es wäre schön, wenn wir Wörter, die in Vergessenheit geraten sind, mehr benutzen würden. Das würde sicher auch manche Gespräche noch unterhaltsamer machen. Ein bisschen mehr Variation kann nicht schaden. Aber natürlich nur soweit, dass man sich noch unterhalten kann. Es ist ja nicht der Sinn von Sprache, dass einen der Gesprächspartner nicht versteht. Ein Medizinstudent, der als Hobby programmiert. Wie kam es dazu? Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, mich mit Computern und dem Programmieren zu beschäftigen. Ich habe eine Programmiersprache gelernt und Internetseiten erstellt. Damit konnte ich mir neben der Schule etwas dazu verdienen. Auf die Apps bin ich gekommen, weil ich nach genau solchen gesucht habe. Ich wollte die Kommunikation im Krankenhaus verbessern und meinen Wortschatz erweitern. Deshalb habe ich sie selber entworfen. Das Studium ist ja ziemlich vorgeplant, aber beim Programmieren kann ich meine Kreativität ausleben. Beide Apps haben etwas mit Kommunikation zu tun - die eine im Krankenhaus, die andere im Alltag. Das scheint ein wichtiges Thema für Sie zu sein. Ein großer Teil im Medizinstudium ist eben die Kommunikation mit diversen Menschen - Ärzten, Patienten oder Angehörigen. Ich finde gute Kommunikation insgesamt sehr wichtig, da sie maßgeblich das zwischenmenschliche Zusammensein bestimmt und ausmacht. Und da läuft auch mal was schief … Ich habe in Krankenhäusern gemerkt, dass es zwischen Personal und ausländischen Patienten oft zu Kommunikationsschwierigkeiten kommt. In meiner App kann man zwischen sieben Sprachen wählen und die wichtigsten Fragen und Aussagen der Medizin übersetzen lassen. Sätze wie "Haben Sie Allergien?" oder "Haben Sie keine Angst" kann man sich zum Beispiel auf Russisch, Portugiesisch oder Französisch anzeigen und aussprechen lassen. Haben Sie schon Feedback bekommen? Die "International Medical Communication"-App hat jetzt 60 Nutzer, darunter auch einige Mitarbeiter der Universitätsklinik Heidelberg. Bisher gab es viele gute Rückmeldungen über den "Google Playstore" oder persönlich. Ein befreundeter Deutschlehrer hat die "Gehobenes Deutsch Sprechen"-App auch seinen Schülern empfohlen. Die hat jetzt ungefähr 20 Nutzer. Ich freue mich auch immer über Hinweise auf Übersetzungsfehler oder Verbesserungsvorschläge. Meine Apps sind ja nicht perfekt. Gibt es Pläne für weitere Apps? Nach Medizin und Linguistik soll es bei der nächsten App um Finanzen gehen. Das ist ein weiteres Thema, das mich sehr interessiert. Es geht um einen Zins- und Sparrechner. Die App soll helfen, Investments planen zu können. Sie wird in nächster Zeit erscheinen.
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Projekt "Pastoral 2030": Bildet Heidelberg wieder eine eigene Pfarrei? (Tue, 18 Jun 2019)
Von Birgit Sommer Heidelberg. Die katholische Kirche teilt ihre Pfarreien neu ein, "Pastoral 2030" nennt sich das Projekt. Bis Ende 2020 soll das Konzept stehen, bis 2025 will die Erzdiözese Freiburg aus den bisherigen 1057 Pfarreien etwa 40 neu geformt haben. Die Gründe für die Strukturreform: die sinkende Zahl der Katholiken, der Priestermangel und die finanzielle Entwicklung. Finanzstarke Kirchenmitglieder werden bald in Ruhestand gehen und dann nur noch Kirchensteuer zahlen, wenn sie über genug Einkünfte verfügen. Heidelberg - das sind fast 40.000 Katholiken - könnte dann wieder eine einzige, eigene Pfarrei bilden, ebenso der Raum Weinheim mit fast 30.000 Kirchenmitgliedern. Mannheim sowieso, da entspräche das jetzige Dekanat genau der neuen Pfarrei. Es gibt aber auch andere Vorschläge oder Wünsche. So möchte die Kirchengemeinde Steinachtal St. Hildegund mit ihren 3000 Katholiken gerne zu Heidelberg gehören, weil die Ortschaften sowieso über Ziegelhausen angefahren werden. Auch die Neckargemünder sehen mehr Bezüge zu Heidelberg als zum Kraichgau. Leimener Katholiken könnten sich den Anschluss an Heidelberg ebenfalls vorstellen. Das alles wird nun diskutiert. Wenn sich die kirchlichen Strukturen nach den Landkreisen richten sollten - auch das ist eine Überlegung -, sieht die Aufteilung so aus: Neue Pfarreien wären Mannheim, Heidelberg und drei weitere im Rhein-Neckar-Kreis, nämlich "Kurpfalz Süd" mit Brühl-Ketsch, Schwetzingen, Hockenheim, Walldorf, St. Leon-Rot, Leimen-Nußloch-Sandhausen, Wiesloch-Dielheim, Letzenberg und Eppelheim; dazu "Rhein-Neckar Nord" mit Schriesheim-Dossenheim, Steinachtal, Weinheim-Hirschberg, Hemsbach, Ladenburg-Heddesheim, Ilvesheim, Edingen-Neckarhausen und Seckenheim sowie die Pfarrei "Kraichgau" mit Neckar-Elsenz, Waibstadt, Sinsheim-Angelbachtal, Bad Rappenau-Obergimpern (ohne Eppingen), Schönbrunn und Eberbach. "Bis ins Jahr 2008 gab es 39 Dekanate in der Erzdiözese", sagt Heidelbergs Dekan Joachim Dauer, "das waren funktionierende organisatorische Größen." Die Überlegungen gingen dahin, genau diese Strukturen wieder aufzugreifen. Dekane allerdings, so vermutet Dauer, gibt es dann nicht mehr. Dafür arbeiten wohl Pfarrer als Chefs der Verwaltungen und jeweils einige Priester in den einzelnen Kirchengemeinden. Das Dekanat Heidelberg-Weinheim hatte die Entwicklung schon 2015 vorausgenommen, als die Katholiken aus fünf Seelsorgeeinheiten nicht etwa vier formten, sondern gleich eine einzige Stadtkirche mit jetzt zwölf Pfarreien. "Uns war klar, dass eine großflächige Zusammenlegung kommt", begründete das Joachim Dauer, "der Zusammenschluss fiel natürlich bei uns in der Stadt leichter als auf dem Land." Wenn im März 2020 Pfarrgemeinderatswahlen stattfinden, geschieht dies im ganzen Bistum auf Grundlage der derzeitigen Verhältnisse. Erst bei der übernächsten Wahl fünf Jahre später sind die Weichen anders gestellt. Heidelbergs Dekan Joachim Dauer wird nicht mehr dabei sein. Er will nach zwei Amtszeiten etwas Neues beginnen. Seine Verabschiedung liegt schon fest: am 24. November. Und der Name des Nachfolgers wird wohl in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden.
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Heidelberg: 22-Jähriger versteckt Drogen im Schuh (Wed, 19 Jun 2019)
Heidelberg. (pol/mare) Ein 22-jähriger Mann wurde am Dienstagabend an der Heidelberger Neckarwiese mit rund 30 Gramm Amphetamin erwischt. Das teilt die Polizei mit. Beamten fiel kurz vor 21 Uhr ein 22-jähriger Mann auf, der sich an der Neckarwiese aufhielt. Bei der Kontrolle des jungen Mannes fanden die Polizisten das Amphetamin, das dieser teilweise in seinem Schuh versteckt hatte. Bei der Durchsuchung seines Rucksacks wurden mehrere Zahlungskarten und persönliche Ausweispapiere aufgefunden, die aus Straftaten stammen könnten. Die Nachermittlungen des Polizeireviers Heidelberg-Nord hierzu dauern an. Der 22-Jährige wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß entlassen.
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DKFZ Heidelberg: Ermittlungen wegen der Tierversuche wurden eingestellt (Wed, 19 Jun 2019)
Heidelberg. (dpa) Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat die Ermittlungen wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) eingestellt. Nach rund fünf Monaten der Prüfung habe sich der Verdacht nicht erhärtet, sagte ein Sprecher der Behörde der Deutschen Presse-Agentur. Die Staatsanwaltschaft hatte nach Beschuldigungen des Vereins Ärzte gegen Tierversuche und des Regierungspräsidiums Karlsruhe geprüft, ob zwei Frauen und ein Mann bei einem Experiment mit Mäusen Straftaten begangen hatten. Der Verein hatte die Leiterin des Versuchs am DKFZ bezichtigt, keine Genehmigung gehabt zu haben. Sie habe Mäuse an Tumoren qualvoll eingehen zu lassen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte als Genehmigungsbehörde für Tierversuche besagte Ärztin sowie einen Mann und eine Frau, die am Experiment beteiligt waren, angezeigt. Gerade den Vorwurf der Tierquälerei bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass den Tieren stärkere Schmerzen, Leiden oder Schäden entstanden seien.  Bei dem Versuch sollte die Wirksamkeit einer bestimmten Virentherapie für das besonders bösartige Ewing-Sarkom, an dem vor allem Kinder leiden, an Mäusen untersucht werden. Das DKFZ begrüßte die Entscheidung. Vorstandschef Michael Baumann sagte: «Wir freuen uns, dass die Staatsanwaltschaft unsere Auffassung teilt und die beanstandeten Experimente nicht als strafrechtlich relevant bewertet.» Das DKFZ hatte Versäumnisse der Wissenschaftler, von denen zwischenzeitlich nur noch einer wenige Stunden pro Woche beim DKFZ arbeitet, eingeräumt; zugleich aber wies das Zentrum auf die aus seiner Sicht engen Regeln für die Beantragung von Tierversuchen hin. Es sei dringend notwendig, die erforderliche große Detailtiefe zu vermindern und die Forschungsabläufe offener formulieren zu können. Sonst könne man bei langwierigen Experimenten nicht auf auftretende Unwägbarkeiten reagieren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erwies sich die von den Forschern genutzte Zelllinie nicht als die ursprünglich genehmigte. Allerdings wurde der Zweck des genehmigten Versuchsvorhabens aus Sicht der Behörde beibehalten, so dass es einer gesonderten Genehmigung nicht bedurft habe. Die Staatsanwaltschaft ermittelte auch, dass einige Mäuse zu spät getötet worden seien. Jedoch sei die genehmigte gesamte Versuchsdauer von 100 Tagen nicht überschritten worden. Nun prüft das Regierungspräsidium Karlsruhe, ob in dem Fall eine Ordnungswidrigkeit vorliegt. Das DKFZ hatte kürzlich ein Symposium zum Thema tierexperimentelle Forschung veranstaltet. Dabei hatte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) betont: «Es gibt kaum ein anderes wissenschaftliches Thema, das in der Öffentlichkeit so intensiv, kontrovers und emotional aufgeladen diskutiert wird wie Tierversuche.» Das Symposium sei wichtig, damit auch die kritische Öffentlichkeit erlebe, wie ernsthaft die Wissenschaft ihr Handeln abwäge.
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Heidelberg-Handschuhsheim: Parken nur noch zwei Stunden erlaubt (Tue, 18 Jun 2019)
Von Holger Buchwald Heidelberg-Handschuhsheim. Die rosigen Zeiten für Pendler sind vorbei: Viele, die eigentlich ins Neuenheimer Feld oder in die Innenstadt wollen, stellten ihre Autos bisher in Handschuhsheim ab, um dann auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Ab dem 1. Juli ist das nicht mehr möglich. Denn dann wird die Parkraumbewirtschaftung auf den ganzen Stadtteil ausgeweitet. Die RNZ hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt. Wer darf in dem Bereich noch sein Fahrzeug abstellen? Auswärtige dürfen von Montag bis Samstag, jeweils zwischen 7 und 20 Uhr, ihr Auto höchstens noch zwei Stunden dort parken. Sie müssen eine Parkscheibe deutlich sichtbar auslegen. Anwohner können für 36 Euro im Jahr einen Anwohnerparkausweis erwerben. Für sie gilt die Höchstparkdauer natürlich nicht. Halte- und Parkverbote behalten ihre Gültigkeit, auch die reinen Kurzzeitparkplätze im Stadtteil bleiben erhalten. Welche Zone ist betroffen? Die Parkraumbewirtschaftung in Handschuhsheim wurde vor zwei Jahren eingeführt. Der Geltungsbereich wurde im Süden von der Blumenthalstraße, im Osten von der Bergstraße, im Norden von der Mühling- und Friedensstraße sowie im Westen von der Husarenstraße und dem Andreas-Hofer-Weg begrenzt. Danach freuten sich die Bewohner innerhalb der Zone über genügend freie Abstellplätze, in den umliegenden Gebieten gab es allerdings umso massivere Probleme. Aus diesem Grund wird die Regelung auf den gesamten Stadtteil ausgeweitet. Ursprünglich sollte der Beschluss schon vor Monaten umgesetzt werden, die Stadt begründet die Verzögerung mit den umfangreichen Vorbereitungen für die Beschilderung und der Mehrarbeit in den Bürgerämtern wegen der Europa- und Kommunalwahlen. Wer bekommt einen Parkausweis? Alle, die in der Parkzone ihren Hauptwohnsitz haben und einen Ausweis beantragen. Unternehmen bekommen pro vier Mitarbeiter eine Parkberechtigung, aber maximal fünf. Die Ausweise können über die Homepage der Stadt (www.heidelberg.de) oder im Bürgeramt Handschuhsheim, Dossenheimer Landstraße 13, beantragt werden. Was ist mit den Besuchern? Alle Anwohner mit Parkausweis, aber auch die ortsansässigen Geschäfte, erhalten für ihre Gäste im Bürgeramt Handschuhsheim jeweils einen Bogen mit "Besucherkarten" im Jahr kostenlos. Der Bogen erhält neun Tageskarten und eine Wochenkarte. Auf den Karten muss vor Nutzung das Datum und das Kennzeichen eingetragen werden. Es ist möglich, bis zu fünf weitere Bogen für je sechs Euro zu kaufen. Ab dem siebten Bogen kosten sie 27 Euro. Gibt es unterschiedliche Zonen? Ja. Da der Geltungsbereich viel größer geworden ist, gibt es jetzt drei unterschiedliche Anwohnerparkausweise: H1 im Westen, H2 im Norden und H3 im Osten. Die Anwohner wurden bereits per Rundbrief von der Stadt informiert. Parkraumbewirtschaftungen gibt es auch in der Altstadt, Bergheim, Neuenheim, Rohrbach und in der Weststadt. Allein in Handschuhsheim gibt es im alten Geltungsbereich der Parkzone 4100 Anwohnerausweise, 200 Neuanträge wurden schon bewilligt, 120 weitere müssen noch bearbeitet werden. "Das wird nach den Pfingstferien noch einmal anziehen", ist eine Stadtsprecherin überzeugt. Info: Weitere Fragen beantwortet das Amt für Verkehrsmanagement, Gaisbergstraße 11, Telefon 06221 / 5830500, verkehrsmanagement@heidelberg.de.
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Steinmeiers Rede in Heidelberg: Wieso kein Bürgermeister kam (Tue, 18 Jun 2019)
Heidelberg. (rie) Es ist schon seltsam: Da kommt das Staatsoberhaupt nach Heidelberg, hält eine flammende Rede für Zivilcourage und gegen Antisemitismus - und kein städtischer Vertreter begrüßt ihn. Doch genau so war es am Montag beim Festakt zum 40. Geburtstag der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt im März 2017 in der Stadt - und weder der Oberbürgermeister noch einer seiner vier Vertreter waren in der Aula der Neuen Universität dabei. Das ist schon verwunderlich, nicht nur wegen des hohen Besuchs, sondern auch aufgrund des Anlasses. Schließlich ist die Stadt Heidelberg sonst immer sehr stolz auf "ihre" Hochschule für Jüdische Studien. Auf Nachfrage erklärt ein Stadtsprecher: "Bürgermeister Wolfgang Erichson wollte beim Festakt dabei sein, doch leider erkrankte er kurzfristig." Da sowohl Oberbürgermeister Eckart Würzner als auch Finanzbürgermeister Hans-Jürgen Heiß gerade im Pfingsturlaub sind, blieben nur zwei, um Erichson zu vertreten: Baubürgermeister Jürgen Odszuck und Kulturbürgermeister Joachim Gerner. "Beide konnten eine Teilnahme leider aus Termingründen nicht ermöglichen." Auch einen Eintrag in das Goldene Buch der Stadt gab es nicht. Der Stadtsprecher erklärt: "Das Bundespräsidialamt legte sehr viel wert darauf, dass es sich ausschließlich um einen Besuch der Hochschule für Jüdische Studien handelt." Für das Programm seien die Hochschule und der Stab des Bundespräsidenten verantwortlich gewesen. "Wir hatten da keine Rolle." Im August gibt es eine zweite Chance: Dann kommt der Bundespräsident erneut in die Stadt. Vom 26. August bis 2. September lädt die Hans-Böckler-Stiftung zur Sommerakademie zum Thema "Demokratie gestalten" - und Steinmeier hat als Schirmherr sein Kommen zugesagt.
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Heidelberg: Christian Mihr war zu Gast bei "Querfeldein" (Tue, 18 Jun 2019)
Von Philipp Neumayr Heidelberg. Man muss sich Christian Mihr als einen viel beschäftigten Menschen vorstellen. Irgendein Journalist ruft in diesen Zeiten vermutlich immer bei ihm an. Mal, weil sie in Russland einen Investigativ-Journalisten eingesperrt haben. Mal, weil der deutsche Verfassungsschutz Redaktionen überwachen will. Mal, weil es Journalisten in der Türkei mal wieder an den Kragen geht. Als Mihr sich an diesem Abend auf Einladung des studentischen Vereins "Querfeldein" in einen Korbsessel setzt, wirkt er trotz alledem ziemlich entspannt. Wird er gefragt, ob die Pressefreiheit jemals so umstritten wie heute war, antwortet er: "Die Pressefreiheit war schon immer etwas, was erkämpft werden muss." Vielleicht hat es Christian Mihr ja gerade wegen dieser Nüchternheit, seiner irgendwie schon auffälligen Gelassenheit, auf den Chefsessel von "Reporter ohne Grenzen" geschafft. Seit 2012 ist er Geschäftsführer der wohl wichtigsten Organisation, wenn es um die Verteidigung der Pressefreiheit geht. Dafür reist er durch die ganze Welt, ringt mit Autokraten und Internet-Giganten, führt Interviews. Denn auch wenn es hier, in Deutschland, und überall auf der Erde, immer noch viele Beispiele für guten Journalismus gebe, macht Mihr im voll besetzten Klub K des Karlstorbahnhofs keinen Hehl daraus: "Es hat sich etwas verändert." Zwar sei die Zahl getöteter Journalisten weltweit wieder rückgängig, doch gerade in der Europäischen Union, sagt Mihr, hätten die Bedrohungen gegenüber Journalisten zugenommen. "In vielen Demokratien ist die Pressefreiheit einem fundamentalem Angriff ausgesetzt." Das liege nicht unbedingt an einem Vertrauensverlust, sondern daran, dass sich das Misstrauen anders Bahn breche. "Diejenigen 20 bis 30 Prozent einer Gesellschaft, die schon immer Misstrauen gegenüber der Arbeit von Journalisten hatten, können sich jetzt anders ausdrücken", sagt Mihr. Und meint damit vor allem die Welt der sozialen Medien. Diese "Echokammern" förderten Beschimpfungen - und oft auch reale Gewalt. Journalisten vor Gewalt schützen, vor verbalen und tätlichen Angriffen auf sie und ihre Arbeit, das ist das Ziel von Mihr und "Reporter ohne Grenzen". "Wir finanzieren Anwälte, unterstützen Familien von inhaftierten Journalisten und handeln als Kläger oder Prozessbeobachter", sagt er. Man gebe aber zunehmend auch "digitale Hilfe", denn: "Die Bedrohung im digitalen Raum ist eine der größten." Gerade die schnelle technologische Entwicklung erfordere ständig neues Wissen. Journalisten darauf vorbereiten - für Mihr eine der zentralen Aufgaben der Zeit. Auch, weil man es heute längst nicht mehr nur mit Regierungen zu tun habe, sondern mit weltweit operierenden Plattformen wie Google und Facebook. Doch egal ob Politiker oder Unternehmen - sie alle fürchten sich vor schlechter Publicity. Und auch dafür ist "Reporter ohne Grenzen" da. "Wir legen uns mit den Mächtigen an", sagt Mihr. Mit anlegen meint er: Kampagnen organisieren, Verletzungen der Pressefreiheit sichtbar machen, Öffentlichkeit schaffen. "Öffentlichkeit ist etwas, was Mächtige ärgert." Dass dieses Konzept aufgehen könne, habe die Vergangenheit gezeigt. Etwa in der Türkei. "Hier führt der Druck von außen immer wieder zu Freilassungen." Und auch sonst, so viel wird in dem Gespräch mit den Moderatorinnen Anna Maria Stock und Annika Spiegel klar, ist es ja nicht so, dass alles nur schlechter wird. Bestes Beispiel: Äthiopien. Ein Land, das lange im untersten Viertel des Rankings von "Reporter ohne Grenzen" rangierte. Ein Land, in dem heute lange inhaftierte Journalisten wieder ihrer Arbeit nachgehen dürfen, einst blockierte Nachrichtenwebseiten wieder zugänglich sind. Oder: "Panama Papers". Ein Rechercheprojekt, mit dem ein internationaler Verbund von Medien Korruption und Geldwäsche im großen Stil aufdeckte. Für Mihr Paradebeispiel eines "großartigen Journalismus". Es gibt sie also noch, die Hoffnung auf eine freie Presse, auf gute Berichterstattung. Auch in Zukunft. Was es dafür braucht? Mihr hätte da ein paar Vorschläge. Journalisten empfiehlt er, "akkurat" zu arbeiten, die eigene Arbeit "transparenter zu machen". Mehr Mut zum Selbstbewusstsein: "Wir müssen erzählen, wo Journalismus in der Vergangenheit einen Unterschied gemacht hat." Am Ende aber, und auch das ist ein Fazit dieses Abends, wird es die Kritiker, die Nörgler, wird es Angriffe auf die freie Presse immer geben. Selbst mit gutem Journalismus, sagt Mihr, könne man nicht alle Menschen erreichen. Dafür müsse man woanders ansetzen.
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Erste Kulturtage der Sinti und Roma: So viel mehr als nur glutäugige Geigenvirtuosen (Tue, 18 Jun 2019)
Von Ingrid Thoms-Hoffmann Heidelberg. Dass Bundespräsident Steinmeier bei den Kulturtagen der Sinti und Roma in Heidelberg die Schirmherrschaft übernimmt, ist mehr als ein Akt höflicher Verpflichtung. Deutschlands oberster Repräsentant weiß um die Bedeutung der Minderheit für die europäische Kulturgeschichte. Der "vergessene Holocaust" mit einer halben Million ermordeter Sinti und Roma müsse stärker ins Bewusstsein gerückt und die "oft bewusst oder unbewusst übersehene, vernachlässigte, ja verdrängte oder sogar unterdrückte Kultur" sorgfältiger gewürdigt werden, sagte er in Berlin. Ein Schritt von "historischer Bedeutung", so der Heidelberger Romani Rose, sei dabei das neue digitale "RomArchive". Denn zum ersten Mal in ihrer 600-jährigen Geschichte, so der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, hätte die Minderheit die Chance, ihre Künste und Kulturen selbst zu präsentieren, unabhängig von Jahrhunderte alten Zuschreibungen und Vorurteilen. Dieses Sichtbarmachen ist auch die Intention der Kulturtage der Sinti und Roma, die von Samstag bis Mittwoch, 22. bis 26. Juni, erstmals und ab dann im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden. Konzeptkunst: Gleich dreimal ist der Konzeptkünstler Alfred Ullrich vertreten. Mit der künstlerischen Intervention "Wem gehört Heimat?" eröffnet er am Samstag, 22. Juni, um 16 Uhr die Kulturtage auf dem Universitätsplatz. Am 23. Juni um 14 Uhr gibt es im Doku-Zentrum, Bremeneckgasse 2, eine Vernissage samt Podiumsgespräch über "Kunst und Gesellschaft". Ullrichs Sonderausstellung "Unsere Heimat" ist bis zum 5. Juli im Doku-Zentrum zu sehen. Musik: Das Konzert mit Biréli Lagrène wird ein Höhepunkt. Der 1966 in Soufflenheim geborene Ausnahmegitarrist wurde früh als Wunderkind in der Gipsy-Jazz-Szene bekannt und ist in der ganzen Welt unterwegs. Ihn begleiten zwei Pionieren des Sinti-Jazz: Holzmanno Winterstein (Gitarre) und Vali Mayer (Gesang/Bass). 24. Juni, 20 Uhr, Karlstorbahnhof. Was weitgehend unbekannt ist: Viele Komponisten wie Mozart, Beethoven, Liszt oder Brahms haben sich durch Roma-Musik beeinflussen lassen. Die "Roma und Sinti Philharmoniker" mit ihrem Leiter Riccardo M. Sahiti haben es sich zur Aufgabe gemacht, das musikalische Erbe der Roma zu bewahren. In Heidelberg spielen sie Werke von Gustav Mahler, Pablo de Sarasate, Jules Massanet und Leó Weiner. 26. Juni, Schlosshotel Molkenkur, 20 Uhr. Einen eigenen Stil haben die Sinti-Rapper entwickelt. Ihre Protagonisten texten und singen teilweise auf Romanes. Mit Baro Dano, Maio und der souligen Stimme von Imaa geht die "Generation G-Funk" an den Start. 25. Juni, Karlstorbahnhof, 20 Uhr. Diskussionen und Vorträge: Wie blicken junge Sinti und Roma auf unsere Gesellschaft und wie verstehen sie vor dem Hintergrund deutscher Geschichte und antiziganistischer Vorurteile ihre eigene Identität? Und wie soll unsere Gesellschaft gestaltet werden? Das Publikum soll mitdiskutieren bei der Podiumsdiskussion zum Thema "Bin ich deutsch?". 24. Juni, Doku-Zentrum, Bremeneckgasse 2, 17 Uhr. "Wie wird Fremdheit gemacht?" - Dazu sprechen der Historiker Frank Reuter von der Forschungsstelle Antiziganismus und André Raatzsch vom Doku-Zentrum. Es geht um die Macht der Bilder, verzerrte Wahrnehmungsmuster und eine verantwortungsbewusste Fotografie. 26. Juni, Doku-Zentrum, Bremeneckgasse 2, 17 Uhr. Stadtrundgang: Ab dem Sommer 1935 wurden die Schikanen gegen die in Heidelberg lebenden Sinti-Familien immer größer. Die meisten zogen nach Ludwigshafen. Von dort wurden sie bei der deutschlandweiten Verhaftungswelle im Mai 1940 in Sammellager und dann in die Gettos und Konzentrationslager deportiert. Ilona Lagrene hält die Erinnerung an die Heidelberger Sinti-Familien wach und zeichnet nach dem Stadtrundgang im Hof der Ebert-Gedenkstätte Familienschicksale nach. 25. Juni, Treffpunkt Doku-Zentrum, Bremeneckgasse 2, 14 Uhr. Ausstellungen: Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Gemäß dieses Mottos wird im Rathaus eine Ausstellung (bis zum 5. Juli) eröffnet, die sich mit der Historie der Sinti auseinandersetzt. 25. Juni, Rathaus, 17 Uhr. Marionettentheater: Die "Rollende Kulisse" lädt gleich zu drei Vorstellungen ins Doku-Zentrum: Am 25. Juni wird um 10.30 Uhr "Die unordentliche Prinzessin" gegeben, am 26. Juni "Rumpelstilzchen" (10.30 Uhr) und "Der Froschkönig" (16.30 Uhr). Info: Karten für die drei Konzerte gibt es bei den RNZ-Geschäftsstellen und auf www.reservix.de. Für alle anderen Veranstaltungen ist der Eintritt frei.
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Mit nur 55 Jahren: Radiomacher Kristian Kropp ist tot (Mon, 17 Jun 2019)
Heidelberg. (we) Er war ein Kämpfer. Und zwar ein nachdenklicher. Obwohl im schnelllebigen Radiogeschäft beruflich verankert, waren Schnellschüsse nie sein Ding. Alles wurde durchdacht. Wer das Glück hatte, mit ihm zu diskutieren, ging stets reicher an Gedanken aus dem Gespräch heraus. Das lag natürlich an seiner positiven Art. Und vielleicht auch an der jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem Kampfsport. Kristian Kropp war ein Kopfmensch - mit Herz. Seine journalistische Laufbahn begann er 1984 bei der RNZ im Lokalteil Bergstraße. Nach dem Volontariat zog es den begabten Schreiber zum ersten deutschen Privatfernsehen, EPF, mit Sitz in Ludwigshafen. Von da an war er an die Senderwelt verloren. Nach seinem Wechsel zu Radio Regenbogen wurde er schnell Chefreporter, dann von 1993 an Chefredakteur und später stellvertretender Programmdirektor bei Antenne Niedersachsen in Hannover. 2009 ging es zurück nach Baden-Württemberg. Kropp baute in Stuttgart den Jugendsender BigFM auf und lehrte die öffentlich-rechtlichen Sender das Fürchten. Denn niemand handelte so innovativ wie der gebürtige Weinheimer. BigFM nahm die Hörer schon online mit, als andere Sender das Internet noch als Konkurrenz verteufelten. Hinzu kam die Position als Geschäftsführer der RPR-Unternehmensgruppe. Kropp war jetzt auch Ansprechpartner für die Politik, was sich darin ausdrückte, dass die Ministerpräsidenten Kurt Beck und Malu Dreyer, qua Amtes eigentlich für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuständig, bei BigFM und RPR ein und ausgingen. Kropp, der Netzwerker. Dann kam die Krankheit. Lange Zeit kämpfte der frühere Handballer mit großer mentaler Stärke gegen den Krebs an: In der RNZ veröffentlichte er vor einem Jahr eine beeindruckende Reportage, wie er als Patient die Koryphäen der Uniklinik mit den Alternativmedizinern zusammenbrachte. Und beide ihm halfen. Am Samstag endete sein Leben - 55-jährig. Kropp hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.
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Heidelberg: "Bunte Linke"-Stadtrat kaperte Pressekonferenz (Mon, 17 Jun 2019)
Heidelberg. (hob) Die Stimmung war gereizt, als "Bunte Linke"-Stadtrat Arnulf Weiler-Lorentz am Montag die Pressekonferenz von Baubürgermeister Jürgen Odszuck und RNV-Vertreter Gunnar Straßburger im Palais Graimberg kaperte. Weiler-Lorentz engagiert sich zwar für das "Bündnis Bürgerentscheid Klimaschutz", das sich für den Erhalt der Ochsenkopfwiese einsetzt, verschaffte sich aber als "Pressevertreter" für ein Internetportal Zutritt zu der eigentlich Journalisten vorbehaltenen Veranstaltung. Als Weiler-Lorentz dann auch noch die Gelegenheit nutzte, um den kommunalpolitischen Schlagabtausch mit seinem alten Gegenspieler Odszuck zu suchen, reagierte dieser unwirsch. "Ich habe jetzt nur eine einzige Frage gehört", sagte der Baubürgermeister, nachdem der "Bunte Linke"-Stadtrat zu einer mehrminütigen Wortmeldung ausgeholt hatte. Dieser wiederum beklagte, dass Straßburger ihm bei der Beantwortung seiner Fragen das Wort im Mund herumdrehe. Weiler-Lorentz machte aber auch keinen Hehl daraus, dass er nicht als unabhängiger Journalist auftrete, sondern als Interessenvertreter. Ihn völlig zu ignorieren, gelang Odszuck und Straßburger nicht. Weiler-Lorentz möchte den alten Standort des Betriebshofes erhalten und ausbauen - auch unter Einbindung der ehemaligen Feuerwache. Auf die Frage, ob dies machbar sei, antwortete der RNV-Verantwortliche ausweichend: "Das zu planen war nicht unser Auftrag. Daher haben wir das auch nicht überprüft und können keine Auskunft dazu geben." Jede zweite Äußerung von Straßburger und Odszuck zog Weiler-Lorentz in Zweifel. Mal lachte er abfällig, als der RNV-Vertreter betonte, dass das begrünte Dach eines neuen Betriebshofes den Insekten eine Heimat bieten könne. Ein anderes Mal zog er Odszucks Behauptung in Zweifel, dass der Gemeinderat das Kreativwirtschaftszentrum "Dezernat 16" bewahren wolle. Stattdessen würden doch die Kreativen in den ehemaligen Stallungen der Campbell Barracks in der Südstadt eine neue Heimat bekommen. Ein Stadtsprecher widersprach ihm in diesem Punkt: Zeitlich befristet wolle der Gemeinderat das "Dezernat 16" auf jeden Fall erhalten, vielleicht auch dauerhaft. Und Odszuck fügte hinzu, dass die Stallungen für größere Firmen gedacht seien und nicht für die kleinen Unternehmen in der ehemaligen Feuerwache. An vielen Stellen erinnerte die Pressekonferenz eher an eine Sitzung des Bauausschusses. Auch dort liefern sich Weiler-Lorentz und Odszuck oft heftige Wortgefechte. Und beide sind wohl die bekanntesten Gesichter gegen und für eine Verlagerung des Betriebshofes.
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Wenn der Betriebshof umzieht: Stadt verspricht "größten Park Heidelbergs" (Mon, 17 Jun 2019)
Von Holger Buchwald Heidelberg. Der Wahlkampf zum Bürgerentscheid um den Erhalt der Grünfläche am Großen Ochsenkopf oder die Verlagerung des RNV-Betriebshofes dorthin geht in die heiße Phase. Während das "Bündnis Bürgerentscheid Klimaschutz" am Aktionstag Lebendiger Neckar fleißig Flyer verteilte, rührten Baubürgermeister Jürgen Odszuck und Gunnar Straßburger, Leiter des Bereichs Infrastruktur bei der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, gestern in einem Pressegespräch die Werbetrommel für eine Verlagerung des Straßenbahn- und Busdepots. Das sind ihre Argumente: Warum braucht die RNV einen größeren Betriebshof? Die Stadt wächst - und zwar laut einer aktuellen Prognose bis 2025 um 2200 Einwohner pro Jahr. "Wir haben in den letzten Jahrzehnten zig Millionen Euro in den Nahverkehr investiert", sagt Odszuck. Und er müsse noch weiter ausgebaut werden. "Wir müssen den Takt verdichten und dazu brauchen wir auch mehr Fahrzeuge." Nach wie vor wolle die Stadt auch neue Straßenbahnlinien ins Neuenheimer Feld und zum Patrick Henry Village. Laut Straßburger ist der alte Betriebshof aber schon jetzt "am Ende seiner Kräfte". Da bereits seit 25 Jahren neue Standorte diskutiert würden, seien wichtige Instandhaltungsarbeiten immer wieder verschoben worden. Die bestehende Halle sei zu kurz für die modernen, 40 Meter langen Straßenbahnen, deshalb ragten sie schon jetzt vorne und hinten raus. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Arbeiter zwischen den breiten Fahrzeugen eingequetscht würden, auch die Evakuierungswege seien zu lang. Die Berufsgenossenschaft arbeite schon seit Jahren mit Ausnahmegenehmigungen, um die Betriebserlaubnis nicht entziehen zu müssen. Ein weiteres Problem: Das Streusalz der vergangenen Jahrzehnte griff den Stahlbeton an, bereits jetzt müssen einige Kellergeschosse aufgegeben werden. In den nächsten Jahren müssen 8,4 Millionen Euro investiert werden, damit nicht alles zusammenfällt. Warum wird nicht der bisherige Betriebshof ausgebaut? Die 25.000 Quadratmeter große Fläche am bisherigen Standort reiche bei Weitem nicht aus, so Odszuck. Ohne eine Ausdehnung des Areals auf die Emil-Maier-Straße und das Kreativwirtschaftszentrum "Dezernat 16" in der ehemaligen Feuerwache sei ein Ausbau nicht möglich. Odszuck: "Doch dort haben sich 99 Kleinunternehmen angesiedelt. Wir wollen das erhalten. Das gehört zu einem lebendigen Stadtteil." Vor allem aber und das ist für den Baubürgermeister das Hauptargument, sei es wichtig, den bisherigen Standort des Betriebshofs anderweitig zu entwickeln. Laut Gemeinderatsbeschluss sind dort ein 12.500 Quadratmeter großer Park und ein ebenso großes Wohnquartier vorgesehen. "Auch klimatisch benötigen wir dort die Grünfläche, wo wir schon jetzt laut Klimagutachten die größte Hitzeinsel Heidelbergs haben", ist Odszuck überzeugt. Endlich sei damit auch eine vernünftige Wegeverbindung zwischen Dezernat 16 und Landfriedgelände und vielleicht sogar bis hinunter zum Neckar möglich. Odszuck: "Bergheim West hätte das verdient." Wie könnten der Stadtpark und das Wohnquartier aussehen? "Wir planen keine begrünte Tiefgarage, sondern einen richtigen Park mit großen, schattenspendenden Bäumen", betont Odszuck. Er wäre sogar noch größer als die Schwanenteichanlage an der Stadtbücherei und damit der größte Park Heidelbergs. Spielgeräte für Jung und Alt seien dort ebenso denkbar wie Straßencafés. Die verbleibenden 12.500 Quadratmeter seien dann für günstiges Wohnen vorgesehen. Mindestens 140 Wohnungen könne man am bisherigen Betriebshof-Standort unterbringen. Der Baubürgermeister schlägt einen Mix wie beim ehemaligen US-Hospital in Rohrbach vor - mit einem kleinen Teil Eigentumswohnungen für Familien. Alles solle von der städtischen Wohnungsgesellschaft GGH gemacht werden, um Spekulationen von Baufirmen zu vermeiden. Die weiteren Pläne sollten im Rahmen der Bürgerbeteiligung entwickelt werden. Vor allem die 2500 Anwohner in der direkten Umgebung würden von dem Park profitieren, so Odszuck. Direkt mit dem Bezug des neuen Betriebshofes könnte in Bergheim-West die Umsetzung beginnen. Wieso ist das Airfield keine Alternative? Der Betriebshof könnte am Großen Ochsenkopf viel schneller gebaut werden, denn direkt daneben verlaufen schon die Gleise der Linie 5. Bei einem Betriebshof auf dem ehemaligen US-Airfield zwischen Kirchheim und Pfaffengrund sei hingegen ebenfalls Widerstand von den Anwohnern zu erwarten, zudem gebe es dafür keinerlei Planungen. Laut Straßburger würde es mindestens neun Jahre dauern, bis dort begonnen werden könnte. Ist der Große Ochsenkopf nicht viel zu klein? Er bietet Platz für 46 moderne Straßenbahnen (statt bisher 33) und 36 statt 37 Busse - also sogar einen Bus weniger als am bisherigen Standort. Doch reiche der Platz immerhin noch für neue Straßenbahnlinien nach Schwetzingen und ins Neuenheimer Feld. Daher ist der Ochsenkopf-Standort laut Straßburger zukunftsfähig. Trotzdem müsse die RNV wohl mittelfristig wegen neuer Elektro- und Wasserstoffbusse nach einem neuen Bus-Betriebshofsgelände Ausschau halten, gibt der RNV-Verantwortliche zu. Odszuck: "Für Busse lässt sich aber leichter ein Standort finden." Und was wird aus der Wiese am Großen Ochsenkopf? Stadt und RNV wollen auf dem Dach des neuen Betriebshofes eine für die Öffentlichkeit begehbare Grünfläche anlegen. Diese sei vor allem Lebensraum für Insekten. Große Bäume seien wegen der Statik nur am Rande möglich. Gibt es einen Plan B? Nein. Dann würden die Planungen wieder von vorne anfangen. Falls die Mehrheit der Heidelberger beim Bürgerentscheid aber mit "Nein" - und damit für die Verlegung - stimmt, könnte der Betriebshof laut Straßburger bereits bis 2024 fertig gebaut sein.
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Bündnis Bürgerentscheid: Spielt die Stadt "unfair"? Bürgerinitiative beklagt Informationspolitik (Mon, 17 Jun 2019)
Heidelberg. (hob) Allen Infoständen am Aktionstag "Lebendiger Neckar" waren politische Meinungsäußerungen verboten und so konnte zum Beispiel auch der Naturschutzbund nicht für den Erhalt der Ochsenkopfwiese werben. Das "Bündnis Bürgerentscheid" aber verteilte trotzdem Infoflyer, warum es gegen eine Verlagerung des RNV-Betriebshofes agiert. Das Stadtklima brauche große, schattenspendende Bäume, zudem liege die Grünfläche in der wichtigen Kaltluftschneise des "Neckartälers" (Wind). Eine begrünte Dachfläche biete keinen gleichwertigen Ersatz. Zudem gebe es auf der Wiese mehr als 200 verschiedene Arten von Blütenpflanzen. "Sie sind wichtige Nahrungsquellen für die reiche Insektenfauna auf der Wiese", so das Bündnis. Das wertvolle Biotop werde vernichtet, wenn hier ein Betriebshof gebaut werde. Zudem reiche die Fläche ohnehin nicht aus, um dort alle Busse und Straßenbahnen abzustellen. "Es gibt versiegelte Flächen in ausreichender Größe mit der Möglichkeit einer späteren Erweiterung, zum Beispiel die Konversionsflächen", schreibt die Bürgerinitiative. Die Finanzierung von bezahlbaren Wohnungen auf dem alten Betriebshofgelände und ein Stadtpark an dieser Stelle seien nicht gesichert und böten keinen ökologischen und klimatischen Ersatz für die rund drei Hektar große Wiese zwischen Gneisenaustraße und der Siedlung Ochsenkopf. In einer Presseerklärung beklagt Karin Weber, Sprecherin des Bündnisses, obendrein die mangelhafte Informationspolitik der Stadt, die nach dem Gemeinderatsbeschluss für den Bürgerentscheid zur Neutralität verpflichtet sei. Die wichtigsten Fragen zur Finanzierung der bezahlbaren Wohnungen oder zu den Ergebnissen eines neu in Auftrag gegebenen Klimagutachtens würden unbeantwortet bleiben. Stattdessen nutze die Stadt jetzt schon ihre Informationskanäle, um für eine Verlagerung des Betriebshofes zu werben. Baubürgermeister Jürgen Odszuck weist die Vorwürfe zurück. "Ich habe Verständnis dafür, dass bei der Bürgerinitiative viele Emotionen im Raum sind." Die Stadt könne aber nur fertige Ergebnisse des Klimagutachtens weiterreichen. Die Waffengleichheit sei durchaus gegeben. Bei der öffentlichen Informationsveranstaltung am Dienstag hätten beide Seiten das gleiche Rederecht.
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RNZ am Puls: Werden städtische Grünflächen immer intensiver beschnitten? (Mon, 17 Jun 2019)
Heidelberg. (bik) Die Grünflächen der Stadt würden immer intensiver und immer früher beschnitten, findet Reinhard Greiling aus dem Stadtteil Emmertsgrund. Bereits im Mai seien in diesem Jahr stellenweise die Grasnarbe zerstört und blühende Pflanzen schon vor der Samenbildung beseitigt worden. Nicht nur würden alle Jungtiere gestört, auch Amphibien, Insekten und Reptilien würden dabei getötet. Die Stadt weist die Vorwürfe von sich. Die Grünflächen in Heidelberg würden mit enormer Sorgfalt und unter hohem Personaleinsatz gepflegt, sagt eine Sprecherin. "Die Stadt mäht die Flächen nach verschiedensten Gesichtspunkten und zu unterschiedlichsten Zeitpunkten. Der Vorwurf, dass pauschal früher gemäht wird, ist nicht zutreffend." In den Stadtteilen Boxberg und Emmertsgrund beispielsweise habe die Stadt auf Beschwerden reagiert und ein sehr differenziertes Pflegekonzept ausgearbeitet und umgesetzt. Die Mitarbeiter der von der Stadt beauftragten Unternehmer seien angehalten, größtmögliche Sorgfalt walten zu lassen und auf die Tierwelt besonders zu achten. Allerdings sei eine 100-prozentige Sicherheit bei keinem Mähverfahren garantiert. "Teilweise schließen sich bei der Anlagenpflege manche Nutzungen oder Erwartungen auch einfach aus", heißt es. Das betreffe den Verzicht auf Herbizide, Naturschutz, Verkehrssicherheit, den Wunsch nach einem subjektiven Sicherheitsgefühl der Anlagenbesucher ("Angstraum") und die verschiedensten Anwohner- und Nutzerinteressen. 
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Heidelberg: Rund 200 Besucher beim "Road To-Festival" im Mehrgenerationenhaus (Mon, 17 Jun 2019)
Von Maria Stumpf Heidelberg. Da ist was dran: Bevor man sich auf Antworten einlässt, sollte man offen sein fürs Zuhören. "Ich bin der Bernhard. Ich bin 1988 aus Berlin nach Heidelberg gekommen." Der ältere Mann sitzt zufällig einem jungen Inder gegenüber. Fünf Minuten hat Bernhard Zeit, um zu reden, worüber er möchte. Dann übernimmt der Jüngere - und Bernhard hört zu. Am Ende haben sie sich zehn Minuten kennengelernt. Wo? Im Mehrgenerationenhaus (MGH) beim "Road to-Festival". Wer kommt, ist willkommen - denn Ankommen heißt, aufgebrochen zu sein für einen Neuanfang. Aus fremden Personen werden an diesem Wochenende Bekannte: In einer Mitmach-Ausstellung treffen sich Geschichtenerzähler. Darunter sind etwa die 62-jährige Eliana aus Ost-Europa mit einem Ordner voller Dokumente ihres Lebens, Tom (25) aus einem kleinen schwäbischen Dorf, Jubin (33) aus Mumbai oder die 23-jährige Studentin Kübra mit einem Reisegebetsteppich im Rucksack. Die "Geschichten von Vielen" stehen für eine Realität des Alltags, der bunt und vielschichtig ist: "Road to" nennt sich das interaktive Projekt des Deutsch-Amerikanischen Instituts (DAI), das sie alle irgendwie einfangen möchte. Das Projekt tingelt seit März durch die Stadt und lädt zu Festivals zu den Themen Soziale Zukunft, Entfaltung, Geschichten von Vielen und "Do it Yourself together" ein (die RNZ berichtete). Die Macher verstehen das Projekt als unfertigen Prozess, der von der Mitarbeit der Heidelberger lebt: Sie teilen sich einen Raum und machen etwas daraus. Gemeinsam mit anderen Akteuren aus Kunst und Kultur haben die Ideengeber um Evein Obulor und Jasper Schmidt vom DAI nun zur dritten Veranstaltung der Reihe nach Kirchheim ins MGH eingeladen. "Wie schaffen wir neue Öffentlichkeit, in der durch ernst gemeintes Zuhören, Empathie und Anerkennung von unterschiedlichen Lebensentwürfen Repräsentation kein Privileg mehr bleibt?" Das ist das Thema und beim kunterbunten Drei-Tage-Programm im Mehrgenerationenhaus voller Workshops, Mitmachaktionen, Essen, Musik, Kreativität, Geselligkeit, Gesprächen und Diskussionen treffen sich viele Menschen. Die Veranstalter zählen über die Tage rund 200 Gäste. "Wir suchen bewusst Veranstaltungsorte, um auch Nachbarn und verschiedene Generationen anzusprechen", betont Jasper Schmidt. Darauf achte man auch bei der Auswahl der beteiligten Akteure. Info: Die letzte Veranstaltung beim "Road to-Festival" mit dem Thema "Do it Yourself Together" findet vom 4. bis 6. Juli auf dem Adenauerplatz statt.
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Pflegeheimat St. Hedwig in Neuenheim: Umplanung war "alle Mühen wert" (Mon, 17 Jun 2019)
Von Birgit Sommer Heidelberg. Der Architekt hat umgeplant. Der Neubau des Caritas-Altenpflegeheims St. Hedwig in Neuenheim bekommt nun zwei Flügel links und rechts vom Kopfbau an der Ecke Mönchhofstraße / Quinckestraße. Der Gestaltungsbeirat der Stadt, der einen ersten Vorschlag verworfen hatte, war mit der von Architekt Udo Valentsik vorgelegten, überarbeiteten Fassung nun einverstanden. "Eine sehr deutliche Weiterentwicklung aus städtebaulicher Sicht", fand Baubürgermeister Jürgen Odszuck. Er lobte die geplanten Flügelbauten, die sich gegenüber dem Kopfbau etwas zurücknehmen, den großzügigen grünen Innenhof, der entstehen soll, die besseren Lichtverhältnisse - und die Tatsache, dass die Nachbarn nun keine hohe Bebauung mehr vor sich haben werden. "Sehr viel besser", fand auch Prof. Sophie Wolfrum. "Das war alle Mühen wert", meinte der Beiratsvorsitzende Prof. Markus Neppl. Die Sachverständigen aus dem Gestaltungsbeirat der Stadt hatten für die endgültige Planung aber doch noch ein paar Wünsche. So wollte Prof. Christiane Sörensen der im Kopfbau angesiedelten Kapelle mehr Ausdruckskraft verliehen haben, damit auch die Öffentlichkeit sehen kann, wo sich dieser Raum für Gottesdienste befindet. Auch Neppl wollte das ein bisschen geschlossen anmutende Gebäude äußerlich auflockern und wünschte sich mehr Aufenthaltsqualität für den Eingangsbereich. Bürgermeister Odszuck konstatierte noch Nachholbedarf bei der Außenanlage, er könnte sich mehr Grün bei den Parkflächen vor den Flügeln vorstellen. Udo Valentsik von 1:1 Schliessler und Valentsik Architekten GmbH verweist selbst darauf, dass die Feinarbeit am Plan für die Pflegeheimat St. Hedwig noch ansteht. Für die Bewohner des 1877 errichteten Gebäudes wird es erst Anfang 2020 ernst. Dann ziehen sie um in das Heim St. Anna in der Plöck. Denn das steht dann leer, die Evangelische Stadtmission will bis dahin ihr neues Pflegeheim in Rohrbach eingeweiht haben. Beide Betreiber zwingt die Landesheimbauverordnung zum Neubau, die ab September 2019 zum Beispiel Einzelzimmer mit mindestens 16 Quadratmetern und barrierefreie Sanitärräume in Pflegeeinrichtungen vorschreibt. Neue Bewohner werden in St. Hedwig derzeit nicht aufgenommen. Wer allerdings Kurzzeitpflege von drei bis vier Wochen für seine Angehörigen braucht, ist willkommen. Die Fertigstellung des Neubaus ist für das Jahr 2022 geplant. Dann kann St. Hedwig wieder wie bisher 120 Pflegefälle aufnehmen und betreuen. Sie finden in den Flügeln Platz, im Mittelbau werden Tagespflege, Verwaltung und Aufenthaltsräume sein. Als Baukosten wurden bisher 18 Millionen Euro genannt. Der Caritas-Verband Heidelberg hatte die Einrichtung im Jahr 2014 von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul in Heppenheim übernommen. Er betreibt auch die Altenpflegeeinrichtung Sankt Michael in der Steubenstraße in Handschuhsheim. Auch dort muss anschließend an St. Hedwig neu gebaut werden.
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Heidelberg: Starkes Plädoyer für das jüdische Leben in Deutschland (Mon, 17 Jun 2019)
Von Christian Altmeier Heidelberg. Der Bundespräsident fand klare und eindringliche Worte. "Hass und Gewalt zerstören den Dialog", rief er in die vollbesetzte Aula der Universität. "Sie fordern uns zur Gegenwehr heraus, mit Worten und mit Taten, mit den Mitteln der Zivilcourage und mit den Mitteln des Rechtsstaates." Das Staatsoberhaupt war am Montag nach Heidelberg gekommen, um das 40-jährige Bestehen der Hochschule für Jüdische Studien (HfJS) zu begehen. Doch angesichts des wachsenden Antisemitismus, der auch in der Mitte der Gesellschaft wieder salonfähig wird, wie Steinmeier betonte, war die Stimmung keineswegs ungetrübt. Der Bundespräsident bekräftigte in seiner Rede noch einmal nachdrücklich, was er bereits in einem deutschlandweit beachteten Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung (Samstag) gesagt hatte. "Wir dürfen es nicht hinnehmen, wenn jüdische Bürgerinnen und Bürger zum Ziel von Herabwürdigung und Hass werden. Es darf uns nicht gleichgültig sein und wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass jüdische Schulen und Synagogen schwer bewacht werden müssen. Und wir dürfen es nicht hinnehmen, wenn sich Juden nicht trauen, auf unseren Straßen Kippa zu tragen", forderte der Bundespräsident. Und die Zuhörer in Heidelberg dankten es ihm mit langen und starken Ovationen. Steinmeier berichtete auch, dass erst kürzlich in der Synagoge und im Jüdischen Museum in Augsburg antisemitische und rechtsextreme Schmierereien entdeckt worden seien. Und der Präsident, der die Synagoge selbst vor zwei Jahren besucht hatte, zeigte sich schockiert: "Antisemitische Schmierereien, wie sie in der Ausstellung und im Gestühl entdeckt worden sind, sind nicht nur eine unvorstellbare Respektlosigkeit gegenüber den Gläubigen, sie sind einfach abscheulich und widerwärtig!" An dieser Stelle spendeten die rund 700 Besucher kräftigen Applaus. Doch der Bundespräsident war nicht nur als Mahner an den Neckar gekommen. Schließlich galt es ein Doppeljubiläum zu feiern: 40 Jahre Studium des Judentums in Heidelberg und 200 Jahre Wissenschaft des Judentums als Disziplin. Und Steinmeier, der sich am Nachmittag auch mit Studierenden getroffen hatte, zeigte sich von der Arbeit der Hochschule beeindruckt: "Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Verständigung und Versöhnung - und zum demokratischen Diskurs in unserem Land." Die Absolventen hätten auch dazu beigetragen, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder aufblühe. "Dieses vielfältige jüdische Leben ist ein unermessliches Glück für unser Land", bekräftigte der Bundespräsident, der noch ein besonderes Anliegen hatte: "Wir müssen als Gesellschaft miteinander im Gespräch bleiben." Und die HfJS sei ein solcher Raum für Gespräche. Auch der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, betonte, wie wichtig es sei, Wissen über das Judentum zu vermitteln. "Viele Schritte sind notwendig, um ein weiteres Abdriften unseres Landes nach rechts zu verhindern. Es wird Zeit, dass sich der Wind dreht", so Schuster. Dabei komme Bildung beim notwendigen politischen Klimawandel die gleiche Bedeutung zu, wie dem Kohleausstieg für den ökologischen Klimawandel. Mit ihrer soliden und hochwertigen wissenschaftlichen Ausbildung schaffe die HfJS die Voraussetzungen dafür. So freute sich schließlich Landes-Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, dass Baden-Württemberg Sitzland dieser "Perle" der deutschen Hochschullandschaft sei. "Wissen über das Judentum - und leider auch Wissen über den Antisemitismus - ist systemrelevantes Wissen für unser Land, weil wir Antisemitismus hier nicht ertragen und nicht dulden" erklärte die Grüne, die der HfJS dafür dankte, dass sie dazu beitrage, das Judentum hierzulande sichtbar zu machen.
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Von weltweiter Strahlkraft: Philosoph Jürgen Habermas wird heute 90 Jahre alt (Mon, 17 Jun 2019)
Von Heribert Vogt Heidelberg. Gerade in einem Zeitalter, in dem Nationalismus und Demokratiefeindlichkeit stark auf dem Vormarsch sind, zeigt sich das Werk des Philosophen Jürgen Habermas als besonders aktuell. Etwa bei der Heidelberger Verleihung des Karl Jaspers-Preises an ihn 1995 lautete die Begründung: "Sein philosophisch-wissenschaftliches Werk hat sich bewusst in den Dienst der Beförderung des demokratischen Rechtsstaats und der Humanität gestellt." Zu der damaligen Feierstunde mit Rektor Peter Ulmer für die Universität und Oberbürgermeisterin Beate Weber für die Stadt Heidelberg kehrte Habermas an die Ruperto Carola zurück. Heidelberger Philosophie Denn durch Vermittlung von Hans-Georg Gadamer wurde er 1961, im Alter von 32 Jahren, an der Universität Heidelberg außerordentlicher Professor für Philosophie und lehrte hier bis 1964. So beeinflusste auch die große Heidelberger Philosophie-Tradition von Hegel über Jaspers bis Gadamer die wissenschaftliche Laufbahn von Jürgen Habermas, der heute 90 Jahre alt wird und zu den bedeutendsten Philosophen zählt. Zum Jaspers-Preis 1995 hieß es weiter: "Jürgen Habermas hat durch seine Theorie der gewaltfreien menschlichen Kommunikation einen weltweit gewürdigten Beitrag zur sozial- und rechtsphilosophischen Klärung der Grundlagen der modernen Industriegesellschaft geleistet. Sein streitbares Engagement im politischen Geschehen der Bundesrepublik Deutschland orientiert sich an den Idealen der europäischen Aufklärung." Bei der Heidelberger Ehrung vor fast 25 Jahren war Habermas schon eine Zelebrität von globaler Strahlkraft, vor allem in Zusammenhang mit der Frankfurter Schule und der Kritischen Theorie. Nach Gadamers Tod 2002 war der gebürtige Düsseldorfer Habermas wohl der herausragende deutsche Philosoph der Ge-genwart. Nun spielt auch der Karlsruher Peter Sloterdijk eine wichtige Rolle. Auch in den USA erfreute sich Habermas bereits seit den 1970er Jahren großer Beliebtheit. Im Jahr 1978 erschien dort die erste bedeutende Abhandlung über Habermas von Thomas A. McCarthy ("The Critical Theory of Jürgen Habermas"). Seit den 1990er Jahren gab es einen Anstieg an Veröffentlichungen, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Denkens von Habermas beschäftigten. Seine zahlreichen USA-Aufenthalte als Gastprofessor führten ihn mit wichtigen Vertretern der amerikanischen Gegenwartsphilosophie zusammen, etwa mit Richard Rorty, Ronald Dworkin, John Rawls oder Noam Chomsky. In Italien wurde Habermas in den 1970er Jahren als Vertreter der Kritischen Theorie wahrgenommen, anschließend verlagerte sich das Interesse auf seine Diskurstheorie der Moral. In Frankreich kam es in den 1980er und 1990er Jahren zu Kontroversen mit Jean-François Lyotard und Jacques Derrida als Vertretern der Postmoderne, bevor sich das Interesse verstärkt auf Habermas als Rechts- und Staatsphilosoph richtete. Ähnliches trifft auch in Lateinamerika zu. Dort wurden seine auf der Diskurstheorie basierenden Konzepte eine Art dritter Weg zwischen den konservativen Richtungen und den Positionen linksrevolutionärer Strömungen. Generell wird heute insbesondere das spätere Werk von Jürgen Habermas rezipiert, das er nach seiner Theorie des kommunikativen Handelns veröffentlichte. Seine Arbeiten wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Vor der Heidelberger Station hatte Habermas seine Assistentenzeit bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno am Frankfurter Institut für Sozialforschung absolviert. 1964, im Jahr seiner Rückkehr vom Neckar an den Main, nahm Habermas auf dem Heidelberger Schloss am berühmten 15. Deutschen Soziologentag teil (siehe Hintergrundkasten). An der Universität Frankfurt wurde er damals auf Horkheimers Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie berufen. Während der Jahre 1967/68 war er dann ein geistiger Anreger der Studentenbewegung, in deren Frankfurter Szene er eine exponierte Position innehatte. Der Name Habermas war über Jahrzehnte mit einem hohen Nachrichtenwert verbunden. Denn stets aufs Neue mischte er sich als öffentlicher Intellektueller streitbar in aktuelle Debatten ein, um die deutsche Mentalitätsgeschichte mitzuprägen. Studentenbewegung, Historikerstreit, Wiedervereinigung, Nato-Einsatz, Terrorismus, Stammzellforschung, Irakkrieg, Bankenkrise oder Europa sind einige Schlagworte für seine Einlassungen. Im Hintergrund stehen stets ein positives Menschenbild und der Glaube an die Kraft der Vernunft. Noch vor fünf Jahren warb er in Princeton (USA) für das "europäische Experiment" einer transnationalen Demokratie. Zwar wohnt Habermas heute am Starnberger See nahe München, aber seine wichtigsten Werke entstanden in Frankfurt. Promoviert hatte er in Bonn mit einer Arbeit über den Philosophen Schelling (1775-1854). Habilitiert wurde er 1961 in Marburg - seine damalige Schrift "Strukturwandel der Öffentlichkeit" gilt immer noch als bahnbrechend. Während der 1970er Jahre war er Direktor eines Max-Planck-Instituts in Starnberg, bevor er 1983 erneut an den Main zurückkehrte. In seinem Hauptwerk "Theorie des kommunikativen Handelns" (1981) entwirft Habermas eine Art Handlungsleitfaden für die moderne Gesellschaft. Seiner Theorie zufolge liegen die Norm setzenden Grundlagen einer Gesellschaft in der Sprache. Als Verständigungsmittel ermögliche sie erst soziales Handeln. Große internationale Preise Habermas’ Weltruhm verhinderte nicht, dass auch er - ähnlich wie die etwas älteren Schriftsteller Günter Grass und Martin Walser - in die Nähe des Hitler-Regimes gerückt wurde. Er konnte einem Buch, das den damals 14-jährigen "Jungvolkführer" kritisierte, erfolgreich entgegentreten. Der Philosoph mit einer angeborenen Gaumenspalte ist seit 1955 mit Ute Wesselhoeft verheiratet und hat drei Kinder: Tilmann Habermas (Jahrgang 1956) ist seit 2002 Professor für Psychoanalyse an der Universität Frankfurt, Rebekka Habermas (geboren 1959) arbeitet seit 2000 als Professorin für Geschichte an der Universität Göttingen, und Judith Habermas (Jahrgang 1967) ist im Kölner DuMont Verlag tätig. Habermas sagt über sich selbst, vor allem habe er "ein Leben für die Wissenschaft" gelebt. Und der Philosoph ist auch noch mit 90 Jahren produktiv: Am 30. September erscheint im Suhrkamp Verlag der Doppel-Titel "Auch eine Geschichte der Philosophie" (Band 1: "Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen"; Band 2: "Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen". In der Verlagsankündigung heißt es nun: "Das neue Buch von Jürgen Habermas ist aber nicht nur eine Geschichte der Philosophie. Es ist auch eine Reflexion über die Aufgabe einer Philosophie, die an der vernünftigen Freiheit kommunikativ vergesellschafteter Subjekte festhält: Sie soll darüber aufklären, "was unsere wachsenden wissenschaftlichen Kenntnisse von der Welt für uns bedeuten - für uns als Menschen, als moderne Zeitgenossen und als individuelle Personen". Wie die mit Heidelberg verbundenen Wissenschaftler Karl Jaspers, Alexander Mitscherlich sowie Jan und Aleida Assmann hat er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten (2001). Unter den zahlreichen Auszeichnungen befinden sich auch große internationale Ehrungen - wie der dänische Sonning-Preis (1987), der spanische Prinz-von-Asturien-Preis (2003) oder der japanische Kyoto-Preis (2004). Noch 2018 erhielt Habermas den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis, und 2006 wurde ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels nach ihm benannt: (59390) Habermas.
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Heidelberg-Kirchheim: Grapscher greift 20-Jähriger vor ihrer Haustür unter den Rock (Mon, 17 Jun 2019)
Heidelberg-Kirchheim. (pol/mare) Eine junge Frau ist Sonntagnacht von einem Unbekannten in Kirchheim begrapscht worden. Das teilt die Polizei mit. Die 20-Jährige war gegen 23.45 Uhr auf dem Nachhauseweg. Sie lief von der Haltestelle Kirchheim/Rathaus in die Konradgasse. Als sie ihre Haustür aufschließen wollte, bemerkte sie, dass ihr ein Mann gefolgt war. Dreist griff ihr der Mann unter den Rock und betatschte sie am Gesäß. Anschließend flüchtete er. Die 20-Jährige beschrieb ihn so: Er hatte ein nordafrikanisches Erscheinungsbild, war etwa Anfang 20 und 1,75 bis 1,80 Meter groß. Er hatte einen Kinnbart, dichtes kurz-gelocktes schwarzes Haar und sprach Deutsch mit ausländischem Akzent. Außerdem trug er eine Jeans und ein schwarzes T-Shirt. Zeugen des Vorfalls oder Personen die anhand der übermittelten Personenbeschreibung Hinweise zur Identität des Gesuchten geben können, werden gebeten, die Polizei unter Telefon 0621/1744444 anzurufen.
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Handschuhsheimer Kerwe: Schweine- und Clownskopf aus Karussell gestohlen (Mon, 17 Jun 2019)
Heidelberg. (pol/rl) Einen "Schweinekopf" sowie einen "Clownskopf" klauten Unbekannte vom Kerwe-Karussell in Handschuhsheim. Das Fahrgeschäft auf dem Vorplatz der Tiefburg in der Dossenheimer Landstraße wurde in der Nacht zum Sonntag das Ziel der Diebe. Diese sollen zwischen Samstagabend, 23 Uhr und Sonntagvormittag, 11 Uhr zugeschlagen haben. Ein Mitarbeiter eines weiteren Fahrgeschäfts hatte nach dem Diebstahl einen Jugendlichen gesehen, der mit dem Clownskopf unterwegs war. Als er den jungen Mann stellte, konnte er ihm den Kopf noch abnehmen, aber nicht festhalten. Der junge Mann rannte davon. Der Verdächtige soll etwa 17 bis 20 Jahre alt und 1,70 bis 1,75 Meter groß gewesen sein. Er war schlank, hatte blondes, kurzes Haar und trug eine Bluejeans sowie ein weißes T-Shirt. Besucher der Kerwe oder andere Zeugen des Diebstahls werden gebeten, sich beim Polizeirevier Heidelberg-Nord unter der 06221/45690 zu melden.
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Lebendiger Neckar: Tausende strömten am Sonntag ans Flussufer (Sun, 16 Jun 2019)
Von Katharina Kausche Heidelberg. "Ist da etwa jemand reingefallen", fragte eine Passantin auf der Theodor-Heuss-Brücke geschockt. In den Neckar gefallen ist am Sonntag niemand, zumindest nicht unabsichtlich. Wenn, dann nur mit einem eleganten Abgang. Der Kinder- und Jugendzirkus "Peperoni" begeisterte beim "Lebendigen Neckar" in diesem Jahr wieder die Zuschauer mit seinen akrobatischen Nummern unter der Brücke. Und hundert Meter weiter sprangen BMX-Fahrer über eine Rampe ins Wasser. Nicht nur über dem Fluss, auch an Land bot der Aktionstag auf der Neckarwiese einiges. In Ruhe auf der Wiese picknicken, lesen und dösen? Das konnten sich die Besucher gestern abschminken. Alle paar Meter wurden sie zum Mitmachen aufgefordert. Bei den "Rolling Chocolates" konnten sie Rollstuhl-Basketball ausprobieren, auf dem Airtrack der Kunstturner Saltos üben oder auf der Wiese Lacrosse spielen - auch, wenn sich dabei der ein oder andere Besucher im Vorbeigehen ducken musste und mancher Ball im Neckar landete. Der Heidelberger Segelverein nahm Interessierte mit auf einen Segelschnupperkurs, und das städtische Landschafts- und Forstamt brachte Besucher auf seinem Hubsteiger in die Höhe - für einen Panoramablick auf die Neckarwiese. Angesichts von so viel Aktion und Bewegung gab es auch alle paar Meter Angebote zum "Energie tanken": von der klassischen Bratwurst bis zur malaiisch-indonesischen Spezialität. Etwas ruhiger ging es in der Uferstraße zu. Hier reihten sich Flohmarkt- an Infostände. An einem der vielen Stände erklärte Klemens Nagel vom Bezirksimkerverein einigen Kindern, wie ein Bienenstock funktioniert und was die Königin von den anderen Bienen unterscheidet. Ein paar Meter weiter informierte der Zoo über seine Tiere und das Techniklabor "Explo". Aber auch das Shopping kam nicht zu kurz: Lotte Wombacher und Paula Blum hatten für ihren Flohmarktstand die ganze Familie eingespannt. Drei Generationen hockten gemeinsam auf der großen Picknickdecke, auf der die beiden Schmuck, Magazine und Spiele ausgebreitet hatten. "Wir haben schon viel verkauft", sagte Paula. Für sich selbst hat die 13-Jährige auf dem Flohmarkt aber nichts gefunden. "Es gibt hier nicht so viel für unser Alter." Nach dem erfolgreichen Flohmarkt ging es für Paula und Lotte noch zum traditionellen Entenrennen an die Theodor-Heuss-Brücke: Hunderte Plastikenten schwammen bis zur Wasserschachtel um die Wette. Der Erlös aus den Rennlizenzen geht auch in diesem Jahr wieder an gemeinnützige Projekte.
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